Neun Todesopfer bei nächtlichem Großbrand in Prag

Foto: ČTK

In der Nacht auf Mittwoch brach in einem ehemaligen Bahngebäude unmittelbar neben dem Busbahnhofs Prag-Florenc ein Feuer aus. Die traurige Bilanz: neun Tote und zwei Verletzte. Es handelt sich um einen der tragischsten Brände in Tschechien in den letzten 20 Jahren.

Foto: ČTK
Gegen halb eins am frühen Mittwochmorgen hörte ein Wachmann des Busbahnhofs Prag-Florenc Hilfeschreie aus dem angrenzenden Gebäude. Er verständigte sofort die Feuerwehr, die bereits sechs Minuten später eintraf. Da stand das zweistöckige Haus aber schon komplett in Flammen. Insgesamt 23 Feuerwehreinheiten waren bis zum Tagesanbruch im Einsatz.

„Aus dem Objekt wurde zwei Personen gerettet, die uns sagten, dass noch weitere Menschen in dem zweistöckigen Gebäude seien. Es war aber nicht möglich, in das Haus einzudringen. Wegen seines schlechten Zustandes und der Ausbreitung des Brandes drohte der Einsturz der Dachkonstruktion, was dann auch gegen halb zwei Uhr geschah“, so Pavlína Adamcová, die Sprecherin der Prager Feuerwehr.

Foto: ČTK
Die beiden Geretteten, eine 21-jähriger Mann und eine zwei Jahre jüngere Frau, kamen mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus, wo sie sofort an Atemgeräte angeschlossen wurden. Die anderen Personen, die sich zur Zeit des Unglücks in dem Gebäude aufhielten hatten weniger Glück, so Adamcová:

„Im Verlauf der Löscharbeiten wurden sieben Tote gefunden. Um halb vier drangen Feuerwehrleute in das Gebäude ein und haben es auf seiner gesamten Länge von 100 Metern durchsucht. Gegen 20 vor vier wurde dann das achte Todesopfer dieses Großbrandes gefunden.“



Foto: ČTK
Auf das neunte Todesopfer stieß man bei den Aufräumarbeiten. Bei allen Toten handelt es sich ersten – noch unbestätigten - Informationen zufolge um Obdachlose, die das leerstehende zweistöckige Haus oft als Schlafplatz nutzten. Ihre Identität konnte bisher nicht festgestellt werden. Auch über die Brandursache ist noch nichts bekannt. Das vollständig zerstörte Gebäude gehörte früher den Tschechischen Bahnen, die es bereits im vergangenen Jahr geräumt und einem Sprecher zufolge auch sorgsam gesichert und abgesperrt hatten. Auf den unmittelbar angrenzenden Busbahnhof und die erst 2009 errichtete neue Eingangshalle griffen die Flammen nicht über. Der Leiter der städtischen Feuerwehr Dalibor Gosman:

Foto: ČTK
„Der Brand selbst hat keine größeren Sachschäden angerichtet. Es handelte sich um ein altes, zum Abriss bestimmtes Gebäude. Neben dem Gebäude ist ein Parkplatz, auf dem Busse standen. Keines der Fahrzeuge wurde beschädigt, nicht einmal durch die Wärmeentwicklung.“

Lediglich einige Bäume seien in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Schaden wurde mit 20.000 Kronen (etwa 800 Euro) beziffert. Auch Schadstoffe seien bei dem Feuer nicht freigesetzt worden, so dass zu keiner Zeit eine Gefährdung der Anwohner bestanden habe, so die Feuerwehr. Die Eingangshalle des Busbahnhofs wurde vorübergehend gesperrt. Der fahrplanmäßige Betrieb wurde dadurch jedoch nicht beeinträchtigt. Was bleibt, ist die Trauer um die neun Todesopfer und die Frage, wie das Unglück solch katastrophale Ausmaße annehmen konnte. Nach dem Abrücken der Löschteams hat die Polizei am Mittwoch mit der Untersuchung des Geländes begonnen.