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Leichte Entspannung in Nordböhmen

In den Hochwasser-Krisenregionen Tschechiens hat sich die Lage am Samstag angesichts leicht sinkender Pegelstände etwas entspannt. Im nordböhmischen Grenzbezirk zu Sachsen sinkt langsam die Elbe, die am Freitagnachmittag mit 11,85 Metern ihren Höchststand erreicht hat. Mit der Liquidierung der durch das Hochwasser angerichteten Schäden will man erst am Montag beginnen, wenn der Pegelstand der Elbe weiter gesunken ist. Erwartungen zufolge wird die Elbe auf einem Stand von rund 10 Metern etwa 14 Tage lang stagnieren. Zahlreiche Orte der Region, darunter auch die nahe gelegene Stadt Hrensko sowie Terezin/Teresienstadt bleiben voraussichtlich bis Montag überschwemmt.

Fortsetzung der Aufräumarbeiten in Prag

In der tschechischen Hauptstadt floss das Flutwasser der Moldau am Samstag aus vielen Vierteln ab. In etwa 500 immer noch gesperrten Strassen müssen zunächst Statiker und Experten des Gesundheitsamtes die Häuser untersuchen. In dem vom Hochwasser stark betroffenen Prager Stadtteil Karlin konnten am Freitagabend Dutzende seiner Bewohner in ihre Wohnungen zurückkehren, für die Mehrheit der evakuierten Personen bleibt das Stadtviertel weiterhin geschlossen.

US-Präsident rief bei Vaclav Havel an

In einem Telefongespräch hat der US-amerikanische Präsident George W. Bush seinem tschechischen Amtskollegen Vaclav Havel versichert, die USA wollten der Tschechischen Republik bei der Reparierung der durch das Hochwasser angerichteten Schäden mit allen möglichen Mitteln helfen. Der in Urlaub in den USA weilende amerikanische Botschafter in Prag, Craig Stapelton ist von Bush aufgefordert worden, nach Prag zurückzukehren, um vor Ort zu helfen. Am Freitag rief bei Vaclav Havel auch George Bush Senior, um im Zusammenhang mit der Hochwasserkatastrophe sein Bedauern und Solidarität mit dem tschechischen Volk zum Ausdruck zu bringen.

Giftgefahr unter Kontrolle

Teilweise überflutet wurde auch eine Chemiefabrik für Herstellung von Medikamenten in Roztoky bei Prag. Nach Mitteilung des Bürgermeisters Martin Stifter, drohe den Einwohnern in der Umgebung der Fabrik keine Gefahr. Das Flutwasser sei zwar durch zum Teil bisher unbekannte Stoffe kontaminiert, werde aber das Areal der Fabrik nicht verlassen. Außerdem werde dieses Wasser von Fachexperten chemisch behandelt.

Spolana Neratovice

Das im Wasser des überfluteten Areals der Chemiefabrik Spolana Neratovice beinhaltete Chlor soll unschädlich gemacht werden. Hier hatten sich in der Nacht zu Samstag Innenminister Stanislav Gross und Verteidigungsminister Jaroslav Tvrdik zu einer Sondersitzung getroffen. Umweltschützer hatten vermutet, dass nach dem Überschwemmen tschechischer Industriegebiete, namentlich auch der Spolana Neratovice, Gift in die Elbe hinunterfließt. Das sächsische Innenministerium hat mittlerweile aufgrund negativer Wasserproben bestätigt, dass mit dem Hochwasser der Elbe kein Gift heranschwimmt. In der Fabrik befinden sich insgesamt 10 Behälter mit 114 Tonnen Chlor.

Soldaten im Einsatz bei Aufräumarbeiten

Die tschechische Armee hat die Zahl der Soldaten und Zivilbeschäftigten, die in den vom Hochwasser heimgesuchten Regionen helfen, auf insgesamt 4 500 aufgestockt. Sie verfügen über 520 LKWs und weitere technische Geräte, aus der Luft werden sie durch neun Militärhubschrauber unterstützt. Allein in Prag sind rund 770 Soldaten im Einsatz.

Internationale Hilfe

Am Samstagabend werden in Prag 75 Feuerwehrleute aus der Partnerstadt Frankfurt am Main erwartet. Sie wollen vor allem bei der Wasserbeseitigung in der Prager U-Bahn helfen. Der Konvoi von insgesamt 27 Feuerwehrwagen, ausgestattet mit Wasserpumpen und Schwertechnik ist seit heutigem Morgen bereits unterwegs. Die Helfer aus Deutschland sollen eine Woche lang in Prag bleiben. Auf dem Weg nach Tschechien befinden sich ebenfalls etwa 40 Feuerwehrleute aus dem südpolnischen Schlesien und wollen die ganze Zeit, in der sie behilflich sein können, bleiben. Ihre Hilfe hat auch die polnische Armee angeboten.

UNESCO will Tschechien helfen

Der Generalsekretär der UNESCO, Koiciro Macura, hat internationale Organisationen aufgerufen, sich für die Rettung des Weltkulturerbes einzusetzen, das in Tschechien und anderen mitteleuropäischen Ländern von den verheerenden Überschwemmungen beschädigt wurde. In einer in Paris veröffentlichten Presseerklärung sagte er im Namen der UNESCO eine technische und finanzielle Unterstützung zu.

Prager Informationsdienst nimmt seine Arbeit auf

Auch der Prager Informationsdienst (PIS) nimmt in seinem wiedergeöffneten Infozentren für Touristen seine Tätigkeit auf. Der telefonische Informationsdienst funktioniert noch nicht, teilweise aktualisiert werden allgemeine Informationen in tschechischer, deutscher und englischer Sprache auf den Web-Seiten www.pis.cz. Das Hauptbüro PIS, das sich vor dem Hochwasser in Prag-Karlin befand, ist immer noch unzugänglich.