Nachrichten Mittwoch, 14. Juni, 2000

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Havel erhält Vorschlag für Installierung von Antiraketenradar in Tschechien

Der Abgeordnete der Bürgerlich-Demokratischen Partei (ODS) Jiri Payne hat am Dienstag dem tschechischen Präsidenten Vaclav Havel einen schriftlichen Vorschlag unterbreitet, wonach der Sicherheitsrat des Staates die Möglichkeit erörtern solle, den Vereinigten Staaten die Installierung eines Antiraketen- Radarschirms auf dem Gebiet der Tschechischen Republik anzubieten. Das Radar wäre ein Bestandteil des Antiraketen-Abwehrsystems, das einige NATO- Mitgliedsstaaten errichten wollten. Die Nachrichtenagentur CTK bestätigte hierbei, im Besitz des vollen Wortlautes des Schreibens zu sein.

Racan: Kroatien will Brücke zwischen Mitteleuropa und dem Balkan sein

Die neue Mitte-Links-Regierung in Kroatien will dem Land zu einer wichtigen Brückenfunktion in Mitteleuropa verhelfen. Wegen seiner geostrategischen Lage könne Kroatien die Länder des Balkans, Mitteleuropas und des Mittelmeerraumes verbinden, sagte Ministerpräsident Ivica Racan der tschechischen Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" in einem am Dienstag veröffentlichten Gespräch. Der Regierungschef sprach sich auch für eine Rückkehr von Flüchtlingen aus. In Kroatien sollten wie früher Bürger ohne Ansehen ihrer Nationalität leben, sagte Racan.

Bereits am Montag haben der tschechische Außenminister Jan Kavan und sein kroatischer Amtskollege Tonino Picula während ihres Treffens in Prag Formen der bilateralen Zusammenarbeit und der Unterstützung Kroatiens bei der Annäherung an die Europäische Union ausgetauscht. Dabei sprachen beide Minister auch über die Frage der Arbeitsmöglichkeiten von tschechischen Bürgern in dem Balkanland.

Sitler: Zwangsarbeit-Opfer brauchen ebenfalls Rechtssicherheit

Tschechische Diplomaten haben nach dem Erfolg bei den Zwangsarbeiter- Verhandlungen in Washington weitere Fortschritte angemahnt. "Das erreichte Abkommen ist ein Durchbruch für deutsche Unternehmen, aber nicht für die Opfer", sagte der tschechische Unterhändler bei den Verhandlungen, Jiri Sitler, am Dienstag der dpa in Prag. "Die Opfer brauchen ebenfalls Rechtssicherheit, aber der deutsche Gesetzentwurf lässt vieles im Unklaren. Auch nach dieser Einigung überwiegt immer noch die Skepsis", unterstrich der Diplomat. Auch der Leiter des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds, Tomas Kafka, wünschte sich "eine baldige gute Nachricht für die Opfer".

Lord Russell-Johnston beendete fünftägigen Aufenthalt in Tschechien

Mit zwei gewichtigen Treffen beendete der Vorsitzende der Parlamentsversammlung des Europa-Rates, Lord Russell-Johnston, am Dienstag seinen fünftägigen Besuch in der Tschechischen Republik. Dabei traf er zunächst mit dem tschechischen Außenminister Jan Kavan und danach mit dem Prager Oberbürgermeister Jan Kasl zusammen. Bereits in den vorangegangenen Tagen führte Russel-Johnston Gespräche mit tschechischen Spitzenpolitikern, die sich insbesondere mit den Problemen Europas und der zukünftigen Rolle des Europa- Rates befassten. Am zurückliegenden Freitag nahm er zudem an der Konferenz der Organisation Europa Nostra teil, die mehrere europäische Organisationen vereinigt, die sich dem Schutz von Kulturgut und Umwelt verschrieben haben.

Studenten diskutierten in Prag über Pro und Contra der Globalisierung

Auf der Prager Burg ging am Dienstag das Studentenforum 2000 zu Ende. Drei Tage lang haben dort ca. 60 junge Menschen aus allen Teilen der Erde über die Vorzüge und Gefahren, die aus der vonstatten gehenden Globalisierung resultieren, diskutiert. In ihren Auffassungen stimmten sie letztlich darin überein, dass die Globalisierung die Wertschätzung von Menschen aufgrund ihrer unterschiedlichen sozialen Herkunft beeinflusse und dass mittels der Bildung das Interesse gerade der jungen Menschen am dauerhaften Fortschreiten der Entwicklung gestützt werden müsse.

Das Studentenforum ist ein Vorbote des im Herbst stattfindenden Forums 2000, zu dem sich auf Einladung des tschechischen Präsidenten Vaclav Havel Denker und Philosophen aus der ganzen Welt einfinden werden. Bei dieser Herbsttagung des Forums 2000 werden auch sechs ausgewählte Studenten ihr Meinung präsentieren.

Großteil der Tschechen steht Asylbewerbern ablehnend gegenüber

Ein Großteil der Tschechen steht Asylbewerbern ablehnend gegenüber. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Agentur IVVM, die am Dienstag in Prag veröffentlicht wurde. Danach sagten 49 Prozent der etwa 1 100 Befragten, Asylbewerber "steigerten die Kriminalitätsrate" oder "besetzten freie Arbeitsstellen".

Lediglich sechs Prozent waren der Meinung, Asylbewerber würden mit ihrem Aufenthalt das "kulturelle Leben in Tschechien bereichern" oder "toleranteren Umgang lehren". Rund 45 Prozent der Befragten hatten entweder keine ausgeprägte Meinung oder sagten, der Aufenthalt von Asylbewerbern habe für Tschechien "weder Vor- noch Nachteile".

20 tschechische Fußball-Fans bei Unfall auf Heimreise von EURO verletzt

Rund zwanzig tschechische Fußballfans wurden am Montag bei dem Unfall verletzt, der sich auf ihrer Heimreise vom EM-Auftaktspiel der tschechischen Mannschaft gegen Holland auf der deutschen Autobahn A 3 zwischen Würzburg und Nürnberg ereignet hat. Wie die Nachrichtenagentur CTK bezugnehmend auf das tschechische Generalkonsulat in München informierte, kamen die Betroffenen vorwiegend mit leichten Verletzungen davon. Lediglich die beiden Busfahrer und zwei Reisende mussten zur Behandlung in eines der umliegenden Krankenhäuser eingeliefert werden, wobei bis auf eine junge Anhängerin drei der vier Patienten die Kliniken am Dienstag schon wieder verlassen konnten. Der Autobus war aus noch nicht geklärter Ursache von der Fahrbahn abgekommen und hatte sich danach auf die Seite gelegt. Die Polizei vermutet jedoch Sekundenschlaf am Steuer als Ursache für den Unfall.

Das waren die Meldungen. In unserem Programm geht es weiter mit dem Tagesecho und Martina Schneibergová. Anschließend senden wir das Hörerforum.