Mobil ans Ziel

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Willkommen und Start frei zu unserer letzten Verkehrssendung "Mobil ans Ziel" in diesem Jahr. Am Mikrofon begrüßen Sie Martina Schneibergova und Lothar Martin.

Wenn ein Jahr zu Ende geht, dann ist es Zeit zum Bilanzieren. Und da gibt es mitunter Ranglisten, die eine Institution, eine Branche oder auch ein Land in seinem Wirken und Schaffen vergleichsweise einordnen. Bei einer dieser Erhebungen im Verkehrsbereich schneidet die Tschechische Republik dabei äußerst schlecht ab. Wie nämlich die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in einer ihrer Erhebungen feststellen musste, hat die Tschechische Republik im ersten Halbjahr dieses Jahres den größten Anstieg an Verkehrstoten im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Jahres 1999 unter den 19 OECD-Ländern zu beklagen, von denen der Organisation entsprechende Informationen zur Verfügung stehen. Dabei ist die Gesamtanzahl der Menschen, die bei Verkehrsunfällen in diesen 19 OECD-Ländern ums Leben kamen, leicht gesunken - um drei Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Jahres 1999, und zwar von 26.870 Verkehrstoten auf 25.930. Vorläufigen Schätzungen zufolge, die die OECD vor gut einer Woche in Paris veröffentlichte, wird auch zum Jahresende der Trend der vergangenen Jahre bestätigt, dass es zu einem leichten Abfall der Verkehrsunfälle mit Todesfolge gekommen ist.

In sechs der 19 OECD-Länder ist die Anzahl der Verkehrstoten allerdings gestiegen und dabei am deutlichsten in der Tschechischen Republik - um alarmierende 14,6 Prozent. In Zahlen ausgedrückt heißt das: 589 Verkehrstoten im ersten Halbjahr 1999 stehen 675 im Zeitraum von Januar bis Juni 2000 gegenüber. Zum Vergleich: in Deutschland, Japan, Schweden und Australien bewegt sich der Anstieg der Verkehrsunfälle mit Todesfolge um ein Prozent, in Norwegen betrug er fünf Prozent. Die eindeutig häufigsten Ursachen für die Unfälle, bei denen Menschen getötet wurden, sind dabei in den OECD-Ländern das Fahren unter Alkoholeinfluss und eine überhöhte Geschwindigkeit beim Führen des Fahrzeugs. Alkohol am Steuer ist bei rund einem Drittel der Todesfälle die Ursache, überhöhte Geschwindigkeit bei einem nur unwesentlich geringeren Anteil der Fälle.

Laut dem OECD-Bericht bestätige aber die sinkende Anzahl der Todesfälle, dass die in vielen Ländern bereits eingeführten Maßnahmen zur Sicherheit des Straßenverkehrs sich als wirksam erwiesen haben bei der Einschränkung der Verkehrsunfälle, und das trotz der Tatsache, dass die Anzahl der Fahrzeuge im Straßenverkehr ständig zugenommen hat.

Da die Tschechische Republik diesem Trend noch nicht gefolgt ist, sondern im Gegenteil der Entwicklung weit hinterher hinkt, wartet man hierzulande der Einführung und Umsetzung der neuen Straßenverkehrsordnung zum 1. Januar 2001 schon mit Spannung entgegen. Der tschechische Regierungsrat für die Sicherheit des Straßenverkehrs verspricht sich von der neuen StVo jedenfalls eine deutliche Senkung der Verkehrsunfälle im Lande, wie der Leiter des Sekretariats des Regierungsrates, Karel Pospisil, unlängst auf einer Pressekonferenz in Prag mitteilte. Was es mit dem neuen Gesetz für den Verkehr auf Überlandverbindungen, wie die StVo hierzulande bezeichnet wird, auf sich hat, das erfahren Sie gleich.


Auch wenn wir Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, in unseren vorangegangenen Sendungen schon mehrmals mit den ab Neujahr in Tschechien eintretenden Veränderungen im hiesigen Straßenverkehr bekannt gemacht haben, so wollen wir diese für Sie - aufgrund der Aktualität - an dieser Stelle noch einmal zu Gehör bringen. Hier sind die Wichtigsten unter ihnen:

- Fußgänger haben an markierten Übergängen absoluten Vorrang,

- es besteht Telefonierverbot während der Fahrt, wenn keine Hands-free-Einrichtung im Fahrzeug vorhanden ist,

- es besteht die Pflicht, Kinder unter 12 Jahren oder Personen unter 18 Jahren, die kleiner sind als 1,50 Meter, auf entsprechenden Sitzvorrichtungen anzuschnallen,

- es besteht Überholverbot auf Kreuzungen,

- bei Auftreten eines Verkehrshindernisses besteht die Pflicht, den Nachfolgeverkehr mittels der Warnblinkanlage auf dieses aufmerksam zu machen,

- im Winterhalbjahr muss während der Fahrt das Abblendlicht ganztätig eingeschaltet sein.

Die einheimischen Verkehrsteilnehmer in Tschechien müssen sich mit Beginn des neuen Jahres allerdings auf ein mögliches Hick-hack bei der Ausgabe neuer Führerscheine und der Nummernschilder für ihre Fahrzeuge einstellen. Komplikationen sind auch für die Betreiber, Lehrer und Schüler von Autoschulen zu erwarten. Der Grund: Die neuen Gesetze sehen nämlich vor, dass sämtliche Kompetenzen, die mit dem Aussprechen und Vollstrecken von Bußgeldern, dem Auflisten und Archivieren von Verkehrsvergehen, sowie der Vergabe von Autokennzeichen und Führerscheinen ab kommendem Jahr von der Polizei an die Kreisämter und das Verkehrsministerium übergehen werden. Und das hat natürlich Konsequenzen.

Den Autoschulen fehlen zum Beispielen noch die neuen Ausbildungsregularien, neue Lehrmaterialien, Prüfungsunterlagen und vor allem ausgebildete Prüfungskommissare, die anstelle des bisher die Prüfung abnehmenden Polizisten treten sollen. Den Kreisämtern wiederum stehen bis dato noch nicht genügend ausgebildete Experten für die neu entstehenden Verkehrsämter in den jeweiligen Regionen zur Verfügung. Des weiteren fehlt es auch noch an den neuen Führerscheinen, die nach einer neuen Vorlage vorgedruckt werden sollen. Und so sieht Verkehrsminister Schling den bevorstehenden Umstellungen auch mit einigem Unbehagen entgegen.

Andererseits gibt es auch schon Positives über das Jahr 2001 zu berichten. Dass man dem hierzulande ebenso ständig anwachsenden Verkehrsaufkommen nämlich nicht untätig zusieht, verdeutlicht die Aussage des Vizevorsitzenden der Vereinigung für Straßenbau, Borivoj Kacena, der auf einer Ende November in Prag stattgefundenen Pressekonferenz u.a. auch über das Voranschreiten des Autobahnbaues im Lande sprach. Betreffs der Autobahn D 8, die den tschechischen Teil der zukünftigen Autobahnverbindung von Prag nach Dresden darstellen wird, sagte er uns dabei folgendes:

Wenn Sie aber noch in diesem Jahr, und zwar zu Silvester in die tschechische Haupstadt mit dem eigenen PKW reisen wollen, dann beachten Sie bitte, dass die Prager Innenstadt in der Zeit vom 31. Dezember 16 Uhr bis um 4 Uhr morgens am Neujahrstag vollkommen für den Autoverkehr gesperrt sein wird. Aber in dieser Zeit sollte man das eigene Fahrzeug in der Regel auch schon nicht mehr benutzen.