„25 Jahre danach“: die Foto-Parallelen von Lubomír Kotek
Krampfhaft lachende Gesichter, Fähnchen, Spruchbänder. Darunter ein anderes Foto: spontan lachende Gesichter, andere Fähnchen, klatschende Hände. Zwei übereinander hängende Schwarz-Weiß-Fotos von demselben Ort: 25 Jahre trennen sie voneinander. Das erste wurde bei einer Mai-Kundgebung während des Kommunismus in Prag geknipst, das andere während der Fußball-WM in diesem Jahr vor einer Großleinwand. Mehrere solche Paare von Fotografien sind in der Ausstellung zu sehen, die diese Woche in Prag eröffnet wurde. Die Fotos geschossen hat Lubomír Kotek.
„Vor 25 Jahren, das war die Normalisierungsära. Ich war damals jung und ging regelmäßig zum Psychiater, weil ich mich bemühte, das so genannte ´blaue Buch´ zu bekommen – also die Bescheinigung, dass ich aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Armee muss. Aber die Zeit war damals wirklich depressiv. Und das Fotografieren half mir, gesunden Menschenverstand zu bewahren. Eigentlich war es eine Art Psychotherapie. Ich habe den nackten König fotografiert, um zu zeigen, dass er nackt ist. So sind die älteren Fotografien entstanden.“
Nach der Samtenen Revolution bot es sich an, die Verwandlungen einzufangen, erzählt der Fotograf. Aber oft habe er dies nicht gemacht, so Kotek. Erst mit dem Abstand von 25 Jahren sei es ihm gelungen, wieder die richtigen Motive für seine Fotos in Prag zu entdecken:
„Ich finde immer wieder unglaublich schöne Parallelen. Manches hat sich gar nicht geändert, manches sieht ganz anders aus. Ich glaube, dass dies mit den Fotografien viel besser beschrieben werden kann als mit Worten. Auf dem einen Foto schauen Obdachlose auf dem Altstädter Ring auf eine Großleinwand. Darüber hängt eine Fotografie vom Februar 1989, es ging um eine Kundgebung zum 25. Februar 1948, als die Kommunisten die Macht übernahmen. Im Herbst 1989 brach die Samtene Revolution aus, aber im Februar herrschten noch harte Verhältnisse.“Und dies geht aus dem Foto von 89 auch hervor: verbitterte Gesichter von Menschen, die unter roten Fahnen marschieren müssen. Die Fotoausstellung von Lubomír Kotek ist im Foyer der Akademie der Wissenschaften zu sehen, und das noch bis zum 2. Januar kommenden Jahres.







