Vor 330 Jahren in Prag: Loreto-Glockenspiel ertönt zum ersten Mal
Mehrmals täglich ertönt im Prager Loreto-Kloster das barocke Glockenspiel. Zum ersten Mal war es am 28. September 1695 zu hören.
Der 28. September ist in Tschechien der Tag des Heiligen Wenzels. Vor 330 Jahren war er der Anlass, im Prager Burgviertel eine neue Attraktion einzuweihen. Das damals installierte Glockenspiel befindet sich in einem achteckigen Turm an der Vorderseite des Loreto-Klosters. Es besteht aus 27 Glocken, die von dem Amsterdamer Meister Claude Fremy gegossen wurden. Sie waren ein Geschenk des reichen Handelsmannes Eberhard von Glauchau an die Stadt Prag. Die Weihung des Glockenspiels wurde zu einem großartigen Ereignis, und die Schirmherrschaft für die erste Glocke übernahm Kaiser Leopold I. höchstpersönlich.
Den Mechanismus der Anlage installierte der Prager Uhrmacher Peter Neumann. Dafür nutzte er das Prinzip einer Metallwalze und von Stiften, die ein automatisches Abspielen der Melodie ermöglichen. Die Glocken können aber auch manuell über eine Klaviatur gespielt werden. Diese umfasst zweieinhalb Oktaven, und sie wird jeden Sonntag sowie an Feiertagen für Live-Aufführungen genutzt.
Loreto – Ein Schatz für Glauben und Kultur
Das barocke Loreto-Kloster umfasst Kreuzgänge, die Kirche Christi Geburt, die Santa Casa sowie die Schatzkammer mit zahlreichen Monstranzen. Sein heutiges Aussehen verlieh ihm die berühmte Baumeisterfamilie Dientzenhofer, die am Umbau im 18. Jahrhundert beteiligt war. Die Pflege des Komplexes obliegt dem Franziskanerorden, der in der Nachbarschaft ein Kloster hat.
Wann ist das Loreto-Glockenspiel zu hören?
- Während der Öffnungszeiten des Klosters (täglich 10 bis 17 Uhr) wird zu jeder vollen Stunde automatisch eine Melodie gespielt.
- Sonntags und an Feiertagen spielt am Nachmittag ein Carilloneur live.
- Zu hören sind bekannte Marienlieder, etwa das tschechische „Tisíckráte pozdravujem tebe“ (Tausendmal stets wollen wir dich grüßen).
Am besten lässt sich das Glockenspiel im Innenhof des Klosters genießen. Dort wurde das Hörerlebnis auch für die Pilger konzipiert. Von außen ist der Klang sanfter, aber dennoch eindrucksvoll.














