MIG 21 – poetisch und nur scheinbar sinnfrei

MIG 21

Das einzige Wort, das deutsche und im Tschechischen ungeübte Ohren in diesem Lied noch verstehen, heißt: „Malotraktor“, also Kleintraktor. Und ums Kleine und Feine geht es auch meistens bei der Gruppe MIG 21. Sänger und Texter Jiří Macháček träumt davon, wie er auf einem Kleintraktor Wege und Wälder ignoriert, um seiner Liebsten entgegen zu tuckern. Wind und Wetter ausgesetzt, wie es eben in einem Cabriolet so ist.

Scheinbar Sinnfrei, aber immer mit Liebe und ein bisschen anarchisch feiern die fünf Musiker die Poetik des tschechischen Kleinbürgertums lächelnd in Grund und Boden. Sie rücken ungeniert mit der Wahrheit heraus, lassen den Diskohengst tanzen oder ein Liebespaar an der Einsamkeit ihrer Zweisamkeit scheitern. Wie Klára und Karel, die es beide schon lange wissen: Ihre große Liebe ist zu Ende, die Sonne geht langsam auf, die Welt beginnt sich zu drehen und der Schnee schmilzt. Eine sachliche Romanze auf Tschechisch.

Jiří Macháček ist der Kopf der Band, die – warum auch immer - sich nach einem sowjetischen Abfangjäger benannt hat. Macháček hat zugleich auch eines der bekanntesten tschechischen Kinogesichter der letzten zehn Jahre. Als studierter Jurist, wechselte er bald zur Schauspielerei über. Und dann, vor 10 Jahren, kam MIG 21 hinzu. MIG 21 ist nie ein Geheimtipp gewesen. Dafür ist JiříMacháček zu bekannt. Aber diejenigen, die den Witz und die Poetik dieser Band wirklich lieben, sie gehören nicht zur breiten Masse.

In wenigen Wochen kommt die vierte Scheibe von MIG 21 heraus – und der Plattenteller beginnt sich wieder zu drehen.