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Chef der EU-Kommission Prodi in Tschechien

Die Europäische Union ist bereit, der Tschechischen Republik eine schnelle und effektive Hilfe für die Beseitigung der vom verheerenden Hochwasser angerichteten Schäden zu gewähren. Der Vorsitzende der EU-Kommission, Romano Prodi, der am Freitagmorgen zu einer Stippvisite in Prag eingetroffen war, bezeichnete vor Journalisten eine flexible Hilfeleistung als unumgänglich. Über die konkrete Form dieser Hilfe verhandelte Prodi mit Premier Vladimir Spidla, der nach dem Treffen mitteilte, die EU werde Tschechien eine Soforthilfe in Höhe von ca. 58 Mio. Euro gewähren. Gemeinsam mit Präsident Vaclav Havel machte sich Prodi aus einem Militärhubschrauber ein Bild von mehreren überschwemmten Regionen nördlich von Prag. Beide Politiker besuchten auch die Kaserne von Litomerice/Leitmeritz, in der Pioniereinheiten stationiert sind.

Botschaft des NATO-Generalsekretärs

Seine Solidarität mit der tschechischen Regierung und dem tschechischen Volk hat der NATO-Generalsekretär George Robertson zum Ausdruck gebracht. In einer an Präsident Vaclav Havel gerichteten Botschaft versicherte er, Tschechien könne mit einer Hilfe der NATO sowie der einzelnen Allianzpartner rechnen. Die Hilfsorganisation der NATO, Host Comittee, die an der Vorbereitung des für November geplanten NATO-Gipfels in Prag teilnehmen soll, rief bedeutende internationale Gesellschaften auf, sich aktiv an der Rekonstruktion Prags und anderer Teile Tschechiens zu beteiligen.

Havel-Klestil-Treffen vorgesehen

Über die Überschwemmungen in Tschechien und Österreich unterhielten sich am Freitag in einem Telefongespräch die Präsidenten beider Länder, Vaclav Havel und Thomas Klestil. Am 5.September werden sie sich in Südmähren zu weiteren Gesprächen treffen. Ihr Hauptthema soll das Jahrhunderthochwasser sein. Die Präsidenten werden u.a. die Stadt Znojmo/Znajm besuchen, die zu den von einer Flutwelle am meisten betroffenen Lokalitäten Tschechiens gehört.

Finanzierung der Schäden mit Geldern aus der Privatisierung

Der tschechische Finanzminister Bohumil Sobotka hat am Freitag erneut gesagt, er wolle wegen des Hochwassers das in Rekordhöhe geplante 157-Milliarden-Haushaltsdefizit nicht weiter erhöhen. Eine mögliche Quelle für die Finanzierung der entstandenen Schäden sieht er in den Fonds der Ressorts Verkehr und Wohnbau, die nicht Bestandteil des Budgets sind und auf Einnahmen aus der Privatisierung basieren.

Zweites Haus stürzte in Prag ein

Prager Bewohner begannen mit den Aufräumarbeiten der Straßen, die nach der vorherigen Überflutung nicht mehr unter Wasser liegen. Einzelne Häuser und Fußwege wurden vorher einer Überprüfung der Statik unterworfen. Am Freitag stürzte im Stadtteil Karlin bereits ein zweites Haus ein. Nach Meinung des Bürgermeisters des 7.Prager Bezirkes Holesovice ist auch hier mit Hauseinstürzen zu rechnen. Seit Freitag sind weitere bislang überflutete Straßen Tschechiens wieder befahrbar, Komplikationen im Verkehr dauern jedoch weiter an.

Geöffnete Grenzübergänge zu Deutschland

Die Grenzübergänge zu Deutschland, Rumburk bei Decin/Tetschen und Hora sv.Sebestiana bei Most/Brüx bleiben übers Wochenende für Lastkraftwagen nonstop geöffnet. Es handelt sich um einzige zwei Grenzübergänge, die für LKWs passierbar sind. Die Grenzübergänge Cinovec/Zinnwald, Moldava und Mnisek wurden vor einigen Tagen geschlossen. Geschlossen und anschließend wieder geöffnet wurde der Grenzübergang Petrovice.

"Hochwasser-Gipfeltreffen" in Berlin

Am Sonntag kommen die Regierungschefs der dieser Tage vom Jahrhunderthochwasser heimgesuchten mitteleuropäischen Länder in Berlin zusammen. Wie die Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf Informationen aus Regierungskreisen in der deutschen Hauptstadt meldete, erfolge das Treffen auf Einladung von Bundeskanzler Gerhard Schröder. In Berlin kommen Ministerpräsidenten Tschechiens und der Slowakei, Vladimir Spidla und Mikulas Dzurinda, sowie der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zusammen.

Terezin wurde abgeschnitten

Laut letzten Meldungen sinkt im Kreis Litomerice langsam der Pegelstand der Elbe, wo insgesamt 12 Gemeinden unter Wasser liegen. Die nahe gelegene Stadt Terezin/Theresienstadt/ wurde in der Nacht zum Freitag durch den Fluss Ohre/Eger von ihrer Umgebung abgeschnitten. Fast die ganze Stadt wurde überflutet, es gibt dort keinen Strom, kein Trinkwasser und keine Telefonverbindung mehr.

Krumau zu drei Vierteln beschädigt

Etwa die Hälfte der Häuser im historischen Stadtkern von Cesky Krumlov /Krumau/, das auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes steht, wurden während des schlimmsten Hochwassers in der Geschichte der Stadt überflutet. Der historische Teil der Stadt sei zu drei Vierteln beschädigt, teilte der Bürgermeister Antonin Princ der Nachrichtenagentur CTK mit.

Konten für Finanzhilfe werden im Ausland errichtet

Die Tschechische Zentrale für Fremdenverkehr will Konten für beschädigte Denkmäler im Ausland errichten. Auf Beschluss des Ministers für regionale Entwicklung, Pavel Nemec, soll dies an Orten der ausländischen Vertretungen der Zentrale für Fremdenverkehr geschehen. Diese befinden sich in insgesamt 13 Städten der Welt, darunter auch in New York, Tokio, London und anderen. Dem Sprecher des Ministeriums Petr Dimon zufolge, sei die ausländische Solidarität groß, man habe bereits eine ganze Reihe von Abgeboten der Finanzhilfe verzeichnet.