„Mr. Nobody Against Putin“ ausgezeichnet: Oscar geht auch nach Tschechien

Von links: Radovan Síbrt, Alžběta Karásková, David Borenstein, Pavel Talankin und Helle Faber

In Tschechien hat man letzte Nacht mit Spannung die Oscarverleihung in den USA verfolgt. Und das lange Aufbleiben wurde belohnt. Die dänisch-tschechische Ko-Produktion „Mr. Nobody Against Putin“ hat eine der Trophäen gewonnen.

Als der Komiker Jimmy Kimmel den Oscar für den besten Dokumentarfilm verkündete, dürfte nicht nur das Publikum im Festsaal in Los Angeles gejubelt haben. Auch in Tschechien wird vielerorts Freude ausgebrochen sein. Denn gewonnen hat diesmal „Mr. Nobody Against Putin“, der in dänisch-tschechischer Kooperation produziert wurde.

Auf tschechischer Seite steht dabei die Firma Pink Productions von Alžběta Karásková und Radovan Síbrt. Karásková gab ihre Euphorie nach der Zeremonie gegenüber der Presse zum Ausdruck:

Radovan Síbrt und Alžběta Karásková | Foto: Getty Images North America via AFP / Profimedia

„Ich bin sprachlos und kann es nicht glauben. Ich bin sehr glücklich für Pavel, den Protagonisten des Films.“

Die Rede ist von Pavel Talankin. Er war einst Lehrer in der russischen Stadt Karabasch. Dort filmte er zunächst seinen Arbeitsalltag und Schulfeste, was vom Bildungsministerium eingefordert wurde. Seit Beginn der vollumfänglichen Invasion Russlands in der Ukraine fing Talankin dann immer häufiger Szenen ein, wie die Kinder politisch indoktriniert werden. Die sogenannte patriotische Erziehung hielt er bald vor allem heimlich per Kamera fest und dokumentierte so, wie die Kriegspropaganda in die Schulen eindrang.

Zu der Zeit stand der Lehrer schon in Kontakt mit dem dänischen Regisseur David Borenstein. Für die gemeinsame Fertigstellung des Films musste Talankin Russland jedoch verlassen. Die tschechischen Partner von Pink Productions halfen dabei, dem Exilanten politisches Asyl in Tschechien zu verschaffen.

Pavel Talankin | Foto: Mario Anzuoni,  Reuters

Talankin habe das Leben, das er liebte, geopfert, um der Welt über die Lügen zu berichten, die in Russland verbreitet werden – so würdigt Radovan Síbrt den Protagonisten von „Mr. Nobody Against Putin“. Weiter sagte der Produzent am Montagmorgen in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Das Thema ist aktuell. Es geht nämlich nicht nur um den Krieg in der Ukraine. Es ist ein Antikriegsfilm. Er handelt davon, dass sich ein einzelner Mensch gegen die Mehrheitsmeinung stellen und die Welt um sich herum verändern kann. Oder zumindest kann er das versuchen.“

„Mr. Nobody Against Putin“  (Ein Nobody gegen Putin) | Foto: Pavel Talankin,  PINK

Die Produktionsfirma ist nicht die einzige Verbindung, die der 94-minütige Streifen nach Tschechien hat. Die Filmaufnahmen wurden auch mit Kompositionen unterlegt, die der Kinderchor des Tschechischen Rundfunks eingesungen hat.

David Borenstein  (links) und Pavel Talankin bei der BAFTA-Verleihung | Foto: Suzanne Plunkett,  Reuters

In Deutschland läuft der Dokumentarfilm unter dem Titel „Ein Nobody gegen Putin“. Weltpremiere hatte er 2025 beim Sundance Festival, wo er gleich mit einem Sonderpreis der Jury ausgezeichnet wurde. Es folgte der Publikumspreis beim internationalen Dokumentarfilmfestival Ji.hlava sowie im Februar dieses Jahres die Auszeichnung der britischen Film- und Fernsehakademie BAFTA.

„Mr. Nobody Against Putin“  (Ein Nobody gegen Putin)

Nun hat sich die dänisch-tschechische Ko-Produktion auch bei den Oscars durchgesetzt, und das gegen die finanzstarke Konkurrenz von Netflix, Apple TV und HBO. Talankin hielt seine Dankesrede in Los Angeles auf Russisch:

„Seit vier Jahren schauen wir in den Himmel und suchen eine Sternschnuppe, die uns einen sehr wichtigen Wunsch erfüllen soll. Aber es gibt Länder, in denen keine Sterne fallen, sondern Bomben und Drohnen. Im Namen unserer Zukunft und im Namen unserer Kinder – stoppt all diese Kriege jetzt!“

Und auch Talankins Regie-Partner Borenstein fand bedeutsame Worte. An das Star-besetzte Publikum gerichtet betonte er:

„Wir müssen uns alle einer moralischen Frage stellen. Aber zum Glück hat sogar ein Niemand mehr Macht, als man denken würde.“

Autor: Daniela Honigmann | Quelle: Český rozhlas
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