Geschichten und Musik des Computerspiels Kingdom Come: Festival in Krumau lädt für 2026 ein

Gabriela Rachidi

Das Musikfestival in Český Krumlov findet zwar erst im nächsten Sommer statt. Die Veranstalter haben das Programm jedoch schon vorige Woche vorgestellt, denn der Kartenverkauf hat bereits begonnen. Martina Schneibergová war dabei.

Die 35. Auflage des Festivals in Český Krumlov / Krumau wird am 17. Juli kommenden Jahres eröffnet. Auf dem Programm stehen während der nachfolgenden vier Wochen insgesamt 42 Konzerte, die an 14 Orten veranstaltet werden. Jedes Jahr hat das Festival ein Motto. Festivaldirektorin Gabriela Rachidi sagte gegenüber Radio Prag International:

Gabriela Rachidi,  Jan Valta und Milan Káňa | Foto: Petra Hajská,  Internationales Musikfestival in Český Krumlov

„Für das nächste Jahr haben wir uns das Motto ,Labyrinth an Geschichten‘ ausgedacht. Warum? Im Schlossgarten gab es früher einige herrliche Labyrinthe. Zudem erinnert die Stadt mit ihren schmalen malerischen Gässchen an ein Labyrinth. Wir werden beim Festival unterschiedliche Geschichten erzählen, vor allem beim Eröffnungsabend mit dem Titel ,Scheherezade – Tausend und eine Nacht‘. Zudem erklingen Kompositionen, die vom literarischen Werk ,Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens‘ von Comenius inspiriert worden sind.“

Eröffnet wird das Festival mit Werken von Nikolai Rimski-Korsakow und Maurice Ravel. Die ägyptische Sopranistin Fatma Said wird Ravels Lieder vortragen. Und die Performer, Akrobaten und Tänzer der Losers Cirque Company beleben dabei das Podium mit ihren Kreationen. Nach dem Konzert wird das Publikum zu einem Spaziergang durch den Schlossgarten eingeladen. Die Festivaldirektorin macht auf weitere Highlights der einzelnen Konzertreihen aufmerksam:

Foto: Petra Hajská,  Internationales Musikfestival in Český Krumlov

„Lukáš Vondráček, der als einer der besten Pianisten der Gegenwart gilt, wird das ikonische Konzert Nr. 2 von Rachmaninow spielen. Von den Kammerensembles möchte ich an das Konzert des Pavel-Haas-Quartetts im Maskensaal des Schlosses erinnern. Und im dortigen Barocktheater führt das Collegium 1704 unter der Leitung von Václav Luks Glucks Oper ,Die Chinesinnen‘ auf. Es gibt mehrere Konzerte in verschiedenen Kirchen, darunter als erstes im Wallfahrtsort Kájov. Das Abschlusskonzert steht im Zeichen von Verdi und Puccini. Dafür kommt die Starsopranistin Danielle de Niese nach Krumau. Sie ist meine Herzensangelegenheit, denn ich bewundere sie seit Jahren und freue mich sehr darüber, dass sie beim Festival auftritt. Und den Tenor Pavel Černoch muss ich nicht näher vorstellen. Er und die Mezzosopranistin Ester Pavlů singen auch beim abschließenden Opernkonzert, und Tomáš Netopil leitet das Prager Symphonieorchester FOK.“

Die Festivalveranstalter haben in den vergangenen Jahren die Zusammenarbeit mit Oberösterreich verstärkt. Gabriela Rachidi erläutert:

„Wir haben den berühmten Knabenchor von St. Florian zum Festival eingeladen, der eine fast tausendjährige Tradition hat. Der Chor wird in einer der Klosterkirchen in Krumau singen.“

Wie die Festivaldirektorin noch verrät, plant sie künftig ein Festivalkonzert des Bruckner Orchesters Linz.

Kirche in Kájov | Foto: Miloš Hlávka,  CC BY-SA 3.0

Die Festivalkonzerte finden im nächsten Sommer an insgesamt 14 Orten statt. Man habe nicht nur die Wallfahrtskirche im nahegelegenen Kájov dafür entdeckt, erzählt Gabriela Rachidi:

„Ein Konzert veranstalten wir diesmal in der psychiatrischen Klinik in Červený Dvůr. Das Gebäude ist ein herrliches Kulturdenkmal mit einem großen Garten. In einem der dortigen Räume, dem ,Morgensalon‘, erklingen Paganinis Sonaten, gespielt vom Konzertmeister der Tschechischen Philharmonie, Jiří Vodička, und dem international anerkannten Gitarristen Pavel Steidl.“

Beim Festival werden drei Werke uraufgeführt. Eines davon schreibe Ondřej Brousek für das Festival, sagt die Direktorin:

Ondřej Brousek | Foto: Elena Horálková,  Tschechischer Rundfunk

„Es ist die Komposition ,Labyrinth‘, sie erklingt beim Konzert von Lukáš Vondráček. Der Jazzpianist Tomáš Kačo, der sehr oft in den USA auftritt, hat des Weiteren eine Komposition für das Orchester Prague Philharmonia geschrieben. Sie wird in Weltpremiere beim Festival aufgeführt. Zudem hat Kačo ein Werk für die koreanische Geigerin Boha Moon verfasst, und auch dieses wird beim Festival seine Premiere erleben.“

Laut Rachidi zieht das Festival nicht nur Musikliebhaber aus Tschechien an. Ihrer Schätzung nach kommen etwa 25 Prozent der Festivalbesucher aus dem Ausland. Am stärksten vertreten seien Deutsche, Österreicher und Slowaken. Die Konzerte würden jedoch auch von vielen US-Amerikanern besucht, ergänzt die Direktorin.


Die Festivalveranstalter haben diesmal auch einen ganz speziellen Konzertabend vorbereitet, bei dem Musik aus dem Computerspiel „Kingdom Come: Deliverance II“ erklingt.

„Beim Festival gab es in der Regel immer ein oder zwei Konzerte mit Musicalmelodien oder mit Filmmusik. Wir haben von dem großen Erfolg des Computerspiels gehört. Die Musik ist wirklich glänzend. Da haben wir uns entschieden, den Festivalbesuchern dieses Erlebnis zu vermitteln.“

Die Musik für das Kingdom Come schrieb Jan Valta. Er ist nicht nur Komponist, sondern auch Geiger und Dirigent. Beim Konzert in Krumau wird er die Brünner Philharmonie und den Chor der Masaryk-Universität aus Brno / Brünn dirigieren. Hier ein Gespräch mit dem Komponisten.

Kingdom Come: Deliverance II | Foto: Warhorse Studios

Herr Valta, wie entstand die Musik für Kingdom Come?

„An der Musik für ‚Kingdom Come: Deliverance II‘ habe ich viereinhalb Jahre lang gearbeitet, weil es wirklich sehr viel Musik ist – mehr als zehn Stunden und etwa 400 Kompositionen. Es ist schon ein wenig speziell. Die wichtigste Sache für mich war, ein Symphonieorchester inklusive Chor und mit einem mittelalterlichen Stil zu kombinieren. Ich denke, dass ich eine gute Lösung gefunden habe. Ich wollte, dass sich der Spieler beim Videospiel wie ein Superstar in einem großen Film fühlt. Auch der Kreativdirektor des Studios, Daniel Vávra, war dafür. Darum haben wir am meisten das Symphonieorchester genutzt – zusammen mit einigen mittelalterlichen Musikinstrumenten."

Für das Konzert haben Sie jedoch nur eine Auswahl aus der Musik zusammengestellt…

Jiří Vejvoda und Jan Valta | Foto: Petra Hajská,  Internationales Musikfestival in Český Krumlov

„Ja, denn ein zehnstündiges Konzert wäre wirklich zu lang. Beim Computerspiel ist das jedoch etwas anders. Man muss auf alles, was passieren kann, vorbereitet sein. Wir wissen nicht, was der Spieler macht. Es gibt da eigentlich einen Musikdramaturgen, und das ist der Spieler selbst. Er ist derjenige, der die Entscheidung trifft, was nachfolgend passiert. Ich muss als Komponist darauf vorbereitet sein, die Stimmung in ein paar Sekunden zu wechseln. Dies ist schon ein bisschen kompliziert.“

Mussten Sie auch Erfahrung mit mittelalterlicher Musik haben?

„Ja, schon. Ich habe viel gelesen, vieles gehört und viel nachgefragt. Die Handlung spielt im Jahre 1403. Wir haben ein paar Kompositionen aus dieser Zeit gefunden. Meist handelte es sich jedoch um Kirchenmusik. Und dann stellte sich die Frage, wo diese Musik eingesetzt werden könnte – vielleicht, wenn jemand stirbt. Aber was sollte bei den übrigen 95 Prozent des Videospiels erklingen? Was wird gespielt, wenn es beispielsweise zu einem Kampf kommt oder wenn jemand etwas klaut, wenn einer in der Kneipe sitzt und so weiter. Darum habe ich mich entschieden, ein Symphonieorchester zu nutzen. Das war, meine ich, eine gute Idee. Und nur ein wenig Stimmung von der mittelalterlichen Musik ist noch hinzugekommen.“

Wurde die Musik bereits bei Konzerten gespielt?

„Ja, wir haben schon genau dieses Programm gespielt, das auch beim Festival geplant ist. Es gab ein Konzert im September dieses Jahres im O2-Universum in Prag. 3500 Menschen sind gekommen, es war ausverkauft. Es ist klar, dass die meisten Besucher die Fans unseres Spiels waren. Ich schätze zudem, dass 20 bis 25 Prozent der Zuschauer aus dem Ausland kamen. Wir wissen, dass es sehr viele Spieler in Deutschland gibt. Noch vor dem Konzert im Sommer in Krumau haben wir im Februar ein Konzert mit demselben Programm in Frankfurt. Wenn jemand in Deutschland findet, dass Krumau zu weit weg liege, kann er das Konzert im Februar besuchen. (https://shooter.reservix.de/p/reservix/event/2468194) Auch wenn Krumau doch eine so schöne Stadt ist, dass es sich lohnt, sie zu besuchen.“

Das Musikfestival in Krumau findet vom 17. Juli bis 8. August statt. Die Karten sind seit vergangener Woche im Verkauf. Mehr über das Programm erfahren Sie unter www.festivalkrumlov.cz.

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