Heil 2008!

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Jeder passable Text – zumal ein journalistischer – sollte nicht nur Hand und Fuß, sondern auch einen Einstieg und ein Ende haben. Vor allem wohl ein Ende. Ich werde – so habe ich mir überlegt – mein letztes Interview 2007 an den Anfang und mein erstes Interview 2008 ans Ende stellen.

Mein letztes Interview 2007, das ich mit einer tschechischen Kollegin vom Fach, einer Journalistin in Führungsposition, geführt habe, begann mit einer Frage an mich: „Sie sind Deutscher? – Haben sie Humor?“ Ich glaube, ich habe auf beides mit „ja“ geantwortet. Mein Fehler. Denn die folgenden Worte meiner Kollegin lauteten: „Heil Hitler!“. Daraufhin lautete mein guter Vorsatz für 2008: Ich werde keinen Humor mehr haben! Sicher ist sicher. – Absatz!

Zwischen den Jahren segelten meine journalistischen Wahrnehmungen erfreulicherweise in ruhigeren Fahrwassern dahin. Mein Humor wurde nicht unnötig strapaziert, mein Vorsatz war nicht in Gefahr. Der Nachrichtenticker in der U-Bahnstation verkündete beruhigende Belanglosigkeiten: „Tschechen essen zehn Tonnen Schneckenfleisch jährlich“ – „Beckhams Sohn kann angeblich 64 Mal hintereinander dribbeln“ – „Unter polnischen Mädchen breitet sich die Sonnenbank-Sucht aus“. Alles weitgehend humorfrei.

Foto: Kristýna Maková,  Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag
Aber leider kam es dann Anfang 2008 doch wieder zu einem Vorfall, der meinen Humor ernsthaft provoziert hat: Ich ging zur Post um dort per Formular meinen Fernseher abzumelden. Ich habe nämlich keinen mehr. Die Antwort der Postangestellten zwischen zwei Fruchtgummis: „Fernsehen kann man nur abmelden im Falle von Taubheit, Blindheit oder Tod.“ Ein ausgezeichneter Witz und ich war – meinem guten Vorsatz zum Trotz – fast versucht zu lachen. Nur, dass es kein Witz war! Aber während des dritten Fruchtgummis fand sich in den Untiefen des Schalters dann doch noch ein Formular, das fernsehlose Bürger von Staatswegen von Gebühren befreit. Kein Grund zu lachen also. Absatz!

Kommen wir zum Ende, zu meinem ersten Interview 2008, wie angekündigt. Das wollte ich mit einem elfjährigen Jungen führen und fragte zu Beginn, ob er vielleicht ein bisschen Deutsch könne. Nein, er möge Deutschland und die Deutschen nicht wegen Hitler und so. Beinahe hätte ich ihn gefragt, ob er diese Sache nicht ein bisschen mit Humor nehmen könne. Ich ließ es bleiben. Denn: Wer auch immer sich das ausgedacht hat, der Kleine tat mir in dem Augenblick leid.