Neuer Herr in der Burg Kokorin

Kokorin (Foto: CTK)
0:00
/
0:00

16 Jahre dauerte der Rechtsstreit - und sein Ergebnis ist umstritten. Die Burg Kokorin, eine der meistbesuchten gotischen Burgen Tschechiens wurde vom Gericht ihren einstigen Besitzern zugesprochen: der Familie Spacek. Verliert damit Tschechien eines seiner Kulturdenkmäler? Renate Zöller berichtet.

Dass der Rechtsstreit um die Burg Kokorin 16 Jahre währte, liegt daran, dass diese zum Nationalen Kulturerbe gehört. Doch eben jenes Gesetz, das Kulturgüter für Restituierungsanspruche unantastbar machte, wurde im vergangenen Jahr vom Amtsgericht aufgehoben. Damit war es nur eine Frage der Zeit, bis der Besitzanspruch der Spaceks durchgesetzt wurde. Dennoch ist Josef Stulc vom Nationalen Denkmalschutz mit der Entscheidung der Richterin nicht ganz einverstanden:

"Das Amt des Nationalen Denkmalschutzes respektiert selbstverständlich die Entscheidung des Gerichts. Auf der anderen Seite sind wir als Verwalter des staatlichen Besitzes verpflichtet alle Möglichkeiten die dieses Gesetz anbietet, auszuschöpfen, damit diese Entscheidung erst dann fällt, wenn der Restitutionsanspruch glasklar erwiesen ist."

Richterin Gabriela Bartova jedoch hat eindeutig bestätigt: Die Burg sei ihren früheren Besitzern 1948 ohne jegliche Wiedergutmachung abgenommen worden, wie auch das Finanzministerium bestätigte. Dabei hatte die Familie Spacek Kokorin gute Dienste geleistet: Als Vaclav Spacek im Jahre 1894 die Burg kaufte, war sie eine Ruine. Er ließ sie von Grund auf renovieren, und so wurde die Burg Kokorin zu einer Attraktion, die heute viele Gäste anlockt.

Kokorin (Foto: CTK)
Ob die neun Erben denen nun die Burg zugesprochen wurde, für diese gut oder schlecht sind, darüber scheiden sich die Geister. Während Stulc darauf verweist, dass durch den Schiedsspruch das historische Mobiliar, das Jahrzehnte mit dem Objekt verbunden war, nun vermutlich aufgesplittet würde, erwartet etwa der Bürgermeister der Gemeinde Melnik keine großen Veränderungen. Das kündigte auch der neue Miteigentümer Jarmil Spacek an, der in der Gemeinde Dobren bei Melnik Bürgermeister ist: Kein Golfplatz und kein Hotel werde auf dem Gelände der Burg entstehen, und es werde weiter den gewohnten Publikumsverkehr geben. Kastellanin Marie Smutna bestätigt dies:

"An der Einstellung der Verwaltung der staatlichen Burg Kokorin wird sich vorerst nichts ändern. Wir bereiten die Burg auf die Saison vor, denn am 1. April wird die Waffenabteilung neu eröffnet. Das heißt, im Moment haben wir eine Phase, wo an höherer Stelle entschieden wird, was mit der Burg weiter passieren soll."

Wie es in der Burg allerdings tatsächlich in ein paar Jahren aussehen wird, das obliegt nun den neuen Besitzern. Und gerade davor hatte das Amt für Denkmalschutz gewarnt. Denn vermutlich wird es nicht bei diesem einen Fall bleiben. Eine Menge Restitutionsklagen könnten durch die neue Rechtslage Aufschwung bekommen. Ziemlich gute Aussichten hat zum Beispiel Karel Schwarzenberg die Burg Zvikov zurückzubekommen. Das wurde ihm nämlich bisher mit dem Argument verweigert, es handele sich um ein nationales Kulturdenkmal.