Mit Kunstwerken und Gesang: Gedenken an das Massaker von Lidice

Gedenkstätte in Lidice (Foto: Ondřej Tomšů)

Aus der Geschichte lernen! Dieses Motto wird hierzulande besonders im Juni großgeschrieben, wenn sich zwei tragische Ereignisse jähren: die Massaker von Lidice und von Ležáky. Das Dorf Lidice, ein kleiner Ort unweit von Prag, wurde am 10. Juni 1942 von den Nationalsozialisten dem Erdboden gleichgemacht. Alle männlichen Dorfeinwohner wurden erschossen, die Frauen und Kinder in Konzentrationslager verschleppt. Jetzt, 75 Jahre danach, finden außer den Gedenkakten auch mehrere Begleitveranstaltungen statt.

Lidice wurde 1942 dem Erdboden gleichgemacht  (Foto ČT24)
Das Massaker von Lidice hat auch viele Künstler zu mahnenden Werken inspiriert. Bereits 1967 entstand daher am Ort der Gräueltat eine Kunstsammlung. Zu verdanken ist sie dem Berliner Galeristen René Block. Martina Lehmannová, die Leiterin der Gedenkstätte und Galerie in Lidice, erinnert sich:

„Im Jahr 1967 kam René Block aus Berlin nach Lidice mit einer Reihe von Kunstobjekten von jungen deutschen Künstlern. In dieser Sammlung waren unter anderem Werke von Gerhard Richter, Sigmar Polke oder Joseph Beuys, also Künstlern, die mittlerweile weltbekannt sind. Dieses Erbe ist bis heute eine der bedeutendsten Galerien der Sammlung Lidice.“

Damals organisierte Block die „Hommage à Lidice“, eine Ausstellung mit Werken von 21 Künstlern, um damit der Zerstörung des Dorfes durch die Nazis zu gedenken. Drei Jahrzehnte später widmete er der Gedenkstätte weitere 31 Werke, diesmal von Künstlern aus dem inzwischen wiedervereinigten Deutschland. Block nannte diese Sammlung Pro Lidice. In diesem Jahr werden diese beiden Sammlungen gemeinsam mit neuen Schenkungen von 44 internationalen Künstlern präsentiert. Martina Lehmannová:

Martina Lehmannová  (Foto: Ondřej Tomšů)
„Diese Ausstellung heißt ‚Remember Lidice‘. Sie stellt ein Spektrum aus der 50-jährigen Geschichte unserer Sammlung dar. Die neue Dauerausstellung wird dabei sowohl alle Werke der neuen Künstler, als auch ausgewählte Exemplare aus den bisherigen Expositionen umfassen.“

Zu den Künstlern, die neu hinzugekommen sind, zählen unter anderem Lawrence Weiner, Rosa Barba, Sunah Choi, Valie Export, Alfredo Jaar und Sarkis. Ausgewählt wurden ihre Werke auch diesmal von René Block. Die neue Dauerausstellung wird am 9. Juni um 18:00 Uhr eröffnet. Das Goethe-Institut bietet im Rahmen der Gerhard-Richter-Ausstellung in der Nationalgalerie Prag einen kostenfreien Shuttlebus-Service nach Lidice und retour an.

Gedenkstätte in Lidice  (Foto: Ondřej Tomšů)
Am Samstag – genau 75 Jahre nach der Zerstörung von Lidice – findet am Ort des damaligen Massakers die große Gedenkveranstaltung zu Ehren der Opfer statt. An ihr wird auch Premier Bohuslav Sobotka teilnehmen. Seit einiger Zeit aber ist neben dem offiziellen Pietätsakt noch eine weitere Aktion ein fester Bestandteil der nationalen Gedenkfeier. Martina Lehmannová:

„Vor elf Jahren wurde die Initiative ‚Das Licht für Lidice‘ aus der Taufe gehoben. Damit ist jedoch nicht gemeint, dass jemand mit einer Kerze das Licht in unsere Gemeinde bringt. Vielmehr kommen Kinderchöre aus ganz Tschechien hierher. Die jungen Sänger treten nach dem Hauptprogramm der Gedenkveranstaltung am 10. Juni auf. Dann beginnt das Festival ‚Licht für Lidice‘. Dazu kommen jedes Jahr rund 600 Kinder nach Lidice, die mit ihren Chören ein dreistündiges Programm darbieten. Das Programm ist den damaligen Kindern aus Lidice gewidmet.“