Star des English National Ballet: Daria Klimentová ist Fotografin und Tanzpädagogin

Daria Klimentová

Die berühmteste tschechische Primaballerina, Daria Klimentová, ist derzeit weltweit als Tanzpädagogin und Fotografin tätig. Martina Schneibergová traf die international anerkannte Balletttänzerin vor kurzem während des Festivals „Smetanova Litomyšl“.

Daria Klimentová und Marek Šulc | Foto: František Renza,  Festival Smetanas Litomyšl

Giselle, Prinzessin Aurora, Julia, Manon – Daria  Klimentová hat vermutlich alle Rollen getanzt, von denen Balletttänzerinnen träumen. Den Großteil ihrer Karriere verbrachte sie als Principal Dancer beim English National Ballet. Derzeit ist sie als Tanzpädagogin und Fotografin tätig. Vor dem diesjährigen Festival „Smetanova Litomyšl“ (Smetanas Litomyšl) wurde die international anerkannte Primaballerina von den Veranstaltern angesprochen, um eine Ballett-Gala mitzuorganisieren. Eine solche Gala gab es überhaupt zum ersten Mal bei den Festspielen. Und wie sich zeigte, war sie ein Volltreffer. Daria Klimentová gelang es, einige der größten Ballettstars der Welt nach Litomyšl zu bringen – unter ihnen waren Tänzer vom Royal Ballet in London, vom Stuttgarter Ballett sowie vom Münchner Staatsballett. Sie übernahm zudem die Regie des Abends. Und das Publikum war begeistert.

Die hellsten Ballettstars der Welt in Litomyšl | Foto: František Renza,  Festival Smetanas Litomyšl

Vom Programm für Litomyšl habe sie zuvor schon eine Vorstellung gehabt, sagte Klimentová noch vor der Gala gegenüber Radio Prag International und merkte an:

Daria Klimentová | Foto: Archiv von Martina Schneibergová,  Radio Prague International

„Ich habe jedoch den Tänzern auch ein wenig freie Hand gelassen, was das Programm betrifft. Man kann sie nicht zwingen, eine Rolle zu tanzen, in der sie sich nicht wohl fühlen oder die sie sogar noch nie aufgeführt haben. Das Programm habe ich gemeinsam mit Marek Schulz zusammengestellt, er ist künstlerischer Leiter des Festivals. Wir hatten die Idee, die Leidenschaft als Thema zu wählen. Und diesem Thema entsprechen Rollen wie der schwarze Schwan, Scheherazade oder Manon. Es wird auch ein Ausschnitt aus Onegin aufgeführt, der herrlich ist.“

Daria Klimentová kennt die meisten Tänzer, die nach Litomyšl kamen, persönlich. Mit vier von ihnen sei sie selbst in der Vergangenheit auf der Bühne gewesen, verriet sie.

„Einer meiner beliebtesten Tanzpartner war Friedemann (Friedemann Vogel vom Stuttgarter Ballett, Anm. d. Red.). Natürlich habe ich auch gerne mit Vadim Muntagirov getanzt. Wir hatten auf der Bühne eine sehr gute Beziehung. Ich war Friedemanns erste Manon (in MacMillans Ballett ,L‘Histoire de Manon‘, Anm. d. Red.). Als Des Grieux ist er fantastisch, denn er ist sehr emotional.“

Daria Klimentová kann auf eine sehr erfolgreiche internationale Karriere zurückblicken. Als Kind machte sie Sportgymnastik, die Trainerin erkannte ihre Tanzbegabung und empfahl ihr damals, zum Ballett zu wechseln. Sie habe auf dem Prager Konservatorium studiert, erzählt sie.

„Mein Traum war das Nationaltheater. Dort wurde ich aufgenommen, und dank Vlastimil Harapes (der damalige Ballettchef, Anm. d. Red.) bekam ich gleich einen Solistenvertrag und tanzte die Hauptrollen. Ich denke, dass ich sie nicht ganz perfekt umgesetzt habe, aber wenn man die Rollen tanzt, lernt man damit am meisten. Dann bin ich zum internationalen Wettbewerb nach Pretoria gereist. Diesen gewann ich, und anschließend lud mich Veronica Paeper nach Kapstadt ein. Sie leitete das Cape Town City Ballet. Das war damals eine große Gelegenheit. Ich dachte, ich würde Englisch lernen, ein Jahr lang in Kapstadt bleiben und danach ans Prager Nationaltheater zurückkehren. Damals kam es jedoch dazu nicht, weil ich auf weitere Ensembles neugierig war.“

Klimentová bekam anschließend eine Einladung des Scottish Ballet. Dessen Chefin Galina Samsova habe ihr versprochen, dass sie Anna Karenina tanzen werde – aber nicht nur das...

„Danach erhielt ich eine weitere Einladung – vom English National Ballet in London. Dieses wurde für mich, würde ich sagen, zu meinem Zuhause.“

„Hinzu kam auch die Hauptrolle in Schwanensee, das ich zu der Zeit noch nicht tanzte. Ich war drei Jahre lang beim Schottischen Ballett und habe alle diese Rollen getanzt. Danach erhielt ich eine weitere Einladung – vom English National Ballet in London. Dieses wurde für mich, würde ich sagen, zu meinem Zuhause.“

18 Jahre lang blieb Daria Klimentová dem Londoner Ensemble treu. Anschließend unterrichtete sie fast zehn Jahre lang an der Royal Ballet School in London.

„Dort ist es schön. Wir waren mit dem Ensemble des Royal Ballet and Opera eng verbunden. Ich habe die Studenten des letzten Jahrgangs unterrichtet. Sie werden dort ,Preprofessionals‘ genannt, denn ich habe sie für das Ensemble vorbereitet.“

Seit 23 Jahren ist Daria Klimentová Direktorin der International Ballet Master Classes in Prag. In den ersten 20 Jahren wurden die Kurse für Tänzer ab 16 Jahre angeboten. Das Interesse war laut Klimentová jedoch so groß, dass sie seit ein paar Jahren auch Master Classes für Tänzer im Alter von 13 bis 15 Jahre anbiete.

„Seitdem ich in der Royal Ballet School aufgehört habe, habe ich mehr Zeit als zuvor. Ich habe erreicht, dass wir inzwischen die Master Classes in Mailand und Tokio durchführen, und wir wollen sie auch in Budapest organisieren. Das finde ich super.“

Auf die Frage nach ihrer Lieblingsrolle antwortet Daria Klimentová, es habe gleich einige gegeben.

„Die Rolle, in die ich erst hineinwachsen musste, war die der Julia. Zunächst war sie nicht meine Herzensrolle, das kam erst viel später. Es kommt sehr darauf an, mit wem man Julia tanzt.“

„Ich denke, meine Lieblingsrolle war Manon (MacMillans Ballett ,L‘Histoire de Manon‘, Anm. d. Red.). Denn mit dieser Rolle kann man spielen: In einer Vorstellung kann man die Partie so tanzen, in der nächsten Vorstellung kann man sie völlig unterschiedlich darstellen. Die Rolle, in die ich erst hineinwachsen musste, war die der Julia. Ich habe sie zwar das ganze Leben lang getanzt, aber sie war zunächst nicht meine Herzensrolle. Das kam erst viel später. Es kommt sehr darauf an, mit wem man Julia tanzt. Ich habe sie zusammen mit Vadim Muntagirov getanzt. Es war die Choreografie von Rudolf Nurejew, dann auch von Derek Deane. Mir gefiel Nurejews Choreografie sehr, die Pas de deux sind jedoch sehr anspruchsvoll. Nurejew hat die Choreografie für sich selbst kreiert. Für den Tänzer ist sie schwer, aber mir gefällt sie. Ich war fast 40 Jahre alt, als ich endlich begann, die Rolle richtig zu erleben.“

Zu ihren beliebtesten Tanzpartnern gehörten, wie Klimentová erzählt, Vadim Muntagirov, der Principal Dancer beim Royal Ballet in London ist, und Friedemann Vogel vom Stuttgarter Ballett. Zusammen mit Vogel tanzte sie nur in den drei Jahren, als sie beim Scottish Ballet war, und er dort gastierte. Mit Muntagirov war sie erst viel später beim English National Ballet regelmäßig gemeinsam auf der Bühne.

Daria Klimentová und Vadim Muntagirov | Foto: Jiří Hošek,  Tschechischer Rundfunk

„Ich dachte damals daran, allmählich die Ballettkarriere zu beenden. Dann kam jedoch Vadim, der Mitglied des Ensembles geworden war. Er ist so gesprungen und hat Pirouetten gedreht. Dies verlieh mir so viel Energie, dass ich das Gefühl hatte, dass ich das auch schaffen kann. Ich akzeptierte jede Vorstellung, die mir angeboten wurde, mit dem Gedanken, dass es vielleicht meine letzte Vorstellung sein wird. Ich ging auf die Bühne, und mir war egal, was morgen sein wird. Wichtig war, was gerade jetzt passiert. Das ist das schönste Gefühl.“

Daria Klimentová hat selbst auch erlebt, dass sie von ihrem Ballettpartner auf der Bühne in einer Situation gerettet wurde:

„Das Fotografieren macht mir viel Spaß. Ich fotografiere die Tänzer hinter den Kulissen.“

„Ich tanzte  mit Friedemann in der Royal Albert Hall in der Vorstellung ,Gershwin‘. Er stand auf der Bühne, ich sollte laufen und ihm in die Arme springen. Und ich rannte und rannte und rutschte aus. Er hob mich sofort auf, sodass es niemand erkannte. Ich habe sogar eine Videoaufnahme davon.“

Daria Klimentová ist ebenso Fotografin. Sie habe schon viele Ausstellungen gehabt, sagt sie.

„Ich weiß nicht mehr, wie viele Ausstellungen ich inzwischen hatte. Auch in der Royal Albert Hall wurden meine Fotos gezeigt. Das Fotografieren macht mir viel Spaß. Ich fotografiere Tänzer, fotografiere sie hinter den Kulissen. Gern fotografiere ich Körper. Ich habe eine Sammlung von Fotografien von schwangeren Tänzerinnen. Die Fotos habe ich nie ausgestellt. Viele Fotografen, die Ballett fotografieren, sind ehemalige Tänzer. Denn sie wissen, in welchem Moment sie beispielsweise bei einem Sprung das Foto schießen sollten. Natürlich muss der Fotograf auch seine Kamera gut kennen.“

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