Weihnachtsfreuden für wohnungslose Menschen in Prag
Nicht alle Bewohner Tschechiens haben das Glück, Weihnachten im eigenen Heim oder mit der Familie feiern zu können. Deswegen bemühen sich die Hilfsorganisationen dieser Tage, auch für Menschen in schwierigen Lebenslagen eine festliche Atmosphäre zu schaffen.
„Wenn es friert, dann gibt es Notunterkünfte. Dort gefällt es mir ganz gut. An Weihnachten habe ich immer ein bisschen Geld zusammenbekommen, davon habe ich mir dann ein billiges Hotel genommen. Früher haben mich auch die Kinder zu sich genommen, das ist heute nicht mehr so. Was weiter wird, weiß ich nicht.“
Roman lebt seit 20 Jahren auf der Straße. Regelmäßige Anlaufpunkte sind für ihn die Prager Einrichtungen der Hilfsorganisation Naděje (Hoffnung), wo es Essen und Trinken gibt. Weihnachten sei für die Klienten oft eine besonders schwere Zeit, macht NGO-Direktor Aleš Strnad aufmerksam:
„Diese Feiertage bedeuten für die meisten Leute ja eine große Freude und Familientreffen. Bei wohnungslosen Menschen kann man nicht davon ausgehen, dass es so ist. Für sie ist Weihnachten meist eine traurige Zeit. Darum versuchen wir, eine festliche Stimmung zu schaffen.“
An Heiligabend wird in den Naděje-Einrichtungen ein traditionelles Menü angeboten, das aus Festtagssuppe, Schnitzel und Kartoffelsalat besteht. Dazu gibt es Strnad zufolge Plätzchen, die entweder gespendet oder von den Klienten in den Tagesunterkünften selbst gebacken wurden.
Am ersten Weihnachtsfeiertag lädt dann das Prager Erzbistum zu einem Festessen ein. Auch dieses jährliche Angebot richtet sich an Menschen in einer schwierigen Lebenssituation. Man bereite sich auf etwa 200 Besucher vor, berichtet Kristina Koldinská von der Sant'Egidio-Gemeinde:
„Wir servieren Ente mit Knödeln und Kraut. Davor gibt es noch Knödelsuppe, und als Nachtisch natürlich Plätzchen und Weihnachtsstriezel. Zu diesem weihnachtlichen Mittagessen gehört auch immer ein Geschenk für jeden Gast. Und in diesem Jahr haben wir noch eine schöne Überraschung in Form eines professionellen Musikprogramms.“
Neben den Angeboten von Nichtregierungsorganisationen stellt etwa der Prager Magistrat im Winter 700 Betten in beheizten Notunterkünften zur Verfügung. Die Zahl der Wohnungslosen in der Hauptstadt wird auf 4000 bis 5000 geschätzt. In ganz Tschechien waren im vergangenen Jahr 154.000 Menschen von akuter Wohnungsnot betroffen, so die aktuellsten Daten der Plattform für soziales Wohnen.
Die Hilfsorganisationen sind meist auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen. In der Adventszeit zeigen sich die Tschechien traditionell besonders großzügig. Laut dem Spenderforum kommt im Dezember etwa ein Drittel der gesamten Jahreseinnahmen für gute Zwecke zusammen. Forumsdirektorin Klára Šplíchalová erläutert:
„Es handelt sich wirklich um eine weihnachtliche Spendenfreudigkeit, die mit dem Wunsch verbunden ist, sich gegenseitig zu helfen. Dabei kann aber ebenfalls das Interesse an Steueroptimalisierungen am Ende des Jahres hineinspielen. Es gibt also auch viele pragmatische Gründe.“
Um wohnungslosen Menschen zu helfen, kann man etwa bei der tschechischen Heilsarmee die sogenannten „nocleženky“ finanzieren. Das sind Gutscheine für eine Übernachtung im Warmen, die jeweils 100 Kronen (rund 4 Euro) kosten. Unter den zahlreichen weiteren Spendenmöglichkeiten für Menschen in schwierigen Lebenssituationen finden sich aber zum Beispiel auch Weihnachtsgeschenke für Kinder von Gefängnisinsassen. Jitka Vrbová ist die Sprecherin des Tschechien-Büros von Prison Fellowship International:
„Die Eltern haben im Gefängnis zwar die Möglichkeit, etwas zu basteln, zum Beispiel aus Papier. Dann schicken sie ihren Kindern zu Weihnachten etwas Selbstgemachtes. Aber für jedes Kind ist es doch eine Freude, ein echtes Geschenk oder ein Spielzeug zu bekommen.“
Wie Vrbová weiter mitteilt, gib es in Tschechien rund 30.000 Kinder, von denen ein Elternteil im Gefängnis sitzt.







