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Vizepremier Bělobrádek: Tschechien könnte 1000 Flüchtlinge aufnehmen, aber ohne Quote

Tschechien könnte jährlich mehr als 1000 Flüchtlinge aufnehmen. Dies sollten aber Menschen sein, die man selbst auswählen würde, sagte Vizepremier Pavel Bělobrádek (Christdemokraten) am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Das Mitte-Links-Kabinett in Prag lehnt die von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Zuteilung von Flüchtlingen nach Quoten ab. Laut Bělobrádek möchte Tschechien die Aufnahme davon abhängig machen, wie gut sich die Flüchtlinge voraussichtlich in die tschechische Gesellschaft integrieren ließen. Auch weitere Parteivertreter äußerten sich zum Thema Migration. Sowohl in der tschechischen Regierungskoalition als auch in der Opposition überwog dabei die Ansicht, Quoten abzulehnen, aber mehr Menschen als bisher aufzunehmen.

Am Dienstag verhandelte zudem Innenminister Milan Chovanec (Sozialdemokraten) mit seinen Kollegen aus den anderen EU-Staaten über das Thema. Bei den Gesprächen in Luxemburg zeichnete sich laut einem Bericht der Presseagentur DPA keine Mehrheit in der EU für die Verteilung von Flüchtlingen per Quote ab.

Erster Verdacht auf Mers-Erkrankung in Tschechien

In Tschechien besteht erstmals der Verdacht auf eine Mers-Erkrankung. Es handle sich um einen 25-jährigen Tschechen, der im Mai in Südkorea auf Urlaubsreise gewesen sei, teilte Gesundheitsminister Svatopluk Němeček (Sozialdemokraten) mit. Am Dienstag habe eine Prager Klinik den jungen Mann aufgenommen und ihn auf eine Isolierstation gebracht. Der Patient werde nun auf die gefährliche Atemwegserkrankung getestet, die Ergebnisse sollten bis Mittwochvormittag vorliegen, sagte der Minister. Wie der tschechische Chefhygieniker Vladimír Valenta ergänzte, habe man auch jene Personen informiert, mit denen der Mann in Kontakt gewesen sei. Sollte sich die Mers-Erkrankung bestätigen, würde über eine Quarantäne für diese Personen entschieden.

Das Mers-Virus ist in Saudi-Arabien am weitesten verbreitet. Seit Mai grassiert das Virus aber auch in Südkorea. Dort sind bereits 19 Menschen daran gestorben, weitere 154 Personen sind infiziert.

Gender Studies: Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern nehmen mit höherer Position zu

Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen in Tschechien nehmen mit Höhe der Position zu. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der NGO Gender Studies. So erhalten Frauen mit Abitur in ihren Berufen im Schnitt 20 Prozent weniger Lohn als Männer mit gleicher Ausbildungsstufe, bei Hochschulabsolventen liegt die Differenz hingegen bei bis zu 30 Prozent. Die größten Unterschiede bestehen dabei in der Altersgruppe zwischen 35 und 44 Jahren. Grund dafür sind die Kinderzeiten. Laut Klára Cozlová Čmolíková von Gender Studies würden Frauen nach der Kinderzeit in der Regel zum selben Lohn wie davor angestellt, während Männer in der Zwischenzeit bessere Positionen erreicht hätten.

Dramatiker Josef Topol ist gestorben

Der tschechische Dramatiker Josef Topol ist tot. Der Schriftsteller sei im Alter von 80 Jahren nach langer Krankheit gestorben, teilte seine Familie mit. Bekannt wurde Topol in den 1960er Jahren mit Bühnenstücken wie dem existenzialistischen Drama „Die Katze auf dem Gleis“ (Kočka na kolejích). Mit diesem Stück nahm er auch seine Tätigkeit als Regisseur und Dramaturg am Prager Theater „Divadlo Za branou“ auf. Nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes gehörte Josef Topol zur verbotenen Opposition, er unterschrieb die Charta 77. Der Staat quittierte dies mit einem Berufsverbot, Topol arbeitete daher in Fabriken und auf dem Bau, bevor er in den Vorruhestand ging. 1998 erhielt er vom damaligen Staatspräsident Václav Havel die tschechische Verdienstmedaille. Auch sein Sohn Jáchym Topol ist literarisch tätig, sein jüngerer Sohn Filip Topol war Sänger und Texter der Rockband Psí vojáci.

Nationalgalerie plant Neugestaltung ihrer Ausstellungen

Die Nationalgalerie in Prag hat am Montag ihre Pläne bis ins Jahr 2020 vorgestellt. Dem Konzept von Direktor Jiří Fajt hatte zuvor das Kulturministerium zugestimmt. Demzufolge sollen die ständigen Ausstellungen neu gestaltet werden. Außerdem wolle man neue Erholungszonen, Cafeterien und Museumsgeschäfte in den Gebäuden der Galerie einrichten. Nach dem Vorbild ausländischer Kunstmuseen möchte Fajt freiwillige Eintrittspreise für Besucher einführen. Er wolle, dass die Nationalgalerie neue Maßstäbe setze für die Gestaltung des öffentlichen Raumes, sagte Fajt am Montag vor Journalisten in Prag. Als ein Beispiel nannte er die Nutzung des Palais Kinský auf dem Altstädter Ring, der zurzeit zum Großteil vermietet wird und nicht der Galerie dient. Dort sollen künftig attraktive wechselnde Ausstellungen stattfinden.

Tschechische Polizei lässt Leiche neben Badenden treiben

Die tschechische Polizei überprüft das Vorgehen ihrer Beamten bei einer Leichenbergung im Badesee im südmährischen Otrokovice am vergangenen Wochenende. Die Polizisten ließen dort mehrere Stunden lang die Leiche eines Mannes im Wasser zwischen den Badegästen treiben. Anstatt die Umgebung abzusperren, badeten die Besucher des Freibades, darunter auch kleine Kinder, ahnungslos nur wenige Meter von dem nur notdürftig zugedeckten toten Körper entfernt, bis die Kriminalpolizei eintraf. Eine Polizeisprecherin kündigte am Montag an, die verantwortlichen Polizisten hätten mit einer Bestrafung zu rechnen. Nach Ergebnissen der Polizeiermittlungen handelt es sich bei dem Toten um einen 31-jährigen Slowaken, der als Obdachloser in Zlín lebte. Er müsse schon zwei Tage zuvor gestorben sein, hieß es seitens der Polizei.

Klassikkonzert in umstrittenen Tunnel Blanka geplant

Im umstrittenen Prager Tunnel Blanka soll im Sommer klassische Musik erklingen. Der Kultur-Aktivist Ondřej Kobza hat dafür die Prager Kammerphilharmonie gewinnen können, sie soll am 20. August in der Tunneleinfahrt im Stadtteil Letná spielen. Kobza erwartet 5000 bis 10.000 Besucher, der Eintritt ist frei. Der Prager Stadtführung begrüße diese Initiative, teilte stellvertretende Oberbürgermeister für Verkehr, Petr Dolínek (Sozialdemokraten) mit.

Der Tunnelkomplex Blanka sollte ursprünglich bereits im Jahr 2012 eröffnet werden. Aus unterschiedlichen Gründen wurde die Inbetriebnahme aber schon mehrmals verschoben. Derzeit werden rund 50 Kilometer Kabel ausgetauscht, an denen Wasserschäden entstanden sind. Der neue Eröffnungstermin ist für September angesetzt.

Fußball: Stadt Prag möchte Stadion von Erstligist Bohemians 1905 kaufen

Die Stadt Prag möchte das Stadion des Fußball-Erstligisten Bohemians 1905 kaufen. Ende Juni läuft der Mietvertrag des Traditionsvereins für das Stadion aus, und Bohemians selbst können sich den Kauf der Sportanlage nicht leisten. Deswegen einigte sich zunächst das Rathaus des zehnten Prager Stadtbezirks mit dem Eigner auf den Kauf des Stadions geeinigt. Um den Preis zu senken, soll der Eigner jedoch das angrenzende Grundstück erhalten, auf dem heute die Stadionparkplätze sind. Zugleich bat die Bürgermeisterin des Stadtbezirks den Prager Magistrat um Hilfe für eine eventuelle andere Lösung. Am Dienstag beschlossen die Prager Stadtverordneten, die 109 Millionen Kronen (knapp vier Millionen Euro) für das Stadion gemeinsam mit dem Stadtbezirk aufzubringen.

Präsident von Bohemians 1905 ist Ex-Nationalspieler Antonín Panenka. Der frühere Mittelfeldspieler ist im EM-Finale 1976 gegen Deutschland berühmt geworden. Im Elfmeterschießen überwand er Torhüter Sepp Maier mit einem frechen Lupfer und machte so die Tschechoslowakei zum Turniersieger.

Europäische Spiele: Kanute Fuksa holt weitere Medaille

Der Kanute Martin Fuksa hat bei den Europäischen Spielen in Baku eine weitere Medaille für das tschechische Team geholt. Am Dienstag wurde Fuksa Dritter im Sprint über 200 Meter. Für den 22-jährigen Kanuten ist es nach Silber über 1000 Meter die zweite Medaille der Spiele. Der tschechische Viererkajak musste hingegen im 1000-Meter-Finale eine Enttäuschung hinnehmen. Das favorisierte Boot fuhr nur an vierter Stelle über die Ziellinie. Die Weltmeister, dreifachen Europameister und Olympia-Bronzemedaillengewinner verloren dabei gegen die Weißrussen den Kampf um Platz drei um 58 tausendstel Sekunden.

Frauen-Basketball-EM: Tschechien besiegt Rumänien

Die tschechischen Basketball-Frauen haben bei den Europameisterschaften im abschließenden Vorrundenspiel das Team aus Rumänien besiegt. Im rumänischen Timişoara gewannen sie am Montagabend gegen die Gastgeberinnen mit 82:71. Damit sicherten sich die Tschechinnen den Einzug in die Zwischenrunde. Dort treffen die Schützlinge von Trainer Lubor Blažek auf Weißrussland, Griechenland und die Türkei.

Das Wetter am Mittwoch, 17. Juni

Am Mittwoch ist es in Tschechien erneut heiter bis wolkig, vereinzelt mit Regenschauern. Zum Abend hin lockern im mährischen und schlesischen Landesteil die Wolken auf. Die Tageshöchsttemperaturen liegen zwischen 15 und 19 Grad Celsius, in Höhenlagen um 1000 Meter werden bis zu 11 Grad erreicht.