Die „Banane“ muss aufs Abstellgleis: Tschechische Bahnen mustern legendäre Lokomotive aus

Lokomotive 151 'Banane'

Fast ein halbes Jahrhundert lang verkehren die legendären Lokomotiven der früheren Tschechoslowakischen Staatsbahnen mit dem Spitznamen „Banán“ (Banane) schon auf den Gleisen hierzulande. Doch sie werden jetzt aussortiert und ersetzt.

Lokomotive 151 'Banane' | Foto: Petr Sporer

Jaroslav Mareš fährt den Zug auf den Prager Hauptbahnhof. Er steuert eine Lokomotive der Baureihe 151 der Tschechischen Bahnen (ČD). Sie ist eine der letzten ihrer Art, die noch in Betrieb sind. Schon längst dominieren auch bei diesen Loks die heutigen Farben der hiesigen Bahnen, blau und weiß. Früher war der Anstrich jedoch beige und grün – deswegen erhielten diese Lokomotiven den Spitznamen „Banán“, auf Deutsch Banane.

Die Fahrt geht nach Děčín in Nordböhmen. Am Freitag wird der Zug auf dieser Strecke zum letzten Mal regulär von einer „Banán“ gezogen. Danach sind die Lokomotiven vom Typ 151 und dem verwandten Typ 150.2 nur noch aushilfsweise im Einsatz. Auf der Strecke erläutert Lokführer Mareš das Besondere an diesen Maschinen…

„Sie haben ein einzigartiges Aussehen – so ähnlich wie die Baureihe 350, die Gorilla genannt wird. Auch der Ton der Lokpfeife ist ein Unikum, deswegen hatten diese Lokomotiven noch einen weiteren Spitznamen, und zwar ‚Ratten‘. Vor allem aber hat ihre Leistungskraft sie ausgezeichnet. Diese liegt bei 4000 Kilowatt, sie war für damals eine richtig kräftige Lok“, so der Eisenbahner.

Die Lokomotive 151.023 ist für das Eisenbahnmuseum Lužná u Rakovníka bestimmt,  im Hintergrund 151.014 | Foto: Hana Slavická,  Radio Prague International

Ursprünglich hieß diese Baureihe E 499.2 und wurde ab 1978 in den Škoda-Werken in Plzeň / Pilsen gefertigt. Zehn Jahre später änderte sich die Bezeichnung in 150, ab 1996 wurde dann die modernisierte Variante 151 fabriziert.

Jaroslav Mareš liebt diese Maschinen auch, weil er im Führerstand noch sein eigener Herr sein kann – und nicht nur einen Computer bedient. Deswegen werde er seiner 151 auch ein bisschen hinterhertrauern, meint er:

„Das wird sicher so sein, denn es macht mir Spaß, mit dieser Lok zu fahren. Aber es kommen dann andere Baureihen, die andere Erfahrungen und Möglichkeiten bieten.“

Auf seiner Strecke sollen die jüngeren Lokomotiven vom Typ 162 zum Einsatz kommen, wie das Fachportal Zdopravy.cz vor zwei Wochen berichtete.

Langsamere Version von „Banane“,  Lokomotive 150.224 | Foto: Hana Slavická,  Radio Prague International

Die Gleichstromlokomotiven E 499.2 wurden von den Tschechoslowakischen Staatsbahnen vor allem für die Strecke zwischen der Hauptstadt und dem Osten des Landes konzipiert. Das heißt, sie zogen Schnell- und Eilzüge auf der Trasse von Prag durch Mähren nach Košice und Čierná nad Tisou in der Slowakei, das war damals die Grenze zur Sowjetunion.

„Die Züge waren damals bis zu 600 Tonnen schwer und hatten mehr als zwölf Waggons. Auf der Strecke sind zudem einige Bergrampen, die überwunden werden müssen. Deswegen brauchte es eine für die damalige Zeit sehr leistungsstarke Lokomotive“, sagt Petr Šťahlavský, Sprecher der Tschechischen Bahnen.

Insgesamt haben die Loks der Baureihen 150 und 151 mehr als 216 Millionen Kilometer zurückgelegt, wie der Beförderer ausgerechnet hat. Einige Kilometer könnten wohl auch noch hinzukommen, obwohl die „Bananen“ offiziell ausrangiert werden.

Die in Deutschland als Elbtalheizung 371.005 bezeichnete Lokomotive in der Lackierung der ursprünglichen Lokomotiven der Baureihe 372,  nachdem die Geschwindigkeit auf 160 km/h erhöht wurde | Foto: Hana Slavická,  Radio Prague International

„Die Lokomotiven bleiben nämlich vorerst in Bereitschaft, also als Reserve im Depot. In Zukunft wollen wir sie aber zum Verkauf anbieten. Sollte sich aber kein Interessent finden, der diese Maschinen erwerben und modernisieren oder sonst irgendwie nutzen will, dann werden sie verschrottet“, verrät Šťahlavský.

Eine Lok der Baureihe 151 im ursprünglichen beige-grünen Gewand wird aber in jedem Fall erhalten. Sie kommt ins Eisenbahnmuseum in Lužná bei Rakovník in Mittelböhmen.

Das Museum der Tschechischen Bahnen (Muzeum Českých drah) in Lužná u Rakovníka hat derzeit noch Winterpause. Seine Pforten öffnet es erst wieder am 5. April.

Autoren: Till Janzer , Jakub Vik | Quellen: Český rozhlas , Zdopravy.cz
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