Radar-Kampagne: Ungereimtheiten bei Auswahl einer Werbeagentur?

Tomas Klvana (Foto: CTK)

Die Regierung hat eine Werbeagentur ausgewählt, die ihrem Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Radar, Tomas Klvana, unter die Arme greifen soll. Und zwar mit einer Informationskampagne über die Stationierung des US-Radars auf dem mittelwestböhmischen Militärstandort Brdy. Die Opposition kritisiert diesen Schritt als ein Zeichen von Unfähigkeit. Außerdem soll es Ungereimtheiten beim Ausschreibungsverfahren gegeben haben.

Tomas Klvana  (Foto: CTK)
Tomas Klvana, der Regierungsbeauftragte für Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Radar, hat sich Schützenhilfe geholt. Die Werbeagentur "AMI Communications" soll ihm und der Regierung dabei helfen, die Öffentlichkeit über die Unschädlichkeit der US-Radaranlage zu informieren, vor allem aber über ihre Notwendigkeit. Öffentliche Umfragen verzeichnen nämlich immer noch eine mehrheitlich ablehnende Haltung der Bevölkerung gegenüber der geplanten US-amerikanischen Aufrüstungsmaßnahme.

"Die Agentur wird uns helfen, Informationsmaterialien über das geplante Radar zu gestalten sowie verschiedene Aktionen zur Information der Bürger durchzuführen", sagt Tomas Klvana.

Die Unterstützung, die sich die Regierung mit der Werbeagentur ins Haus geholt hat, ist ein willkommenes Fressen für die Opposition aus Sozialdemokraten und Kommunisten. Sie lehnt nach wie vor die Stationierung der Radaranlage auf tschechischem Boden ab und weiß dabei die Bürger hinter sich. Für den Vorsitzenden der Sozialdemokraten, Jiri Paroubek, ist das Engagement einer Werbeagentur ein Zeichen von Schwäche und Hilflosigkeit der Regierung:

"Ich verstehe nicht, warum die Regierung das initiiert hat. Offensichtlich, weil sie selber nicht imstande ist, die verschiedensten Dinge der Öffentlichkeit nahezubringen. Das hat sich ja schon zuvor mit der Tatsache gezeigt, dass man überhaupt Herrn Klvana als Regierungsbeauftragten engagieren musste."

Tomas Klvana betrachtet die Unterstützung der PR-Agentur als normalen Vorgang bei der Regierungsarbeit, genauso wie man die Hilfe externer Anwaltskanzleien oder Finanzdienstleister in Anspruch nehme.

Prag
Öl ins Feuer der Opposition dürfte aber eine Meldung der Tageszeitung "Lidove Noviny" vom Mittwoch gießen: Klvana habe bereits zuvor zu der ausgewählten Werbeagentur "AMI Communications" enge persönliche Kontakte gehabt. Klvana bestätigte die Kontakte, wies aber jegliche Parteinahme beim Auswahlverfahren zurück. Es habe sich um kein Standardverfahren gehandelt, da die Auftragshöhe unter zwei Millionen Kronen (rund 71.000 Euro) liege.

"Die Ausschreibung hat zehn Tage gedauert, wir haben fünf große, international renommierte Agenturen angesprochen und zum entsprechenden Termin hat uns nur die Agentur "AMI Communications" ein Angebot vorgelegt."

Ganz gleich, ob die Ausschreibung korrekt ablief oder nicht - sportlich betrachtet könnte man im Zusammenhang mit der Auswahl der Agentur von einem öffentlichkeitswirksamen Eigentor der Regierung sprechen. Militärisch gesehen - und auf diesem Terrain bewegen wir uns ja thematisch - ging der Schuss wohl eher nach hinten los.