Fisch mit Chip: Über 2000 Sterlete im tschechischen Teil von Thaya und March ausgesetzt
Der Stör ist heute den meisten eher ein Begriff als jene Fischart, von der der echte Kaviar kommt. Doch die kleinste Variante dieses urtümlichen Knochenfisches, der Sterlet, war früher überall in Europa beheimatet. Nun haben tschechische Naturschützer ein Projekt gestartet, um ihn wieder in March und Thaya anzusiedeln.
Etwa 2100 Sterlete sind Ende September in zwei Flüssen in Mähren ausgesetzt worden. Es handelt sich um die kleinste Störart, die nur bis zu einem Meter lang wird. Naturschützer fuhren die Fische zunächst in großen Behältern heran. Dann wurden jeweils rund 80 von ihnen aus großen Bottichen in die March und die Thaya entlassen. Jan Freidinger ist stellvertretender Leiter der Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) in Tschechien und sagt:
„Wir drücken die Fische leicht hinunter, damit sie das Flusswasser aufnehmen und sich akklimatisieren. Dann warten wir, bis sie wegschwimmen. Zum Glück ist das Wasser in den Bottichen ähnlich warm wie im Fluss. Es dauert vielleicht eine Minute, bis die Störe weg sind.“
Monotoring für die Forschung
Alle 2100 Sterlete erhielten vor der Entlassung in die Freiheit einen Chip. So können die Naturschützer ihre Wege nachvollziehen.
„Die Fische kennen keine Grenzen. Mich interessiert, ob sie in Österreich, der Slowakei oder in Tschechien sind. Auf 100 Kilometer Entfernung können wir die Daten sammeln. Und diese dienen dann für eine Studie darüber, wie der Schutz von Stören hier an Thaya und March aussehen könnte. Der Stör ist wie ein Lackmuspapier. Wenn sein Erhalt gelingt, heißt das auch, dass der Fluss in Ordnung und gesund ist“, so Freidinger.
Fast ausgestorben in Mitteleuropa
Früher gab es Sterlete überall in den Binnengewässern Europas. Doch in den vergangenen 150 Jahren sei dieser Fisch fast ausgestorben – so eben auch in Tschechien, erläutert der Experte:
„Das geht zu großen Teilen auf Wilderei zurück, weil Kaviar zu einer hochgeschätzten Ware wurde. Aber der größte Sargnagel war der Bau von Stauseen wie etwa der am Eisernen Tor oder der Gabčík-Stausee, beide an der Donau. Der Schlüssel zum Erfolg ist, dass der Sterlet eine stabile Population bildet und sich vermehrt.“
So wurden im Frühjahr bereits am Oberlauf der March bei Olomouc / Olmütz kleine Sterlete ausgesetzt, die anders als jetzt aber erst im Flusswasser selbst geschlüpft sind. Beide Aktionen gehören zum Projekt „Voda je život“ (Wasser ist Leben), in dem es um die Renaturierung von Flussläufen geht, verbunden mit der Wiederansiedlung ursprünglicher Fischarten. Aber auch etwa im benachbarten Österreich wurde dieser Fisch zurück in die Donau gebracht.
Mit der Schnauze am Grund
Der Sterlet ist laut dem Fischkundler Jiří Křesina eine urtümliche Art aus der Familie der Störe:
„Er hat eine schöne, sympathische Schnauze, die er beim Aussetzen gerne aus dem Wasser streckt. Sie ist dem Leben am Flussgrund angepasst. Denn das Maul des Sterlets befindet sich an der Unterseite seines Körpers, und mit seiner Hilfe nimmt er praktisch vom Boden seine Nahrung auf.“
Natürliche Flussläufe
Auf dem Speiseplan der kleinen Störe stehen Wirbellose wie Würmer, Schnecken, Insektenlarven und Kleinkrebse. Den geeigneten Lebensraum finde der Sterlet nur in natürlichen Flussläufen, so Křesina weiter:
„Er braucht Kies, tief stehende Gewässerbereiche, aber auch Untiefen. Es sind sowohl schnell als auch langsam fließende Abschnitte. Und er braucht Schlupfwinkel, in denen er sich gegebenenfalls vermehren kann. Dort findet er auch Nahrung.“
Eigentlich wollten die tschechischen Naturschützer die Sterlete noch vor dem Sommer aussetzen. Doch die Fische sind empfindlich, was hohe Temperaturen angeht. Deswegen wurde das Vorhaben in den Herbst verlegt.







