Mehr als Bier: Warum Tschechien beim Länderimage ins Abseits gerät
Die Tschechische Republik muss ihr internationales Image gezielt stärken. Darin sind sich Regierungsvertreter, Wirtschaftsakteure und Bürger einig, wie eine aktuelle Meinungsumfrage zeigt. Der Staat entwickelt daher eine umfassende nationale Markenstrategie, um ausländische Investoren und Touristen anzuziehen und tschechische Unternehmen auf dem globalen Markt zu unterstützen.
Tschechien belegt Platz 31 im internationalen National Brand Index und liegt somit unter anderem hinter Polen, Griechenland und Argentinien. Die Initiative, das Image des Landes zu verbessern, wird hierzulande seit vielen Jahren diskutiert. Und es gab bereits Dutzende Versuche, eine einheitliche Identität zu schaffen. Der Prozess des Markenaufbaus begann in der vorigen Legislaturperiode und wird von der aktuellen Regierung fortgesetzt. Das Kabinett von Premier Andrej Babiš (Partei Ano) hat sich zum Ziel gesetzt, Tschechien bis 2030 im weltweiten National Brand Index um mindestens sechs Plätze nach oben zu bringen.
An dem Projekt sind staatliche Einrichtungen, aber auch etwa die Wirtschaftsinitiative „Druhá ekonomická transformace“ (Zweite Wirtschaftstransformation) und die Stiftung Blížksobě beteiligt.
Laut David Müller vom Industrieministerium könnte die Entwicklung einer neuen Marke vom Regierungsamt oder einem Ministerium koordiniert werden:
„Wir gehen davon aus, dass bis Ende des Sommers umfassende Ergebnisse vorliegen werden. Daher muss diese Diskussion auf Regierungsebene stattfinden.“
Die Meinungsforschungsagentur Stem hat zu diesem Thema eine repräsentative Bürgerbefragung durchgeführt. Laut dem Soziologen Martin Buchtík verbinden nicht nur Menschen im Ausland, sondern auch die Tschechen selbst ihr Land traditionell mit Bier und Sport. Neben dem Klassiker Eishockey gewinnt in den letzten Jahren insbesondere der Tennissport als nationales Identifikationsmerkmal massiv an Bedeutung.
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„Wir bemühen uns, eine ganz andere Geschichte als nur die vom Bier zu erzählen. Denn diese möchte keiner von uns wiederholen. Sie ist trivial, und wir schaden damit im Grunde uns selbst.“
Laut Buchtík hoben die Befragten vor allem das handwerkliche Geschick der Tschechen hervor sowie ihre ausgeprägte Fähigkeit zu improvisieren und schwierige Situationen flexibel zu meistern. Zudem schätzen die Bürger ihr Land als einen Raum, der persönliche Freiheit mit einem sehr hohen Maß an Sicherheit verbindet.
Den Daten zufolge genießt Tschechien im Ausland keinen schlechten Ruf. Wahrscheinlicher ist, dass die Menschen, insbesondere im Westen, Tschechien gar nicht kennen. Oder sie haben nicht bemerkt, dass es die Tschechoslowakei nicht mehr gibt. Die Technologieunternehmen von hier können jedoch mitunter im Ausland auf Hindernisse stoßen. Martin Vohánka ist Gründer einer Plattform für Zahlungs- und Mobilitätslösungen im gewerblichen Straßentransport namens Eurowag. Er sieht einen großen Unterschied zwischen dem tatsächlichen Potential in Tschechien und der öffentlichen Wahrnehmung des Landes:
„Wenn ich sage, ich vertrete ein Technologieunternehmen aus Tschechien, und jemand aus Kalifornien steht daneben und macht genau dasselbe, dann wird dessen Aktienkurs automatisch höher bewertet. Das ist nun einmal so. Und wenn man ein erstklassiges technisches Produkt hat und es mit dem Siegel ‚Made in Germany‘ oder ‚Made in Switzerland‘ versieht, kann man dafür 20 bis 30 Prozent mehr in Rechnung stellen.“
Martin Wichterle, Eigentümer des Maschinenbaukonzerns Wikov Industry, betont, dass ein starkes Image weit mehr als nur eine reine Expansionshilfe auf Auslandsmärkte sei. Es sei mittlerweile ebenso ein entscheidender Faktor im globalen Wettbewerb um Fachkräfte, meint Wichterle:
„Ein positives Länderimage hilft uns maßgeblich dabei, qualifizierte Talente nach Tschechien zu holen. Um diese klugen Köpfe tobt weltweit ein harter Kampf. Sie stehen nicht gerade Schlange, um zu uns ins Land gelassen zu werden.“
Als erfolgreiche Vorbilder für einen gelungenen Image-Wandel nennt Wichterle Länder wie Estland oder Costa Rica.
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