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Verhafteter Abgeordneter Rath wird zur Strafverfolgung an die Justiz übergeben

Der verhaftete Abgeordnete David Rath wird zur Strafverfolgung an die tschechische Justiz übergeben. Dies hat das Abgeordnetenhaus mit nur zwei Gegenstimmen entschieden. Gegen Rath wird unter anderem wegen Korruption und der Annahme von Bestechungsgeldern ermittelt. Als Kreishauptmann von Mittelböhmen soll er von der EU geförderte Bauprojekte manipuliert haben. Rath sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Für die Übergabe Raths an die Justiz stimmten insgesamt 183 Abgeordnete. Zuvor hatte Rath die Möglichkeit bekommen, selbst zu den Abgeordneten zu sprechen. In seiner rund einstündigen Rede sagte er, er halte sich für das Opfer politischer Rache an einem Oppositionspolitiker. Der frühere Sozialdemokrat wies alle Beschuldigungen gegen sich zurück. Rath war am 14. Mai verhaftet worden. Kurz zuvor hatte er umgerechnet 280.000 Euro entgegengenommen. Die Polizei vermutet, dass es sich um Bestechungsgeld handelt.

Tschechisches Parlament stimmt der Bildung des Euro-Rettungsschirms ESM zu

Das tschechische Parlament hat der Bildung des neuen Rettungsschirms für schwächelnde Euro-Länder zugestimmt. Am Dienstag sprach sich nach dem Senat auch das Abgeordnetenhaus mit der Verfassungsmehrheit für den so genannten Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) aus. Tschechien selbst wird allerdings nicht zum ESM beitragen. Der dauerhafte Krisenfonds soll am 1. Juli starten und einen Umfang von 500 Milliarden Euro haben. Der ESM soll Kredite am Kapitalmarkt aufnehmen und dieses Geld an pleitebedrohte Euro-Staaten weiterreichen.

Außenminister Karel Schwarzenberg betonte bei den Beratungen im tschechischen Abgeordnetenhaus, dass der Fonds zur Beruhigung der Finanzmärkte beitrage und damit auch eine positive Wirkung für Tschechien entfalte. Premier Petr Nečas merkte an, dass die Zustimmung keinen Einfluss habe auf die Entscheidung des Landes, den Euro einzuführen oder nicht.

Finanzministerium erstattet Anzeige gegen sechs ehemalige MUS-Manager

Das tschechische Finanzministerium hat gegen sechs ehemalige Manager der Braunkohlefördergesellschaft MUS Strafanzeige erstattet. Die Anzeige wurde an die Obere Staatsanwaltschaft im mährischen Olomouc / Olmütz übergeben. Teil der Anzeige ist die Forderung nach Schadensersatz, wie ein Ministeriumssprecher mitteilte. Tschechien soll wegen Machenschaften bei der Privatisierung der MUS in den 90er Jahren umgerechnet knapp eine halbe Milliarde Euro verloren haben. Ein Teil Geldes landete auf ausländischen Konten. 2008 hatte die tschechische Polizei bereits ermittelt, legte den Fall aber letztlich zu den Akten.

Hintergrund der jetzigen Anzeige ist ein Strafprozess gegen die sechs ehemaligen Unternehmensmanager in der Schweiz. Tschechien hatte sich nicht mehr rechtzeitig als geschädigte Partei diesem Prozess anschließen können. Dies soll laut der Presseagentur ČTK aber in einem weiteren Verfahren möglich sein. Zudem habe der Staat eine Zivilklage vorbereitet.

Premiere von Audiodrama über Lidice nach Protesten verschoben

Nach Kritik von Überlebenden und Zeitzeugen ist die Premiere eines deutsch-tschechischen Geschichtsprojekts zum NS-Massaker in Lidice vorerst abgesagt worden. Das interaktive Audiodrama „Erklingen“ sollte ursprünglich zum 70. Jahrestag der Zerstörung des Dorfes an diesem Wochenende der Öffentlichkeit präsentiert werden. Man wolle den Zeitzeugen entgegenkommen und das Audiodrama überarbeiten, sagte Projektmanagerin Lenka Faltýnková am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Bis dahin werde der Audio-Guide nur im Kreise der Sponsoren vorgestellt. NS-Einheiten hatten das Dorf Lidice bei Prag im Juni 1942 in einer Vergeltungsmaßnahme nach dem Attentat auf SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich zerstört. Die mehr als 170 männlichen Einwohner wurden umgebracht, Frauen und Kinder verschleppt oder ermordet.

Das Drama „Erklingen“ ist als GPS-gesteuerte Führung durch die Gedenkstätte auf dem Gelände des früheren Dorfes konzipiert. Tschechische Zeitzeugen kritisieren nach Angaben Faltýnkovás vor allem, dass nicht das Massaker im Mittelpunkt des Hörspiels steht. Stattdessen will das Stück bewusst das Alltagsleben der Hüttenarbeiter-Siedlung vor dem Massaker darstellen. „Wir versuchen seit zwei Jahren zu erklären, dass es ein künstlerisches Werk ist, das von der Lebensgeschichte der Zeitzeugen inspiriert ist“, sagte die Projektmanagerin.

Umfrage: Mehrheit der Tschechen sieht Diskriminierung am Arbeitsmarkt

Am tschechischen Arbeitsmarkt werden bestimmte Bevölkerungsgruppen diskriminiert. Das glauben 85 Prozent der Tschechen, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Stem zeigt. Als Gründe nannten die Befragten an erster Stelle das Alter. 53 Prozent der Tschechen glauben, dass eine Diskriminierung aus Gründen des Alters „sehr häufig“ sei, weitere 36 Prozent bezeichneten diese als „vergleichsweise häufig“. Als weitere Gründe für die Diskriminierung am Arbeitsmarkt angeführt wurden Gesundheitszustand, körperliche Behinderung, Schwangerschaft und Mutterschaft.

Polizei entdeckt illegalen Hanfanbau in Pardubice – deutscher Rentner schmuggelte Marihuana

Beamte der tschechischen Kriminalpolizei haben im ostböhmischen Pardubice eine große illegale Anbaustätte von Hanf entdeckt. In einem Gebäude unweit des Zentrums der Elbestadt fanden sie 1500 Hanfpflanzen. Ein Teil der Pflanzen wuchs immer noch in Blumentöpfen, ein anderer Teil war bereits geerntet und zur Trocknung gelagert worden, informierte ein Polizeisprecher am Montag. Außerdem wurden mehr als 8000 Liter Pflanzensubstrat und Dutzende Chemikalien-Packungen zur Optimierung des Hanfanbaus sichergestellt, sagte der Sprecher.

Das aus Hanf gewonnenen Marihuana ist eine hierzulande weit verbreitete Droge, die sehr oft auch ausgeführt wird. In der vergangenen Woche wurde zum Beispiel ein 69-jähriger Deutscher erwischt und kurz hinter dem sächsischen Grenzübergang Oberwiesenthal festgenommen, als er 14 Kilogramm Marihuana schmuggeln wollte. Die verbotene Ware hatte der Mann in einer Sporttasche im Kofferraum seines Autos transportiert. Vermutlich glaubte er, aufgrund seines Alters nicht mehr kontrolliert zu werden. Es sei tatsächlich höchst ungewöhnlich, dass ein Mann in diesem Alter Drogen schmuggle, bemerkte dazu eine Sprecherin des Dresdner Zollamtes.

Tschechische Reiseagentur Redgreentours insolvent

Die Prager Reiseagentur Redgreentours ist insolvent. Es ist die zweite Insolvenz eines tschechischen Reiseanbieters in diesem Jahr. Derzeit befinden sich rund 100 Klienten von Redgreentours in der Türkei und in Zypern. Die vertragliche Versicherungsagentur bemühe sich, dass alle Klienten wieder zurück nach Tschechien befördert würden, hieß es.

Insgesamt sind am tschechischen Markt über 1000 Reiseanbieter tätig. Im vergangenen Jahr verkauften sie zusammen über zwei Millionen Ferienreisen.

Borkenkäferbefall im Nationalpark Böhmerwald zurückgegangen

Der Borkenkäferbefall im Böhmerwald ist zurückgegangen. In diesem Jahr liege die Zahl der befallenen Bäume um zwei Drittel niedriger als im vergangenen Jahr, gab die Verwaltung des Nationalparks bekannt. Bisher seien 15.000 Bäume gekennzeichnet worden, im vergangenen Jahr seien es noch 50.000 gewesen, sagte der stellvertretende Nationalparkleiter Jiří Mánek. Die größten Probleme bestehen angeblich im Westteil des Böhmerwaldes.

Als Grund für den Rückgang sieht die Verwaltung vor allem das rechtzeitige Vorgehen gegen den Schädling. Trotz des Protests von Umweltschützern hatte die Leitung des Nationalparks befallene Bäume auch in den strengsten Schutzzonen fällen und zudem chemische Fallen aufstellen lassen.

Fußball-EM: Baroš beendet wegen Verletzung vorzeitig Training

Die tschechische Nationalmannschaft bangt um den Einsatz von Stürmer Milan Baroš im ersten EM-Spiel am Freitag gegen Russland. Am Dienstag musste der 30-Jährige das Mannschaftstraining in Breslau vorzeitig beenden. Baroš habe Probleme mit den Adduktoren, berichtete die Presseagentur ČTK. Man werde nun zunächst versuchen, den Muskel zu lockern, sagte Mannschaftsarzt Petr Krejčí. Zur Sicherheit soll Baroš am Mittwoch in einem Krankenhaus in Breslau untersucht werden. Milan Baroš war bei der EM 2004 Torschützenkönig, derzeit steht er bei Galatasaray Istanbul unter Vertrag.

Tennis: Kvitová zieht ins Viertelfinale der French Open ein

Die tschechische Wimbledon-Siegerin und Weltranglisten-Vierte Petra Kvitová hat bei den French Open in Paris das Viertelfinale im Damen-Einzel erreicht. Scheinbar mühelos bezwang die 22-Jährige am Montag die US-Amerikanerin Varvara Lepchenko in zwei Sätzen mit 6:2 und 6:1. Kvitová zog damit erstmals in die Runde der besten Acht von Roland Garros ein. Dort trifft sie auf die Kasachin Jaroslawa Schwedowa, die überraschend die chinesische Titelverteidigerin Li Na ausschaltete.

Eine kämpferisch starke Leistung bot am Montag auch die zweite tschechische Tennisspielerin, die bis ins Achtelfinale vordrang: Klára Zakopalová. Erst nach drei Stunden und zwölf Minuten gab sich die 30-Jährige der russischen Nummer zwei der Welt, Maria Scharapowa, in drei Sätzen mit 4:6, 7:6 und 2:6 geschlagen. Ausgeschieden ist mit Tomáš Berdych zudem der letzte tschechische Tennisspieler im Turnier. Der Siebte der Weltrangliste unterlag dem zwei Ränge hinter ihm eingestuften Argentinier Juan Martin del Potro in vier Sätzen mit 6:7, 6:1, 3:6 und 5:7.

Das Wetter am Mittwoch, 6.6.: stark bewölkt, Regen, bis 20 Grad

Am Mittwoch ist es in Tschechien meist stark bewölkt, im böhmischen Landesteil mit örtlichem Regen, im Rest des Landes mit vereinzeltem Regen. Die Tageshöchsttemperaturen liegen bei 16 bis 20 Grad Celsius.