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Hochwasser in Tschechien fordert zehntes Opfer

Das Hochwasser hat in Tschechien das zehnte Opfer. Am Freitag kenterte auf der Moldau unweit von Český Krumlov / Krumau ein Schlauchboot mit fünf jungen Männern, zwei von ihnen sind ertrunken. Das teilte Polizeipräsident Martin Červíček mit. Die Männer seien betrunken gewesen, so der Polizeipräsident. Der Nachrichtenagentur ČTK zufolge stammen beide ertrunkene Männer aus einem deutschsprachigen Land. Helfer konnten weitere Bootsinsassen retten.

Im Zusammenhang mit dem Hochwasser bleiben landesweit vier Menschen weiter vermisst.

Hochwassermaßnahmen wegen vorhergesagter Regenfälle aufrechterhalten

Die zentrale Hochwasserkommission hat am Freitag angeordnet, die Hochwassermaßnahmen im jetzigen Umfang aufrechtzuerhalten. Die Meteorologen rechnen am Sonntag und am Montag wieder mit intensiven Regenfällen, vor allem in Böhmen. Das teilte der tschechische Umweltminister Tomáš Chalupa mit.

Die Hochwasserlage in Tschechien hat sich inzwischen entspannt. Am Freitagvormittag bestand noch an 13 Flussabschnitten die höchste Warnstufe. Einzig Hřensko / Herrnkretschen, die kleine Elbgemeinde an der Grenze zu Sachsen, hat noch mit einer extremen Flut zu kämpfen. Nach einem Dammbruch völlig unter Wasser steht zudem der mittelböhmische Ort Nové Kopisty bei Terezín / Theresienstadt. Dort eingesetzte Feuerwehren pumpen das Wasser unentwegt ab. In den Städten Ústí nad Labem / Aussig und Děčín / Tetschen geht der Elbpegel weiter zurück, ufernahe Straßen und der Hafen von Děčín aber sind noch überschwemmt. Hier können die Aufräumarbeiten frühestens am Wochenende beginnen.

Am Freitag waren noch über 120 Straßenabschnitte gesperrt, darunter die Fernstraße im Elbetal zwischen Litoměřice / Leitmeritz, Ústí und Děčín sowie Teilstücke der Autobahn D8 für schwere Lkw.

Über 10.000 Hochwasserschäden werden bis Freitagmittag gemeldet

Den Versicherungsanstalten wurden bis Freitagmittag über 10.000 Hochwasserschäden gemeldet, die bedeutend mehr als eine Milliarde Krone erreichen. Die Zahl der von den Klienten gemeldeten Versicherungsereignisse steigt jedoch schnell an. Dies geht aus einer Umfrage hervor, die die Nachrichtenagentur ČTK unter den größten Versicherungsanstalten durchführte.

Die Hochwasserschäden können laut Premier Petr Nečas zig Milliarden Kronen erreichen. Es sei, so der Premier am Freitag, jedoch vorzeitig, die Schäden jetzt zu beziffern, weil das Hochwasser noch nicht vorbei sei.

Das Finanzministerium wird den vom Hochwasser betroffenen Firmen die Steuer für dieses Jahr verzeihen. Das teilte Finanzminister Miroslav Kalousek am Freitag mit. Die Steuer wird bis in die Höhe der Hochwasserschäden verziehen. Der Minister hat zudem vor, den vom Hochwasser betroffenen freiberuflich tätigen Personen die am 15. Juni fälligen Steuervorschüsse zu verzeihen.

Prager Krisenstab verbietet Bürgermeistern Hochwasserschutzwände zu beseitigen

Der Prager Krisenstab forderte die Bürgermeister der einzelnen Stadtbezirke auf, die mobilen Hochwasserschutzwände nicht ohne Erlaubnis zu beseitigen. Dem Krisenstab zufolge gab es Fälle, in denen die Bürgermeister anordneten, die Schutzwände zu entfernen. Die Beseitigung der Schutzwände ohne Erlaubnis der Hochwasserkommission und des Krisenstabs sei eine Straftat der allgemeinen Gefährdung, so ein Mitglied des Prager Krisenstabs am Freitagvormittag. In Prag wurden 6790 mobile Hochwasserschutzwände installiert, die insgesamt 17 Kilometer lang sind.

In Prag hat sich Situation wesentlich entspannt. Am Freitagmorgen fuhr die Prager Metro wieder durchgehend auf allen Linien, aus Sicherheitsgründen aber blieben acht Metrostationen geschlossen. Erst wenn die Moldau wieder weniger als 1500 Kubikliter Wasser pro Sekunde führt, werden sie wieder geöffnet – mit Ausnahme der Stationen Nádraží Holešovice, Vltavská und Florenc. In die Station Nádraží Holešovice ist am Donnerstag Grundwasser eingesickert, von daher müssen hier noch Sanierungs- und Wartungsarbeiten durchgeführt werden, sagte der Direktor der Verkehrsbetriebe, Milan Křístek. Man gehe davon aus, dass die Behebung der Schäden bis zu eine Woche dauern wird, so Křístek.

Mladá fronta Dnes: Diskussion über Krisenmanagement an Staudämmen läuft

Die Diskussion um das Krisenmanagement an den Moldau-Staudämmen wird in Tschechien fortgesetzt. Die Tageszeitung Mladá fronta Dnes berichtete in ihrer Freitag-Ausgabe darüber, dass die insgesamt neun Stauseen Ende Mai so gefüllt gewesen sind, dass es fast keine Reserven mehr gegeben hat. Im entscheidenden Moment konnte der Stausee Orlík der Zeitung zufolge dann die Flutwelle nicht mehr aufhalten. Premier Petr Nečas hatte die Betreiber der Staudämme bereits am Mittwoch in Schutz genommen.

Spenden für Hochwasseropfer: Zirka 900.000 Euro bis zum Freitag

Mit Beginn der Flutkatastrophe hat in Tschechien auch wieder die Spendenbereitschaft zugenommen. Bis zum Freitagnachmittag sind auf speziellen Hochwasser-Konten rund 21,8 Millionen Kronen (ca. 880.000 Euro) eingegangen. So hatte die Hilfsorganisation „Mensch in Not“ beispielsweise auf ihrem Sonderkonto rund 11,7 Millionen Kronen, die Organisation Adra rund vier Millionen Kronen und die katholische Caritas rund 2,1 Millionen Kronen. Auf das spezielle Konto der Diakonie der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder sind 2,6 Millionen Kronen überwiesen worden, etwa eine Million Kronen wurde von der Schweizerischen Partnerorganisation Heks gespendet. Hilfsangebote kommen auch aus anderen Ländern, nicht nur aus den Nachbarländern, sondern beispielsweise auch aus Kanada. Der kanadische Chargé d´affairs Brian Oak erklärte, sein Land sei bereit Tschechien bei Bedarf zu helfen.

Der Stiftungsfonds des Tschechischen Rundfunks hat auch ein spezielles Hochwasserkonto eingerichtet. Spenden können aus Tschechien auf die Kontonummer 888 444 666/0300 überwiesen werden.

Den vom Hochwasser betroffenen Einwohnern aber wird nicht nur finanziell geholfen. Freiwillige helfen beim Deichbau mit Sandsäcken oder den späteren Aufräumarbeiten, Firmen und Privatpersonen spendeten Reinigungsmaterial, Lebensmittel und in Flaschen abgefülltes Trinkwasser.

Finanzminister Kalousek: Vor Interviews trank ich zwei Gläschen

Der tschechische Finanzminister Miroslav Kalousek (Top-09) hat am Freitag zugegeben, dass er am Donnerstag unter Alkoholeinfluss war, als er Gespräche für die Medien gegeben hat. Es tue ihm Leid und er schäme sich dafür, aber wolle sich nicht ausreden, so Kalousek weiter. Er habe, so der Finanzminister, zwei Gläschen nach dem Ende seiner Arbeitszeit getrunken und sei sehr müde gewesen, weil er drei schlaflose Nächte hinter sich gehabt habe. Er habe nicht nur allgemein Hochwasserfragen zu lösen, sondern habe eigene Probleme mit dem Hochwasser, so Kalousek. Innerhalb von elf Jahren sei sein Haus im südböhmischen Bechyně dreimal überschwemmt worden, erklärte der Finanzminister. Premier Petr Nečas (ODS) wollte das Verhalten des Ministers nicht kommentieren.

ČSÚ: Industrieproduktion stieg im April leicht an – Bauarbeit weiter rückläufig

Die Industrieproduktion in Tschechien ist im April um ein halbes Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Im März hatte sie im Jahresvergleich noch einen Rückgang von 6,1 Prozent verzeichnet. Der finanzielle Wert der neuen Aufträge lag um 5,8 Prozent über dem Gesamtbetrag des vorjährigen Monats April, informierte das Tschechische Statistikamt (ČSÚ) am Freitag auf seiner Webseite.

Im Bauwesen hielt der rückläufige Trend hingegen an. Gegenüber dem Monat März aber hat sich auch hier die Situation etwas verbessert. Im April betrug der Rückgang der baulichen Arbeiten im Jahresvergleich 11,4 Prozent; im März waren es noch 22,3 Prozent, so das Statistikamt. Irrsinnigerweise aber wird das aktuelle Hochwasser der Baubranche jetzt wieder einen Schub geben.

Wegen Brückenabriss Teil- und Vollsperrung der Autobahn D1 bei Jihlava

Im Rahmen der großangelegten Sanierungsarbeiten auf der Autobahn D1 von Prag nach Brno / Brünn wird ab Freitag ein weiterer Streckenabschnitt einseitig geschlossen. Es handelt sich um ein Autobahn-Teilstück bei der mährischen Stadt Jihlava / Iglau. Dort soll beim Autobahnkilometer 107 eine Brücke abgerissen werden. Dazu wird ab 19 Uhr ein Teilstück in Richtung Brünn gesperrt, der Verkehr in diese Richtung wird auf eine Fahrspur der Gegenfahrbahn umgeleitet. Wegen der Abrissarbeiten an der Brücke ist dieser Abschnitt in den Nächten zu Samstag und Sonntag jeweils für 12 Stunden gesperrt. Von Samstag 20 Uhr bis Sonntagmorgen 8 Uhr wird die Autobahn zwischen der Ausfahrt Humpolec bei Kilometer 90 und der Ausfahrt Jihlava bei Kilometer 112 sogar komplett gesperrt. Die Verkehrspolizei hat für diesen Zeitraum entsprechende Umleitungen ausgewiesen.

Im Alter von 89 Jahren starb Nestor tschechischer Weinkenner Vilém Kraus

Im Alter von 89 Jahren ist am Freitag der Nestor der tschechischen Weinkenner, Vilém Kraus, gestorben. Dies teilte der tschechische Winzerverband mit. Vilém Kraus war Jahre lang Professor an der Brünner Mendel-Universität für Land- und Forstwirtschaft. Er befasste sich auch mit Forschungen im Bereich Weinanbau und der Rebenzüchtung. Sein Name wird vor allem mit den Rebsorten Neronet und Rubinet verbunden. 2004 wurde Kraus die Staatsauszeichnung für Verdienste im wissenschaftlichen Bereich verliehen. Professor Kraus´ beliebteste Rebsorte war der Rheinische Riesling.

Prag im Harley-Fieber

Am Samstag werden voraussichtlich wieder über 1000 Harley-Motorräder durch das Prager Stadtzentrum rollen. Besitzer und Anhänger der Harley-Davidson feiern an diesem Wochenende den 110. Jahrestag der Produktion der populären amerikanischen Zweiradmarke. Die Motorrad-Parade der Harley-Davidson-Fans beginnt am Samstag um 11 Uhr im Stadtteil Holešovice, an ihr soll eine neue Rekordzahl an Maschinen teilnehmen. Diesem Vorhaben könnte jedoch das anhaltende Hochwasser einen Strich durch die Rechnung machen – sowohl die ursprüngliche Streckenführung als auch die Teilnehmerzahl könnten davon betroffen sein. Ansonsten rechnen die Veranstalter vom Harley-Davison Club Prag mit über 5000 Besuchern des Jubiläumsfestes, das am Samstagabend mit einer multimedialen Show in der Tipsport Arena einen weiteren Höhepunkt findet.

French Open: Hlaváčková und Hradecká scheitern im Halbfinale

Die tschechischen Tennisspielerinnen Andrea Hlaváčková und Lucie Hradecká erreichten bei den French Opern das Finale nicht. Im Halbfinale unterlagen sie am Freitag im Damen-Doppel den Russinnen Jekaterina Makarowa und Jelena Wesnina mit 4:6 und 5:7.

Lucie Hradecká hat bereits am Donnerstag mit František Čermák bei den French Open den Titel im Mixed gewonnen.

Das Wetter am Samstag: bewölkt, Schauer, bis 23 Grad

Am Samstag ist es in Tschechien überwiegend bewölkt, im Tagesverlauf in ganz Tschechien Schauer, örtlich auch Gewitter. Die Tageshöchsttemperaturen liegen zwischen 20 und 24 Grad Celsius. In Lagen über 1000 Meter erreichen sie maximal 17 Grad Celsius.