Eisenbahnmuseum in Lužná mistet aus – und soll in einen Stiftungsfonds überführt werden
Über 400 Lokomotiven und Waggons hat das tschechische Eisenbahnmuseum in seinen Sammlungen. Doch die Pflege der alten Technik ist kostspielig. Deswegen sollen zahlreiche Stücke verkauft und ein Stiftungsfonds geschaffen werden.
Im Museum der Tschechischen Bahnen (ČD) in Lužná bei Rakovník wird derzeit eine alte Dampflok restauriert. Es handelt sich um eine Schnellzug-Schlepptenderlokomotive der Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD) mit der Seriennummer 365.024. Sie stammt von Anfang der 1920er Jahre. Zunächst wurde an ihr im Dampflokwerk Meiningen in Deutschland gearbeitet. Die Endfertigung läuft nun gerade in Tschechien.
„Wir würden gerne mit dieser Lokomotive spätestens zu Beginn der kommenden Saison ausfahren. Und das nach schwierigen und langwierigen Restaurierungsarbeiten. Es handelt sich um die erste tschechoslowakische Dampflokkonstruktion. Sie stammt vom Ingenieur Vojtěch Kryšpín, der sich später auch daran beteiligt hat, dass die Seriennummern für Lokomotiven hierzulande eingeführt wurden“, sagt Marek Plochý, der Leiter des tschechischen Eisenbahnmuseums.
Doch der Erhalt der historischen Technik ist teuer. Insgesamt 430 Stücke befinden sich im Depot des Museums.
„Wir haben in unseren Sammlungen Dampf- und Elektroloks, Triebwagen, Begleitwagen oder auch Kranwagen. Aber schon seit langem lässt sich dieser Bestand nicht mehr richtig erhalten. Deswegen reduzieren wir unseren Fuhrpark. Dafür werden die Loks und Waggons vorrangig zum Kauf oder zur langfristigen Leihe angeboten. In Ausnahmefällen haben wir aber auch schon verschrottet – wenn das betreffende Stück in einem sehr schlechten technischen Zustand war und praktisch komplett neu hätte zusammengesetzt werden müssen“, so Plochý.
Mehrere Dutzend alte Waggons möchte das Museum abstoßen. Dazu gehören unter anderem einige historische Beiwagen, die ab 1937 in den Ringhoffer-Werken in Prag hergestellt wurden und nach ihrem Konstrukteur Jindřich Rybák benannt sind.
Außerdem soll das Eisenbahnmuseum im kommenden Jahr in einen Stiftungsfonds überführt werden. Als Vorbild dient die Schweiz mit der „Stiftung Historisches Erbe der SBB“. Und weiter Bahnsprecher Filip Medelský:
„All die historischen Waggons und Lokomotiven sind Eigentum der Tschechischen Bahnen. Das heißt, dass wir keine externen Geldgeber anwerben können. Außerdem müssen sich die Bahnen auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, also die Beförderung von Reisenden. Und dabei bewegen wir uns auf einem durch private Anbieter höchst umkämpften Markt.“
Bisher gehört das Museum zur Abteilung ČD Nostalgie des staatlichen tschechischen Bahnanbieters. Durch die Stiftung würde möglich, auch private Investoren für den Erhalt der historischen Eisenbahntechnik heranzuziehen – oder etwa öffentliche Subventionen.
„Die Tschechischen Bahnen haben den Betrieb von ČD Nostalgie bisher mit einer Kronensumme im höheren zweistelligen Millionenbereich pro Jahr ermöglicht. Das Ziel ist jetzt, durch diese neue Möglichkeit weitere Geldgeber heranzuziehen, sodass die Finanzierung nicht mehr allein bei den Bahnen liegt“, erläutert Medelský.
Außer dem Museum in Lužná verfügen auch noch das Technikmuseum in Prag sowie zahlreiche private Sammler über historische Lokomotiven und Waggons. Laut dem Bahnsprecher ist die hiesige Szene europaweit eine der aktivsten. Zudem weist er auf die zahlreichen Veranstaltungen hin, die ČD Nostalgie ausrichtet:
„Wir veranstalten traditionell viele Aktionen für die Öffentlichkeit. So etwa eine große Zahl an Nostalgiefahrten, die in anderen Ländern wie zum Beispiel Österreich, Polen, Deutschland und auch der Schweiz nicht so gängig sind.“
Allein in den nächsten sechs Tagen, also in der letzten Ferienwoche, bietet ČD Nostalgie sechs Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten Tschechiens an.
Wer des Tschechischen mächtig ist und mehr wissen will, findet weitere Informationen auf der Website www.cdnostalgie.cz.
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