Moderner Outfit zum 100. Jubiläum: Nationales Technikmuseum
Das Gebäude auf dem Letná, das in den Jahren 1938 – 1942 erbaut wurde, ist ein Bau von einer hohen architektonischen und urbanistischen Qualität. Im Stil des späten Funktionalismus wurde das imposante Haus für das Nationale Technikmuseum erbaut. Das Museum mit seinen Sammlungen gab es jedoch schon lange vorher – denn vor 100 Jahren wurde über seine Gründung entschieden. Das Museumsgebäude wird zurzeit renoviert, seine Mitarbeiter bereiten jedoch die Eröffnung neuer Ausstellungen vor – nicht nur im bekannten Zentralgebäude im 7. Prager Stadtbezirk.
Museumsleiter Horymír Kubíček sagt, das Museum feiert das 100-jährige Jubiläum zwei Jahre lang: Im Juli vergingen 100 Jahre seit der Gründung des Technik-Museums, seine ersten Sammlungen wurden jedoch erst zwei Jahre nach der Gründung für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
„Einer der Impulse für die Entstehung des Prager Museums war die Errichtung des Technikmuseums in Wien und die damit verbundene Befürchtung, dass wertvolle technische Sehenswürdigkeiten aus Böhmen schließlich nach Wien gebracht würden. Professoren der Prager Technischen Hochschule befassten sich damals mit dem Gedanken, ein Technikmuseum in Prag zu gründen. An der Konstituierungssitzung am 5. Juli 1908 nahmen 62 Menschen teil - nicht nur die Professoren, sondern auch Industrielle, Bankleute und Vertreter verschiedener Vereine. Sie nutzten die damalige Gewerbeausstellung aus. Sie zeigte die bedeutendsten technischen Exponate, und so wurde das Modell einer Zuckerfabrik im Maßstab 1:10 zum ersten Exponat unseres Museums. Es bleibt bis heute das Exponat Nr. Eins.“ Die kleine Zuckerfabrik ist zurzeit im Prager Landwirtschaftsmuseum ausgestellt. Sobald das Museum für Technik renoviert sein wird, wird das Exponat Nr. 1 wieder dort installiert – in einer neuen Ausstellung zum 100. Jubiläum des Museums. Das Technische Museum des Königreichs Böhmens, das bei seiner Gründung über kein eigenes Gebäude verfügte, wurde am 28. September 1910 in den Räumlichkeiten des Schwarzenberg-Palais auf der Prager Burg eröffnet.Die Mitarbeiter des Museums möchten das renovierte Gebäude auf dem Letná spätestens im September 2010 für die Öffentlichkeit öffnen, wenn 100 Jahre seit der Präsentation der ersten Sammlungen des Museums vergangen sind. Die Besucher werden dann nicht nur modernisierte, sondern vor allem auch völlig neue Ausstellungen besichtigen können – wie beispielsweise eine Präsentation des Druckgewerbes. Diese wird wie eine Druckerwerkstatt eingerichtet, in der die Interessenten auch einiges selbst ausprobieren können, sagt der Architekt der Ausstellung, Kryštof Šulc:
„Die Maschinen werden so ausgestattet sein, dass sie auch kleine Kinder benutzen können. Es wird dabei nicht drohen, dass sie schmutzig werden oder Farben abblättern. Zudem wird es hier für die größeren Besucher die Möglichkeit geben, authentische Druckmaschinen zu testen, die bis heute funktionieren. Die ganze Ausstellung wird im Stil einer Druckwerkstatt vom Ende des 19. Jahrhunderts gestaltet. In den Museumssammlungen befinden sich verhältnismäßig viele Maschinen aus dieser Zeit, die charismatisch sind. Wir wollen nicht, dass der Besucher sich Vitrinen anschaut, sondern er soll den Eindruck haben, eine Fabrikhalle zu betreten, wo gerade etwas gedruckt wird. Es soll eine lebendige Ausstellung sein, in der normal gearbeitet werden kann, was hoffentlich möglich sein wird.“ Das Museum wurde in den vergangenen Jahren jährlich von etwa 200.000 Menschen besucht. In der Zukunft könnte die Besucherzahl noch steigen, da die Museumsmitarbeiter neben der Renovierung des Hauptgebäudes noch mit neuen Zentren außerhalb des rekonstruierten Hauses rechnen. In Prag werden sie ein Eisenbahnmuseum errichten. Sein Leiter Jiří Střecha:„Das Eisenbahnmuseum wird im Lokomotivdepot des Masaryk-Bahnhofs entstehen. In unseren Sammlungen gibt es 132 Eisenbahnfahrzeuge, davon 42 Dampfloks. Neben den Loks und Waggons wird im neuen Museum eine Ausstellung über die Geschichte und die Beziehung der Eisenbahn und der Gesellschaft installiert. Es wird gezeigt, wie die Eisenbahn die Wirtschaft in den Böhmischen Ländern seit dem 19. Jahrhundert beeinflusste. Im Lokomotivdepot werden zudem Dampfmaschinen zu sehen sein, die verschiedene Geräte und Anlagen treiben werden, um den Besuchern den Maschinenbau in der Zeit des der Dampfalters vorzustellen.“
Neben dem Eisenbahnmuseum auf dem Masaryk-Bahnhof errichtet das Museum auch das so genannte Zentrum des Architekturerbes im westböhmischen Zisterzienserstift Plasy.Der Leiter des Nationalen Technikmuseums, Horymír Kubíček denkt daran, die so genannte „Museumsmeile“ einzurichten, zu der beispielsweise eine gemeinsame Eintrittskarte für das Technikmuseum, das Nationalmuseum auf dem Wenzelsplatz, das Eisenbahnmuseum, das Museum der Hauptstadt Prag sowie das Armeemuseum in Žižkov gelten würde.
„Es wird darum gehen, dass die Vorbereitungen der Ausstellungen konsultiert und gegenseitig angepasst werden. Wir wollen einander nicht konkurrieren, sondern zusammenarbeiten. Es liegt uns daran, dass die Online-Verbindung mit den anderen funktioniert.“In diesen Tagen erschien das erste der drei geplanten Jubiläumsbücher, die das Technik-Museum herausgibt. Das Fotografiebuch trägt den Titel „Die Geschichte des Nationalen Technikmuseums“ und umfasst auch einen Katalog der Sammlungen. Bevor das rekonstruierte Gebäude eröffnet wird, können die Bewunderer technischer Raritäten auf dieses Buch oder die Webseiten des Museums www.ntm.cz zurückgreifen.
Fotos: Barbora Kmentová








