Eishockey-WM: Allseits unterschätzte Tschechen holen Silber

Alois Hadamczik mit Zbynek Michalek und Tomas Kaberle (Foto: CTK)

Das Sportjahr 2006 ist voller Höhepunkte, so dass selbst eingefleischte Fans entscheiden müssen, ob sie bei allen Topveranstaltungen live dabei sein wollen oder nicht. Die tschechischen Eishockeyanhänger hatten bereits vor der diesjährigen Weltmeisterschaft entschieden: Nach dem glanzlosen Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Turin wird die mit 15 Neulingen zur WM gereiste Landesauswahl in Riga keinen Blumentopf gewinnen. Umso erfreulicher ist daher die Tatsache, dass die Schützlinge von Auswahltrainer Alois Hadamczik jetzt mit der WM-Silbermedaille nach Hause kommen. Lothar Martin berichtet.

Alois Hadamczik mit Zbynek Michalek und Tomas Kaberle  (Foto: CTK)
Zwei Topevents in einem Jahr - das ist in unserer hektischen und von Ereignissen nur so voll gepumpten Zeit mithin eine Aktion zuviel. Das sagten sich auch mehrere gestandene Vertreter der tschechische Eishockeyelite, die Nationaltrainer Alois Hadamczik vor der WM in Riga eine Absage nach der anderen erteilten. Zum einen wegen langwieriger oder in der nordamerikanischen NHL gerade erlittener Verletzungen (z. B. Jagr), wegen nicht auskurierter Blessuren oder aber mit der Begründung, von einer Kräfte zehrenden Saison ausgelaugt und demotiviert zu sein. Daher machte Hadamczik - wie heißt es doch so schön: aus der Not eine Tugend, und leitete mit der Nominierung vieler jüngerer und unbekannter Spieler den längst überfälligen Generationswechsel ein. Um Kapitän David Vyborny und Superverteidiger Tomas Kaberle, die zu den wenigen Routiniers gehörten, scharte er eine Truppe von insgesamt 15 WM-Neulingen, von denen allerdings nur 13 zum Einsatz kamen. Und sie schlugen sich prächtig, wie Michalek und Krajicek in der Verteidigung, oder Bulis, Erat, Irgl und Plekanec in den Angriffsreihen. In der Vor- und Zwischenrunde unterlagen die Vyborny & Co. lediglich den USA mit 1:3, im Viertel- und Halbfinale aber setzten sie sich mit hervorragenden Leistungen gegen den Favoriten Russland und gegen die ambitionierten Finnen durch. Erst im Endspiel erwies sich Schweden als zu stark für das junge Tschechien-Team, was dann auch Stürmer Jan Bulis eingestand:

Martin Erat und Niklas Kronwall  (Foto: CTK)
"Ich denke, dass wir ganz gut begonnen haben. Die ersten zehn Minuten waren wir ein ebenbürtiger Gegner, aber als wir dann zwei etwas unglückliche Tore innerhalb einer Minute erhalten haben, sind wir psychisch etwas eingeknickt. Und danach ist auch rein gar nichts mehr für uns gelaufen - kaum ein Puck fiel uns mehr direkt auf den Schläger, wir fanden einfach kein Mittel gegen die Schweden."

Nach der von etwas Enttäuschung geprägten Spielanalyse wusste sich aber auch Bulis schon wieder zu freuen und das Erreichte richtig einzuordnen:

"Wir müssen mit der Silbermedaille wirklich zufrieden sein und nicht an das verlorene Gold denken, denn die Schweden hatten das klar bessere Team. Aber wie ich schon sagte: Wir waren im Finale, auch wenn uns dort nichts mehr gelungen ist."

Gelungen aber ist wohl der vor der WM so oft diskutierte Generationswechsel im tschechischen Auswahlteam. Und so scheiden die Fans aus Böhmen und Mähren mit der Gewissheit von diesem Championat, dass ihre Lieblinge auch in Zukunft mit tollen Spielern zu den Höhepunkten antreten werden.

Autor: Lothar Martin
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