Kinder musizieren in ganz Tschechien: Happening der Kunstschulen
Der Dienstag stand in vielen Städten im Zeichen der Musik. Kinder von insgesamt 355 sogenannten Kunstschulen musizierten auf den Marktplätzen sowie in Kirchen und Konzertsälen. Das gesamtstaatliche Happening stand unter dem Motto „Kinder leben mit der Kunst“.
An dem Happening sind landesweit die sogenannten „ZUŠ“ beteiligt. Das steht für die tschechische Bezeichnung „základní umělecká škola“, übersetzt am besten als „Kunstschule“. Dort lernen die Kinder in ihrer Freizeit ein Musikinstrument zu spielen oder zu singen, aber sie werden auch ins Tanzen, Malen oder Theaterspielen eingewiesen. Irena Pohl Houkalová ist Sopranistin, sie hat das Happening in 280 Städten Tschechiens organisiert. Nach dem Konzert in der Herz-Jesu-Kirche strahlte sie vor Begeisterung:
„Das war gerade das letzte Konzert des Tages. Die Stimmung und alles waren einfach wunderbar. Die Schüler und die Pädagogen waren sehr konzentriert, und ich denke, der Tag war voll von Freude an der Kunst der Kinder. Ich bin also sehr zufrieden.“Ist das Phänomen der Kunstschulen, das es hierzulande gibt, einzigartig?
„Ja schon. Es gibt nur zwei oder drei Länder in Europa, und zwar Tschechien, die Slowakei und noch ein Staat im Norden – da bin ich mir aber nicht sicher –, deren System von Musikschulen vom Staat gefördert wird.“
Wie sind Sie auf die Idee eines landesweiten Happenings gekommen?
„Diese Idee kommt von der Opernsängerin Magdalena Kožená und ihrer Stiftung. Ich bin davon überzeugt, dass die Kunstschulen – nicht nur Musik, weil es vier Fächer gibt, nämlich Kunst, Musik, Tanz und Theater – mehr Aufmerksamkeit brauchen. Sie sollten genauso unterstützt werden wie zum Beispiel.“
Daran erinnerte auch die renommierte Mezzosopranistin Magdalena Kožená anlässlich des Happenings. Die Kunstschulen würden ihren Worten zufolge viel mehr Anerkennung verdienen. Dazu Irena Pohl Houkalová:
„Ich denke, dass die Schulen eine wahnsinnig tolle Arbeit machen. Sie bilden nicht nur zukünftige Künstler aus, sondern formen die Persönlichkeit der Kinder – dass sie lernen, Kunst wahrzunehmen.“Zum Abschluss des Konzerts in Prag erklangen Ausschnitte aus Michal Novenkos „Missa ferialis“. Der neunjährige Adam Kirschner sang dabei im Chor Pueri gaudente. Für Radio Prag sagte er:
„Ich singe schon fünf Jahre im Chor und es macht mir Spaß. Am liebsten singe ich Carmen. Zweimal in der Woche haben wir Proben. Wir waren gerade in Russland, in Moskau und in Konakowo auf einem Festival. Das war ein Festival, bei dem neun Chöre aufgetreten sind. Wir haben erst zusammen gesungen und dann jeder selbst. Ich spiele zudem Flöte und lerne jetzt Klarinette. Ob ich Musiker werden möchte, das weiß ich nicht.“
In diesem Schuljahr besuchen fast 250.000 Kinder die tschechischen Kunstschulen. Am meisten Interesse besteht für den Musikunterricht, das sind es rund 162.000 Kinder. Sie lernen vor allem Klavier, gefolgt von Blockflöte und Gitarre. An die Kunstabteilungen der Schulen gehen fast 50.000 Kinder. Rund 27.000 Kinder besuchen den Tanzunterricht und knapp 10.000 Kinder die Theatergruppen.







