Zu Ende: Die goldene Ära des Wasserstoff-Ballons

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Nein, nein, stopp, - stopp! Die Geschichte ging doch ganz anders. Es waren nicht 99, sondern nur zwei Luftballon. Und die waren auch nicht auf ihrem Weg zum Horizont, sondern fuhren in einem Auto von Tschechien in Richtung deutsche Grenze. Wir wollen da also nicht übertreiben. Auch wenn es stimmt, dass für manche bereits an der Grenze der Horizont erreicht ist.

Nicht so jedoch bei einem arglosen deutschen Touristengrüppchen, das einen Ausflug ins grenznahe tschechische Decin / Tetschen gewagt hat. Das war vor langen 13 Jahren. Und so unglücklich wie diese Zahl, so unglücklich endete auch dieser Ausflug. Nämlich mit einem ramponierten Auto und einem Hörschaden. Was war geschehen?

Während die Touristen sich in Deutschland auf ihren Ausflug nach Tschechien vorbereiteten, bereitete sich auf der anderen Seite der Grenze ein ausgebildeter Chemiker darauf vor, in Decin lustige Luftballons aus Eigenproduktion zu verkaufen. Wie wir wissen, verdienen Wissenschaftler in Tschechien schrecklich wenig. Und so füllte er Wasserstoff in die lustigen Ballons, damit sie herrlich schweben. Denn Wasserstoff ist leichter als Luft. Zwei von den Ballons kauften die besagten Touristen aus Deutschland, packten sie in ihr Auto und fuhren zurück. Nach 100 Metern – vielleicht waren es auch nur 99, das ist nicht so entscheidend – nach einigen Metern jedenfalls explodierten die lustigen Luftballons im Auto. Wasserstoff ist ja nicht nur leichter als Luft, er explodiert auch, wenn er mit ihr in Berührung kommt.

Es folgten eine Anzeige und ein Verfahren, dass sich 13 Jahre hinzog und sogar beim Verfassungsgericht auf dem Tisch gelandet war. Der tschechische Dr. Faust hatte immer wieder Berufung eingelegt. Ein, zwei Ballons könnten doch keinen so großen Schaden im Auto anrichten. Und überhaupt, es sei doch komisch, dass nur ein Mitreisender einen Gehörschaden erlitten habe. Man möchte meinen, er sollte froh darüber sein, denn so muss er nur etwas über 1100 Euro Entschädigung zahlen. Übrigens: Von der Gefährlichkeit des Wasserstoffs konnten sich schon 1937 die Insassen des Zeppelins „Hindenburg“ überzeugen. Mit dieser Explosion endete dann auch die goldene Ära der gefüllten Luftschiffe. Ein ähnliches Schicksal mag nun den Chemiker ereilt haben.

Also: Kaufen Sie besser keine Luftballons in Tschechien. Und falls Sie doch mal an einen geraten sollten, dann halten Sie´s mit Nena: „Lass ihn fliegen!“