Neues Erneuerbare-Energien-Gesetz: Steht Tschechien vor einem Boom von Batterie-Speicherkraftwerken?
Die tschechischen Energieanbieter bereiten sich auf eine wichtige gesetzliche Neuerung vor. Ab Oktober wird nämlich auch hierzulande der Weg frei für die Speicherung von überschüssigem elektrischem Strom. Was bedeutet das?
Batterie-Speicherkraftwerke spielen bisher in Tschechien nur eine untergeordnete Rolle. Grund ist die veraltete Gesetzgebung. Doch zum Oktober ändert sich das. Dann tritt nämlich eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (Lex OZE III) in Kraft.
Die Energieanbieter scharren deswegen schon mit den Hufen. Und beim Verband für die Akkumulation von Energie (Aku-Bat CZ) erwartet man nun einen Boom. Jan Fousek ist Generalsekretär dieses Interessenverbandes und sagte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Das ganze System neigt sich aufgrund der Novelle in Richtung großer Solarkraftwerke und vor allem von Großspeichern, so wie wir das vorhergesagt haben. Wir stehen an der Schwelle eines Booms. Es sind bereits Batterie-Speicherkraftwerke mit vielen Tausend Megawattstunden beantragt worden.“
Vergangene Woche gab beispielsweise die Energiefirma MND bekannt, dass sie in der Nähe der südmährischen Stadt Břeclav in diesem Jahr ein großes Batterie-Speicherkraftwerk aufbaue. Seine Kapazität soll bei 31 Megawattstunden liegen. František Vašek ist Berater von MND und erläuterte:
„Weitere Projekte werden folgen. In Orlová und Mušov installieren wir solche Batteriespeicher neben den dortigen Solarkraftwerken. Zudem entstehen sie in Bruzovice und Hodonín. In Deutschland laufen derzeit drei unserer Projekte, aber wir rechnen mit noch mehr. Unser Gesamtziel liegt bei einer Kapazität von über 400 Megawattstunden, von denen rund die Hälfte im kommenden Jahr in Betrieb geht.“
Aber auch weitere Anbieter wie der halbstaatliche Energiekonzern ČEZ haben schon Stromgroßspeicher gebaut und arbeiten an weiteren. Den wohl derzeit größten hierzulande projektiert der Milliardär Pavel Tykač mit seiner Holding Sev.en. Er entsteht beim Kraftwerk Chvaletice und soll 200 Megawattstunden Kapazität haben.
Batteriespeicher sind sowohl für Privathaushalte als auch für Firmen interessant, wenn sie selbst Strom produzieren. Denn die Einspeisepreise sind in der letzten Zeit hierzulande gesunken, und damit hat sich die Kapitalrückflussdauer erhöht. Wer aber flexibel ist, kann Geld sparen. Und genau das ermöglichen die Speicher. Man bedient sich am Strom aus dem Speicher, wenn die Energiepreise hoch sind, und lädt die Batterien dann bei Niedrigpreisen wieder auf. Und das mit einem guten Nebeneffekt, wie Fousek betont…
„Das alles hilft auch dem Stromnetz. Denn hohe Energiepreise bedeuten, dass sich wenig Strom im Netz befindet. Und ein niedriger Preis setzt wiederum ein hohes Angebot voraus“, so der Generalsekretär.
Obwohl Fousek nun einen Boom von Großspeichern erwartet, gehören die Tschechen vielmehr bei Heimspeichern zu den Rekordhaltern in Europa. So betreut etwa MND rund 196.000 Aufdach-Solaranlagen, und 87 Prozent der Kunden nutzen dazu einen Speicher. Auch der Marktkonkurrent PRE distribuce weist einen hohen Anteil aus. Karel Hanzelka ist Sprecher der Firma:
„Unsere Daten zeigen 8543 Photovoltaikanlagen, die an das Niederspannnetz angeschlossen sind. Und rund 74 Prozent haben Batteriespeicher, deren Kapazität meist bei zehn Kilowattstunden liegt.“
Bei der Gesamtkapazität der Batteriespeicher ist Tschechien allerdings immer noch ein Zwerg. Sie lag laut dem Verband für die Akkumulation von Energie zu Ende vergangenen Jahres bei nicht ganz zwei Gigawattstunden. Bis 2030 wird nun ein Anstieg auf fünf Gigawattstunden erwartet.
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