Nachrichten Sonntag, 31. Mai, 1998

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Ahoj und willkommen, liebe Hörer, bei einer neuen halbstündigen Sendung in deutscher Sprache auf den Wellen von Radio Prag. Gute Unterhaltung bei unserem Wochenendprogramm wünscht Franz- Josef Balkhausen. Wir beginnen mit den Nachrichten:

Sudetendeutscher Tag

Vertreter der nach dem zweiten Weltkrieg aus der damaligen Tschechosloakei vertriebenen Sudetendeutschen sowie die Regierung des deutschen Bundeslandes Bayern haben sich erneut gegen eine vorbehaltlose Aufnahme der Tschechischen Republik in die Europäische Union ausgesprochen. Auf dem 49. Sudetndeutschen tag in Nürnberg forderte der bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber am Sonntag, einen EU-Beitritt der tschechischen Republik "ohne wenn und aber" dürfe es im Interesse der Vertriebenen nicht geben.

Im Zusammenhnag mit den Äusserungen verschiedener Vertriebenen- Vertreter hatte das tschechische Aussenministerium bereits am Samstag betont, massgebend sei allein der Standpunkt der deutschen Regierung. Es sei nötig, die Aussagen auf dem Sudetendeutschen Tag in Nürnberg im Kontext der in diesem Jahr in Deutschland stattfindenden Bundestagswahlen zu sehen. Der stellvertretende tschechische Regierungsvorsitzende Josef Lux hatte am Samstag die Forderung der Sudetendeutschen, die Tschechische Republik müsse die sogenannten Benes-Dekrete annulieren, mit den Worten kommentiert, diese Dekrete seien unantastbar.

Zeman - Ruml

Drei Wochen vor den Wahlen ins Abgeordnetenhaus wird in der tschechischen Polit-Szene zunehmend scharf geschossen. Milos Zeman, der Vorsitzende der sozialdemokratischen Partei CSSD, unterzog den Chef der Freiheitsunion, Jan Ruml, am Sonnatag einer scharfen Kritik. Im Zusammenhang mit dem Vorwurf Jan Rumls, die Sozialdemokraten planten insgheim eine Koaloition mit der Klaus- Partei ODS, verstieg sich Zeman gegenüber der Nachrichtenagentur CTK zu der Bemerkung, Jan Ruml gehöre in eine psychatrische Klinik.

Havel - Halik - Wahlen

In einer Sendung des Tschechischen Rundfunks hat Präsident Vaclav Havel am Samstag alle Bürger aufgefordert, an den kommenden Wahlen teilzunehmen, sich zuvor jedoch sehr gewissenhaft zu überlegen, welcher Partei sie ihre Stimme geben. Havel warnte vor der naiven Meinung, eine "Regierung der starken Hand" sei fähig, im Lande für Ordnung zu sorgen. Am Ende richte sich eine solche Regierung vor allem gegen jene, die sie gewählt hätten. Den nichtextremistischen Parteien warf Havel vor, infolge fehlender Autorität für die zunehmende Bedeutung extremistischer Parteien verantwortlich zu sein. In der besagten Rundfunksendung des Tschechischen Rundfunks bekannte Havel, dass er seinen Gesprächspartner, den katholischen Geistlichen Tomas Halik, gerne als seinen künftigen Nachfolger sehen würde. Halik selbst jedoch betonte, dass er für das Amt des Staatspräsidenten nur dann kandidieren wolle, falls die politischen Umstände dies unbedingt erfordern sollten.

Sedivy - Italien

Der tschechische Aussenminster Jaroslav Sedivy trifft am Montag in Rom mit seinem italienischen Amtskollegen Lamberto Dini zusammen, um mit diesem über einen Ausbau der Zusammenarbeit beider Länder und Fragen der Europa-Politik zu beraten. Eines der Gesprächsthemen wird aller Voraussicht nach auch die Ratifizierung des Nato-Beitritts der Tschchischen Republik durch das italienische Parlament sein.

Tag ohne Tabak

Anlässlich des sogenannten "Tabaklosen Tags", der am Sonntag weltweit begangen wurde, hat auch die tschechische Gesundheitsministerin Zuzana Roithova alle Raucher im Lande aufgefordert, diesem Laster zu entsagen und zumindest nicht in Anwesenheit von Nichtrauchern zur Zigarette zu greifen. Die Ministerin wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in der Tschechischen Republik jährlich 22.000 Menschen ihre Nikotin- Leidenschaft mit dem Leben bezahlen.

Schwere Stürme in Mähren

Schwere Gewitterstürme und Hagelschlag sorgten am Samstag dafür, dass die Feuerwehren in Mittelmähren alle Hände voll zu tun hatten. Am schlimmsten traf es ein Gehöft bei Prerov, wo nach einem Blitzschlag drei Löschzüge ausrücken mussten. In anderen Teilen der mährischen Hana kam es infolge von Blitzeinschlägen sogar zu kleineren Waldbränden.

Sie hörten die Nachrichten von Radio Prag.