Neues Mineral „Králíkit“ in tschechischen Kohlegruben entdeckt

In den Kohlegruben der Region Ostrau-Karviná haben Experten ein bisher unbekanntes Mineral entdeckt, den Králíkit. Das Mineral ist so winzig, dass es selbst mit einem herkömmlichen Mikroskop nicht erkannt werden kann.

Überflutete unterirdische Galerie | Illustrationsfoto: Štěpánka Budková,  Radio Prague International

Eine weltweite Liste umfasst aktuell über 6200 von der International Mineralogical Association offiziell anerkannte Mineralarten. Dazu gehört nun auch der Králikit. Gefunden wurde die neue Art auf Salzstalaktiten in den Tiefen der Kohle-Minen im Nordosten Tschechiens. Diese Stalaktiten bilden sich dort, wo salziges Wasser aus dem Deckgebirge in die Bergwerksräume einsickert.

Ein unsichtbarer Sternenhimmel unter dem Mikroskop

An der jahrelangen Forschung waren Fachleute der Universitäten in Olomouc / Olmütz und Ostrava / Ostrau sowie aus Deutschland beteiligt. Dass die Untersuchung so lange dauerte, liegt unter anderem an den winzigen Dimensionen des Králíkits. Das Mineral ist meist submikroskopisch und bleibt selbst unter einem optischen Mikroskop unsichtbar. Jakub Jirásek vom Institut für Geologie der Naturwissenschaftlichen Fakultät in Olmütz erläutert das Problem:

„Der Králíkit kann zwar auch größer sein, ist meist aber winzig. Das Hauptproblem ist jedoch nicht nur die Größe, sondern seine Tarnung: Er sitzt auf den Salzstalaktiten, und seine Kristalle haben eine ähnliche Farbe beziehungsweise sind farblos. Da er genauso aussieht wie das Salz darunter, ist er auf dem Untergrund schlichtweg nicht zu erkennen.“

Jakub Jirásek  (links) | Foto: UPOL

Das neue Mineral wurde bei einer Routinekontrolle von Proben gefunden, die potenziell interessant sein konnten, aber nicht mussten. Jakub Jirásek berichtet:

„Ein Kollege entdeckte das Mineral unter dem Elektronenmikroskop. Dieses Gerät vergrößert nicht nur extrem stark, sondern verfügt auch über einen Modus, der Kontraste basierend auf der chemischen Zusammensetzung darstellt. Da der Králíkit viel Barium enthält, unterscheidet er sich deutlich von den Salzstalaktiten – dadurch leuchtete er auf dem Bildschirm wie ein Stern am Nachthimmel.“

Zufallsfund und Hightech-Analyse in Deutschland

Um das neue Mineral vollständig zu beschreiben, mussten die Wissenschaftler hochspezialisierte Methoden anwenden. Da die dafür notwendige Synchrotron-Messung in Tschechien nicht möglich ist, arbeiteten die Forscher mit deutschen Instituten in Karlsruhe und Jena zusammen.

Der Králíkit ist nicht das einzige Mineral auf den Salzstalaktiten in den Minen:

„Es gibt dort einen ganzen mineralogischen Zoo aus sogenannten Evaporiten, also Mineralen, die durch die Verdunstung von Salzwasser entstehen. Eigentlich war man davon ausgegangen, dass die meisten dieser Arten hierzulande überhaupt nicht vorkommen dürften. Doch die Bedingungen in den Minen sind so exotisch, dass sie dort trotzdem existieren.“

Die Entdeckung ist auch von praktischer Bedeutung für die Zukunft der Region. Sie liefert wichtige Erkenntnisse darüber, was passiert, wenn die stillgelegten Kohlegruben schrittweise mit Wasser geflutet werden.

ČSM-Grube | Foto: OKD

„Diese chemischen Elemente werden, wenn auch stark verdünnt, eine Zeit lang im Grubenwasser gelöst sein. Sobald die Minen vollständig geflutet sind, wird dieses Wasser abgepumpt und gelangt unweigerlich in die Oberflächengewässer.“

Das neue Mineral erhielt den Namen Králíkit zu Ehren des tschechischen Wissenschaftlers, Mineralogen und Hochschullehrers Jiří Králík, der im 20. Jahrhundert an der Bergbau-Hochschule in Ostrau (VŠB) tätig war.