Tschechische Wissenschaftler entwickeln Kernreaktor für Raumfahrt und Marsbesiedelung

Mikroreaktor RAVEN

Mehrere Wissenschaftler forschen derzeit in Tschechien an einem neuen Atomreaktor. Er soll sowohl ein Raumschiff mit Energie versorgen können als auch eine Mond- oder Marsbasis.

Martin Ševeček von der Fakultät für Kern- und Physikingenieurwesen der Technischen Universität Prag | Foto: ČVUT

Martin Ševeček hat Großes vor. Der Wissenschaftler von der Fakultät für Nuklear- und Physik-Technik der Technischen Universität ČVUT in Prag entwickelt einen Kernreaktor, der künftig im Weltall zum Einsatz kommen soll. An dem Forschungsprojekt sind auch die Unternehmen Stellar Nuclear und UJP Praha beteiligt. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks erläuterte Ševeček, inwiefern die Entwicklung wegweisend ist:

„Die Innovation ist, dass wir zwei getrennte Reaktoren in einem vereinigen. Er soll universell einsetzbar sein – sowohl für den Antrieb eines Raumschiffs, als auch für den Betrieb einer Basis auf der Oberfläche eines Himmelskörpers.“

Foto: ČVUT

Der Prototyp, an dem die Entwickler gerade tüfteln, trägt den Namen Raven. Nicht nur die widrigen Bedingungen im Weltraum seien eine Herausforderung bei dem Bau, meint Ševeček:

„Ein Problem ist auch, dass wir für zwei komplett unterschiedliche Umgebungen planen müssen. Der Mars hat eine Atmosphäre, und es gibt dort viel Staub. Im Weltraum ist das anders. Wir müssen den Reaktor auf beide Fälle vorbereiten, und das macht die Planung gegenüber anderen Lösungen wesentlich komplizierter.“

Der Reaktor soll laut dem Wissenschaftler erst nach dem Verlassen der Umlaufbahn der Erde gestartet werden. Innovativ ist das kleine Kraftwerk aber nicht nur wegen seiner doppelten Verwendung als Raketenantrieb und Energiequelle auf dem Mars oder dem Mond. Der verwendete Brennstoff soll zudem besonders effektiv und sicher sein:

„Wir nennen den Brennstoff Trikarbid. Er ist porös, wie ein Abwaschschwamm, damit das Kühlgas hindurchfließen kann. Als Grundstoff verwenden wir Uran, allerdings in Form eines Karbids. Dadurch wird eine höhere Wärmeleitfähigkeit erzielt.“

Der Planet Mars im Planetarium Prag | Foto: Hana Řeháková,  Radio Prague International

Der rund einen mal einen Meter große Reaktor soll mehrere Megawatt Strom liefern, was laut Ševeček zwar keine sehr große Menge, für die Ansprüche einer außerirdischen Basis jedoch ausreichend sei. Allerdings gibt es hinsichtlich einer Besiedelung des Mondes derzeit ein wahres Wettrennen. Denn Medienberichten zufolge plant die US-Raumfahrtbehörde Nasa, bis 2030 dort einen Atomreaktor in Betrieb nehmen zu wollen. Zuvor hatten China und Russland ähnliche Ziele ausgerufen. Martin Ševeček sagt dazu:

„Im weltweiten Vergleich sind China und die USA in der Entwicklung am weitesten. In Amerika wurde vor einigen Jahren im Bundesstaat Idaho bereits ein ähnlicher Reaktor in Betrieb genommen. Er lief zwei Tage lang im Testbetrieb. Europa hingegen hängt hinterher und hat die Entwicklung verschlafen. Mit unserem Projekt wollen wir ein Teil des Wettlaufs werden und nicht bloß Zuschauer bleiben.“

Auf dem Mond könnten Forschungsprojekte und eine Siedlung rein theoretisch zwar auch mit Solarenergie betrieben werden. Da die Sonne dort jedoch stets für 14 Tage untergeht, ist diese Art der Energieversorgung Experten zufolge kaum praktikabel. Stattdessen gilt die Stromerzeugung mit Atomkraft als einzige verlässliche Möglichkeit. Bis dies mit dem tschechischen Reaktor Raven möglich sein wird, wird es – wenn überhaupt – aber noch sehr lange dauern. Denn der Prototyp soll erst in mehreren Jahren fertiggestellt werden.

Autor: Ferdinand Hauser | Quelle: Český rozhlas
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