Abhängig vom Erfolg der Sportler: die tschechische Sportzeitung "Sport"

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Die Eishockey-Weltmeisterschaft, die vor einigen Tagen zu Ende gegangen ist, gehört aus der Sicht der tschechischen Medien jedes Jahr traditionell zu den Höhepunkten ihrer Sportberichterstattung. Stellt sich dann noch ein Erfolg der eigenen Nationalmannschaft ein, zögern selbst jene Medien, die ansonsten stets auf ihre Seriosität bedacht sind, nicht, mindestens ein Foto der eigenen Mannschaft auf der Titelseite zu bringen. Oder sie machen das Ereignis gleich zur ersten Nachricht des Tages.

Beim Sportjournalismus steht an vorderster Front die Tageszeitung "Sport". Sie ist übrigens nicht nur die einzige Zeitung, die sich in Tschechien ausschließlich auf Sportberichterstattung konzentriert, sondern stellt auch im mitteleuropäischen Raum eine Ausnahme dar. Verlegt wird die "Sport" vom Schweizer Ringier-Verlag, der unter anderem auch die meistgelesene tschechische Zeitung, das Boulevardblatt "Blesk" herausgibt.

"Sport"-Chefredakteur Zbysek Pechr leitet die Redaktion seit fünf Jahren. Er sagt:

"Die Tageszeitung Sport ist eine der ältesten Zeitungen auf dem tschechischen Markt. Sie ist erstmals im Jahr 1953 erschienen, das heißt, dass wir vor einiger Zeit unser fünfzigjähriges Bestehen feierten. Zunächst erschien die Zeitung - damals unter der Bezeichnung Ceskoslovensky sport, also Tschechoslowakischer Sport - dreimal in der Woche, dann sechsmal und vor zwei Jahren haben wir auch eine Sonntagsausgabe eingeführt. Im Schnitt werden von der Auflage täglich 68 000 Stück verkauft, und die Zahl der Leser liegt laut der unabhängigen Medienanalyse Mediaprojekt bei fast 300 000 täglich."

Welche Auswirkungen, falls überhaupt, haben sportliche Großereignisse wie die Olympischen Spiele und Weltmeisterschaften im Fußball oder Eishockey auf die Leserzahlen? Wie stark hängt das Interesse der Leser auch von den Erfolgen der tschechischen Sportler bei solchen Veranstaltungen ab? Zbysek Pechr:

"Alle großen Sportereignisse schlagen sich ganz maßgeblich im Verkauf der Auflage unserer Zeitung nieder. Je größer die Erfolge von tschechischen Mannschaften sind, desto besser verkaufen wir. Alles andere zählt nicht oder nur sehr wenig. Die größte Anziehungskraft für die Leser haben Fußball und Eishockey. Während der vor kurzem zu Ende gegangenen Eishockey-WM, bei der die tschechische Mannschaft nicht sehr gut spielte, machte sich das gleich bemerkbar. Seitdem die Zeitung Sport vom Ringier-Konzern verlegt wird, konnten zweimal absolute Spitzenwerte bei den Verkaufszahlen ermittelt werden. Das waren zum einen 135 000 verkaufte Exemplare, und zwar nach dem Gewinn des Weltmeistertitels im Eishockey bei der WM in Wien vor zwei Jahren. Das zweitbeste Ergebnis waren 130 000 verkaufte Exemplare nach dem Viertelfinalspiel der tschechischen Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Portugal sowie dem Sieg über Dänemark bei derselben EM im Jahr 2004. Läuft es also bei den tschechischen Teams schlecht, müssen wir dafür wirtschaftlich gerade stehen. Weil der Unterschied in der verkauften Auflage, je nach Erfolg der tschechischen Mannschaften, bis zu fünfzig Prozent betragen kann."

Wie kann gerade ein auf Sport ausgerichtetes Printmedium der wachsenden Konkurrenz von Seiten der elektronischen Medien und des Internet trotzen? Informationen - gerade aus dem Sport - gelangen ja schließlich immer schneller zu den Interessierten. Dazu sagt Pechr:

"Was die Geschwindigkeit angeht, kann natürlich kein Printmedium dem Internet konkurrieren, weil wir eigentlich auf unseren Seiten genau genommen immer nur die Nachrichten von gestern bringen. Ideal ist es natürlich, wenn eine Zeitung gleichzeitig auch ein umfassendes Internetangebot hat, das die aktuellsten Entwicklungen vermittelt, und wenn diese Seiten auf irgendeine Weise mit der eigentlichen Zeitung verknüpft sind und das Gleiche auch umgekehrt funktioniert. Gerade bei einer Sportzeitung ist dieser Aspekt besonders wichtig, weil unsere Berichterstattung eben auf Ergebnissen basiert. Wenn aber jemand diese Ergebnisse unmittelbar nach Spielende schon im Internet findet, dann kommen wir mit unserem Bericht einfach zu spät. Deshalb haben wir auch die Struktur unserer Zeitung ändern müssen und setzten nun den Akzent auch verstärkt auf tief gehende Analysen, die im Internet noch nicht zu finden sind."

Seit Jahren wird immer wieder das angeblich geringe Niveau bei den Journalisten in den klassischen Medien Tschechiens beklagt. Wie ist das bei der Sportberichterstattung? Wie schwierig ist es, gute Sportjournalisten in die Redaktion zu bekommen und sie dann auch zu halten? Dazu meint Zbysek Pechr:

"Sportzeitungen haben es genauso schwer wie die herkömmlichen Printmedien. Die Lage auf dem Journalisten-Markt in Tschechien ist katastrophal. Einen gut qualifizierten Journalisten zu bekommen, gleicht praktisch einem Wunder. Man darf auch nicht vergessen, dass die Arbeit eines Journalisten zwar mehrere attraktive Momente mit sich bringt, aber gleichzeitig auch sehr zeitaufwändig ist. Für Sportjournalisten gilt das ganz besonders, weil die meisten sportlichen Ereignisse am Wochenende stattfinden und es somit praktisch keine freien Wochenenden gibt. Viele sind heute nicht mehr bereit, auch für gutes Geld ihre Freizeit für den Beruf zu opfern."

Die Zeitung "Sport" hatte maßgeblichen Anteil an der Aufdeckung der großen Korruptionsaffäre im tschechischen Fußball vor gut drei Jahren. Hat diese Angelegenheit im Nachhinein der Zeitung geholfen und ihr etwa neue Leser gebracht? Dazu abschließend noch einmal der Chefredakteur von "Sport", Zbysek Pechr:

"Natürlich freut es mich, wenn man über uns Bescheid weiß und die Leser in uns die Speerspitze irgendeiner Bewegung sehen, wie das gerade bei der Korruptionsaffäre zutrifft. Unserer Zeitung haben diese Enthüllungen aus wirtschaftlicher Sicht praktisch nichts gebracht. Wir sind damals das Korruptionsthema sehr offensiv angegangen und haben eine erfolgreiche Unterschriftenaktion gestartet, um den Rücktritt jener Verantwortlichen zu erreichen, die in die Affäre am stärksten involviert waren. Es lässt sich aber nicht sagen, dass das unsere Verkaufszahlen verbessert hätte. Im Gegenteil. Wir hatten dann im Folgejahr mit gewissen negativen Konsequenzen zu kämpfen, weil die Leute kein Vertrauen mehr in die Fußballliga hatten. Alles, was mit Fußball zu tun hatte, stieß auf einmal auf ein wesentlich geringeres Echo. Nach jedem Spieltag gingen unsere Verkaufszahlen weiter zurück. Das war absurd: Von allen Seiten wurde uns auf die Schultern geklopft, wie gut wir das doch gemacht und dass wir der Zeitung geholfen hätten. Aber in Wahrheit und aus wirtschaftlicher Sicht hat uns das gar nichts gebracht."