Die „Brillenschlange“ fährt weiter: Tschechische Bahnen modernisieren Dieselloks der Baureihe 754
Diesellokomotiven haben auf den Schienen in Tschechien noch nicht ausgedient. Die Tschechischen Bahnen (ČD) wollen bis zu 30 Fahrzeuge der Baureihe 754 aus den späten 1970er Jahren modernisieren.
Das charakteristische Aussehen des Führerstandes, bei dem die Frontfenster im oberen Teil etwas aus der Karosserie hervorlugen, hat der Lokomotive den Spitznahmen „Brejlovec“ verliehen. Auf Deutsch spricht man zumeist von der „Brillenschlange“ beziehungsweise der „Taucherbrille“. Der Lokführer Jiří Novák fährt die Lok in der Region rund um Prag:
„Es handelt sich um eine ikonische Lokomotivserie, mit der der motorisierte Betrieb bei den Tschechoslowakischen Eisenbahnen eingeführt wurde. Da die Züge mit einer elektrischen Heizung ausgestattet waren, wurden sie auf prestigeträchtigen Strecken wie etwa den Schnellzuglinien von Prag nach Děčín oder von Prag über Beroun nach Pilsen eingesetzt. Die Fahrzeuge dieser Reihe waren mehr als 40 Jahre lang im Einsatz.“
Die von Jiří Novák gesteuerte Lokomotive ist in Bezug auf den Motor und den Maschinenraum fast die gleiche wie vor 45 Jahren. Nur die Bedienung sei moderner und setze auf Elektronik, ergänzt er.
Die Tschechischen Bahnen haben nun eine öffentliche Ausschreibung für die Modernisierung der Diesellokomotiven der Baureihe 754 veröffentlicht. Filip Medelský ist Sprecher der Bahnen:
„Wir haben eine Marktanalyse durchgeführt und sind zu dem Schluss gekommen, dass es hinsichtlich des Zeit- und Kostenaufwands am günstigsten ist, die Reihe 754 zu sanieren und gründlich zu modernisieren. Wir müssen damit rechnen, dass es in Tschechien in Zukunft manche nicht elektrifizierte Strecken geben wird. Zudem kommen die Loks beim Ersatzverkehr zum Einsatz. Daher brauchen wir immer noch eine gewisse Zahl an Diesellokomotiven.“
Die Lokomotiven der Reihe 754 befördern derzeit beispielsweise Schnellzüge von Veselí nad Lužnicí nach České Velenice in Südböhmen, von Hradec Králové nach Trutnov am Fuße des Riesengebirges, von Klatovy nach Železná Ruda im Böhmerwald sowie Ausflugszüge in der Umgebung Prags. Künftig sollen die Loks neben den Strecken laut Fahrplan auch bei außergewöhnlichen Ereignissen eingesetzt werden, zum Beispiel bei Oberleitungsstörungen oder bei geplanten Spannungsausfällen.
Der voraussichtliche Auftragswert für die Modernisierung beträgt 3.162.500.000 Kronen (127,5 Millionen Euro). Medelský erläutert:
„Da es sich um eine relativ niedrige Fahrzeugzahl handelt – der Rahmenvertrag geht von mindestens zehn und höchstens dreißig Lokomotiven aus –, haben wir uns entschieden, den Weg der Modernisierung zu gehen und nicht bei den Herstellern nach neuen Diesel- beziehungsweise dualbetriebenen Lokomotiven zu suchen.“
Man müsse in Betracht ziehen, dass die Loks einer totalen Modernisierung unterzogen und recht viele Teile ausgetauscht würden. Der Preis entspreche also dem Umfang der Arbeit, betont der Sprecher. Im Rahmen der Renovierung werden alle Lokomotiven auch mit dem Zugsicherungssystem ETCS ausgestattet.







