„Fühl dich frei zu wählen“ – neue Imagekampagne für den Urlaub in Tschechien
In den vergangenen Jahren hat sich Tschechien zunehmend zu einem Besuchermagnet entwickelt. Seit der Corona-Pandemie wachsen die Zahlen nicht nur an, sondern brechen Rekorde. Die Tourismusagentur CzechTourism möchte diesen Trend nutzen, um die Touristen aus dem Ausland zu längeren Aufenthalten zu bewegen.
2025 war für den Tourismus in Tschechien ein sehr erfolgreiches Jahr. Insgesamt 60 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste wurden gezählt und 24 Millionen Einreisen von Besuchern aus allen möglichen Gegenden der Welt. Dies bedeutete jeweils eine Steigerung von über vier Prozent. Wie beurteilt CzechTourism, die staatliche Tourismusagentur, diese Entwicklung?
„Im Grunde sind wir zufrieden mit der Gesamtzahl an Besuchern hier in Tschechien. Sowohl die Zahl der Einreisen als auch der Übernachtungen liegt auf Rekordhöhe, seit wir mit der Erfassung der Daten begonnen haben. Doch wir sehen Reserven bei der Dauer der Aufenthalte, mit dieser sind wir nicht so zufrieden. Unser Ziel ist, dass die Besucher länger bei uns bleiben – kurz gesagt sollte die Zahl der Übernachtungen schneller wachsen als die Zahl der Einreisen. Die Aufenthaltsdauer liegt seit 13 Jahren ungefähr auf dem Niveau von dreieinhalb Tagen. Wir wollen erreichen, dass sich diese verlängert. Denn je länger ein Besucher bei uns bleibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er auch in eine der Regionen fährt“, sagt CzechTourism-Direktor František Reismüller gegenüber Radio Prag International.
Denn auch das ist eines der Ziele der Tourismuszentrale: den Pragozentrismus bei ausländischen Besuchern zu durchbrechen. Schließlich hat der Fremdenverkehr laut Reismüller große wirtschaftliche Relevanz für Tschechien. Die letzten Zahlen stammen aus dem Jahr 2023. Da trug dieser Wirtschaftszweig mit knapp 2,7 Prozent zum tschechischen Bruttoinlandsprodukt bei. Dies entsprach 180 Milliarden Kronen (7,4 Milliarden Euro). Weiter konkretisierte Reismüller bei einer bilanzierenden Pressekonferenz in der vergangenen Woche:
„Die Bedeutung des Fremdenverkehrs lässt sich nicht leugnen. Jeder 24. Tscheche ist in der Branche beschäftigt. Der Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt liegt höher als der der Landwirtschaft. Für einige Regionen handelt es sich um einen Schlüsselsektor, obwohl ich behaupten würde, dass dies eigentlich für alle Gegenden Tschechiens gilt. Aber in diesen Regionen liegt der Anteil am dortigen Bruttoinlandsprodukt höher als der im gesamten Land. Und das trifft auf Prag zu sowie auf den Kreis Karlsbad und die meistbesuchten Kreise Südböhmen und Südmähren.“
Gerade Gäste aus Deutschland sind eher bereit, auch in andere Regionen als in die tschechische Hauptstadt zu fahren. Das bestätigt der CzechTourism-Chef:
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„Die deutsche Klientel ist vielschichtig. Es gibt die, die am Wandern und Radfahren interessiert sind, wie auch jene, die wegen eines kulturellen Erlebnisses hierherkommen – etwa in die westböhmischen Kurorte, denn das ist eine Grenzregion. Der Vorteil bei vielen deutschen Touristen ist, dass sie schon einmal im Land waren und etwas über Tschechien wissen. Daher besteht das große Potenzial, sie in weitere Regionen zu leiten und ihnen Orte zu zeigen, an denen sie noch nicht waren. Das hilft jenen Regionen, die etwas weniger besucht werden.“
Auch im vergangenen Jahr stellten die Besucher aus Deutschland die größte Gruppe ausländischer Touristen. Konkret waren es 2,35 Millionen. Reismüller verrät indes noch ein interessantes Detail über die Besucher aus dem Nachbarland…
„Ein kleiner Nachteil besteht darin, dass die überwiegende Mehrheit der deutschen Touristen praktisch nur aus zwei Bundesländern kommt. Das sind Bayern und Sachsen, die rund 90 Prozent der Besuche ausmachen. Je weiter man nach Westen geht, desto weniger wissen die Menschen über uns. Und aus einer Umfrage ging sogar hervor, dass die Bewohner westlicher Bundesländer teils noch glauben, es würde weiter die Tschechoslowakei geben. Das ist schade, und dort müssen wir mehr machen, weil das Potenzial riesig ist“, so der CzechTourism-Direktor.
ITB in Berlin und Frankfurter Buchmesse
Im vergangenen Jahr hat die Agentur CzechTourism ihre Marketingaktivitäten verstärkt. So wurde in zehn ausgewählten Staaten die Kampagne „Unexpected Wellbeeing“ lanciert – unter anderem auch in Deutschland. Dabei wurden Aktivurlaub und Kurorte in einem beworben. Das habe 300 Millionen Aufrufe der entsprechenden Website gebracht, bilanzierte František Reismüller. Aber auch 21 Großveranstaltungen hätten Tschechien als Reiseland sichtbarer gemacht, hieß es. Dazu gehörten etwa der Biathlon-Weltcup in Nové Město na Moravě, der Moto GP in Brno / Brünn oder das Festival Beats for Love. Und nicht zuletzt halfen die Expo im japanischen Osaka sowie der neue Roman von Dan Brown mit dem deutschen Titel „Zwischen Leben und Tod – Das letzte Geheimnis der Menschheit“, der in Prag spielt. Zudem hat das Computerspiel „Kingdom Come: Deliverance II“ die Fangemeinde nach Tschechien gelotst.
„Feel Free“ heißt die Imagekampagne von CzechTourism im aktuellen Jahr. Sie stützt sich auf vier Pfeiler: das reiche Kulturerbe, die gute Verkehrsanbindung von außen und im Land selbst, der entwickelte Dienstleistungssektor und die einzigartige Atmosphäre. Und weiter Reismüller:
„Wir sagen im Grunde, dass man es bei uns im Land gemütlich haben kann und zugleich eine große Skala an Möglichkeiten geboten wird. So kann man einfach nach dem Aufwachen entscheiden, ob man sich an dem Tag eher bezaubern lassen oder vielleicht Sport treiben möchte.“
Ein wichtiger Umstand sei auch der Hinweis darauf, dass Tschechien ein sicheres Land sei, betont der CzechTourism-Chef.
Diese Imagekampagne zielt auf ein Publikum, das überhaupt erst auf einen möglichen Urlaub hierzulande hingewiesen werden soll. Auch wegen Kürzungen im Budget findet sie allerdings nur in sechs Ländern statt. Wie hingegen die Klientel aus Deutschland umworben werden soll, schildert Reismüller gesondert:
„Deutschland wird Teil unserer Conversion-Kampagnen sein. Das heißt, dass das Nachbarland in unsere Aktivitäten zusammen mit den Reiseanbietern eingereiht wird, und wir dann genau zählen, wie viele Touristen durch diese Kampagne hierhergebracht wurden. Des Weiteren gibt es eine breite Skala an Veranstaltungen. Das sind etwa Messen wie die ITB in Berlin, die gerade diese Woche läuft und auf der wir einen neuen, größeren Ausstellungsstand haben. Er umfasst 150 Quadratmeter, auf denen sich auch Dutzende Mitaussteller präsentieren. Hinzukommen weitere, kleinere Messen. Und wir werden auch auf der Frankfurter Buchmesse sein, bei der Tschechien dieses Jahr Gastland ist. Wir wollen dort jene Klientel anlocken, das sich für die Kultur in der Tschechischen Republik interessiert. Nicht zuletzt ist unsere Winterkampagne, mit der wir in die Berge einladen, schon ein Evergreen, und wir lancieren sie auch dieses Jahr.“
Conversion oder auf Deutsch Konversion bedeutet im Marketing, dass gemessen wird, wie viele Besucher einer Website auch zu Käufern wurden.
Ein weiterer Punkt ist, dass CzechTourism seit vergangenem Jahr verstärkt die Gastronomie im Land bewirbt. Dafür wurde ein Vertrag mit Michelin geschlossen, der noch bis Ende 2027 läuft. Im Dezember erhielten die ersten Restaurants im Land ihren Stern, in einem Fall sogar zwei Sterne. Dies soll in- und ausländische Gourmets ansprechen, die auch den entsprechenden Geldbeutel haben – mit einem positiven Nebeneffekt für den Fremdenverkehr…
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„Wir sehen das schon jetzt. Die Restaurants, die es in den Michelin-Führer geschafft haben, verzeichnen bereits Buchungen bis Mitte dieses Jahres. Wichtig ist aber, was aus den Fragebögen an diese Restaurants hervorgeht. Denn die Gäste, die anrufen oder schreiben, wollen nicht nur einen Tisch reservieren. Sondern sie fragen auch, ob man ihnen nicht eine Unterkunft in der Umgebung empfehlen könnte, und was in der Gegend alles zu sehen ist. Und genau deswegen haben wir diesen Vertrag geschlossen“, so Reismüller.
Mittlerweile besteht ebenso eine Zusammenarbeit mit dem Restaurantführer Gault-Millau, er hat vor einem Jahr eine erste Ausgabe für Tschechien veröffentlicht. Und auch die eigene Marke von CzechTourism für gute Gastronomie wird entstaubt und aufgefrischt. Sie heißt Czech Specials. František Reismüller erläutert:
„Czech Specials ist keine Auszeichnung. Es definiert einen Standard. Wenn irgendwo gute tschechische Küche zubereitet wird und das entsprechende Restaurant daran interessiert ist, mit uns zusammenzuarbeiten, dann hat es das Recht auf die Marke Czech Specials. Wir kooperieren dafür mit dem Berufsverband der Köche und Konditoren, die diese Standards regelmäßig vor Ort kontrollieren.“
Die Informationen zu den Czech Specials auf der Website „Visit Czechia“ gibt es zwar nicht auf Deutsch, aber zumindest auf Englisch.
Viele Reisetipps oder Reiseangebote finden sich auf www.visitczechia.com, und das unter anderem auch in deutscher Sprache.
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