Geschnappte Waffenhändler versteckten MPis sogar im Kinderzimmer

Robert Šlachta (Foto: ČTK)

Die Waffen von Kalaschnikow sind weltweit am weitesten verbreitet. Vor der Wende gehörte die Kalaschnikow auch zur Standardbewaffnung der Tschechoslowakischen Armee. Danach wurde die Bewaffnung in Tschechien und der Slowakei umgerüstet. Wurden die ausgedienten Kalaschnikows aber auch ordentlich entsorgt? Mitnichten! Tschechische und slowakische Polizisten haben Ende September einen illegalen Waffenhändlerring auffliegen lassen, bei dem neben anderen Waffen auch jede Menge funktionstüchtige Kalaschnikows gefunden wurden.

Robert Šlachta  (Foto: ČTK)
Dutzende Maschinenpistolen, spezielle Schalldämpfer, Sprengstoff, Handgranaten und Pistolen, all das hat die Polizei bei ihrem Zugriff auf eine tschechisch-slowakische Waffenbande entdeckt. Bei der Polizeiaktion wurden in Tschechien vier Verdächtige festgenommen, in der Slowakei zwei. Vieles haben die erfahrenen Ermittler in ihrer jahrelangen Tätigkeit schon erlebt, doch die Fundstätte einiger Waffen schockierte selbst die hartgesottenen Jungs der Kripo-Spezialeinheit, sagte der Chef der Abteilung zur Enthüllung des organisierten Verbrechens (ÚOOZ), Robert Šlachta:

„Zwei Maschinenpistolen vollgestopft mit Munition haben wir im Kinderzimmer unter dem Bett des 14-jährigen Sohnes eines der Täter gefunden.“

Als Kopf des Waffenhändlerrings gilt ein 29-jähriger Mann aus Prag, der wegen Betrugs vorbestraft ist. Drei seiner Komplizen kommen aus dem mährischen Kreis Olomouc / Olmütz, wo der Händlerring die Waffen an mehrere Abnehmer weitergereicht hat. In der Slowakei wurden die zum Teil veralteten Waffen zuvor repariert und funktionstüchtig gemacht. Das erledigten ein Vater und sein Sohn, die von der Polizei auf frischer Tat geschnappt wurden:

Waffen - zbraně  (Foto: Archiv der Polizei der Tschechischen Republik)
„Diese Personen haben legal erworbene Waffen umgestylt und daraus verbotene Waffen für die Unterwelt hergestellt“, erklärte Šlachtas slowakischer Amtskollege Peter Krajíček am Dienstag auf der gemeinsamen Pressekonferenz in Prag.

Die slowakischen Komplizen galten als sehr geschickt, weshalb sich aus ihrer Arbeit auch genügend Kapital schlagen ließ. Die umgebauten Maschinenpistolen verkaufte der Händlerring zum Beispiel für umgerechnet 1000 bis 1400 Euro das Stück, den zusätzlich eingebauten Schalldämpfer für rund 320 Euro oder aber den Plastiksprengstoff Semtex für umgerechnet 2000 Euro.

Den Verdächtigen drohen in Tschechien bis zu acht Jahre Haft wegen illegalen Waffenbesitzes und in der Slowakei bis zu zehn Jahre. Šlachta will sich dafür einsetzen, dass derartige Straftaten auch in Tschechien künftig härter bestraft werden. Zudem hat sich Šlachta für eine Vereinheitlichung des Systems bei der Ausmusterung von Waffen in ganz Europa ausgesprochen. Die Polizei indes versucht nun herauszufinden, auf welche Weise die Verdächtigen ganz legal an die hierzulande und in der Slowakei ausrangierten Waffen gelangt sind.