Nach fast 500 Tagen im venezolanischen Gefängnis: Tscheche Darmovzal ist zurück in seiner Heimat

Die Rückkehr von Jan Darmovzal, der in Venezuela unter dem autoritären Regime von Nicolás Maduro inhaftiert war

Rund ein Jahr und vier Monate war der Tscheche Jan Darmovzal in Venezuela inhaftiert, nachdem er von den dortigen Behörden des autoritären Regimes festgenommen worden war. Am Freitag nun wurde Darmovzal aus dem Gefängnis entlassen. Und mittlerweile ist er zurück in Tschechien.

Begrüßung des freigelassenen Jan Darmovzal in Prag | Foto: MZV ČR

Er sei zu Tränen gerührt, sagte Oldřich Darmovzal am späten Sonntagabend auf dem Prager Flughafen. Wenige Augenblicke zuvor hatte auf dem Rollfeld eine tschechische Militärmaschine aufgesetzt. Sie war in Caracas gestartet und hatte Darmovzals Sohn Jan an Bord, der monatelang in Venezuela im Gefängnis saß. In Empfang genommen wurde der Tscheche nicht nur von seinen Eltern, sondern auch von Verteidigungsminister Jaromír Zůna (parteilos) sowie von Premier Andrej Babiš (Partei Ano) und Außenminister Petr Macinka (Motoristé sobě). Diese hatten am Freitag über Darmovzals Freilassung informiert. Wie Macinka am Sonntagabend zudem bekanntgab, habe der Flieger neben Jan Darmovzal auch Menschen aus anderen Ländern nach Prag gebracht, die zuvor vom autoritären Regime in Venezuela inhaftiert worden waren:

Mehrere andere inhaftierte Europäer kamen mit Darmovzal | Foto: MZV ČR

„Es handelt sich um einen Bürger aus Irland, einen aus Polen und einen aus Rumänien. Sie wurden von Mitarbeitern der Botschaften ihrer Länder in Empfang genommen. Es war rührend zu sehen, wie sich die ehemaligen Häftlinge voneinander verabschieden, denn sie haben viel Zeit miteinander verbracht.“

Ursprünglich hatte die tschechische Maschine noch weitere Freigelassene nach Europa bringen sollen. Dies sei jedoch von den venezolanischen Behörden verhindert worden, so Macinka.

Jan Darmovzal | Foto: MZV ČR

Für Jan Darmovzal war die erste Station in Tschechien noch in der Nacht ein Besuch im Prager Militärkrankenhaus, wo sein Gesundheitszustand überprüft wurde. Mit seiner Rückkehr fanden monatelange Bemühungen der tschechischen Diplomatie ihren Höhepunkt. Der 35-jährige Darmovzal war im September 2024 von den Behörden in Venezuela festgenommen worden. Zuvor war er als Tourist in das Land eingereist. Beobachtern zufolge könnte ihm zum Verhängnis geworden sein, dass er Reservist der tschechischen Armee ist.

Das autoritäre Regime in Caracas warf ihm jedenfalls vor, ein Söldner zu sein, der einen Staatsstreich und die Tötung von Präsident Nicolás Maduro geplant habe. Beweise dafür wurden jedoch nicht vorgelegt. Darmovzals Familie sowie die tschechischen Behörden wiesen die Vorwürfe dann auch als haltlos zurück. Ähnlich sieht den Fall Ivan Pilip. Als Politiker war er in den 1990er Jahren in Tschechien Minister, heute leitet er die internationale Abteilung des Thinktanks Casla, der sich für Demokratie in Südamerika einsetzt.

Ivan Pilip | Foto: Kateřina Cibulka,  Tschechischer Rundfunk

„Die Anschuldigungen, die gegen Darmovzal vorgebracht wurden, sind lächerlich. Es fand auch kein Gerichtsprozess statt. All diese Menschen wurden gewissermaßen als Geiseln gefangengenommen.“

Laut Pilip hatte Darmovzal während der fast 500 Tage im Gefängnis weder Kontakt zu einem Anwalt noch zu einem Vertreter des tschechischen Staates. Mit seiner Familie habe er nur zweimal ein kurzes Telefonat führen dürfen.

Jan Darmovzal wurde am Flughafen von seinen Eltern empfangen | Foto: MZV ČR

Eine Freilassung Darmovzals schien möglich zu werden, nachdem die USA Anfang Januar Venezuela angriffen und den dortigen autoritären Präsidenten Maduro entführten. Die nunmehrige Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez begann daraufhin, politische Häftlinge aus den Gefängnissen zu entlassen. Insgesamt sollen in dem Land rund 800 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert sein. Unter den rund 100 Freigelassenen tauchte Darmovzals Name zunächst aber nicht auf. Dass es am Ende doch klappte, schrieb Außenminister Macinka in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks auch den erfolgreichen Verhandlungen der Regierung in Prag zu:

Außenminister Petr Macinka,  Premier Andrej Babiš und Verteidigungsminister Jaromír Zůna begrüßen gemeinsam Jan Darmovzal | Foto: MZV ČR

„Wir haben der neuen venezolanischen Präsidentin in den vergangenen Tagen signalisiert, dass wir im Falle einer Freilassung unseres Bürgers bereit sind, über eine Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu diskutieren. Wir haben noch nicht besprochen, auf welchem Niveau dies erfolgen könnte. Aber wir haben dargelegt, dass wir uns eine ständige Anwesenheit tschechischer Diplomaten in Caracas oder anderswo in Venezuela vorstellen könnten. Ich glaube, dass auch dies einer der entscheidenden Faktoren für die Freilassung war.“

Das Gebäude in der Straße Los Cedros in Caracas,  Venezuela,  in dem sich früher die tschechische Botschaft befand | Foto: MZV ČR

Tschechien ist derzeit weder mit einem Konsulat noch mit einer Botschaft in dem südamerikanischen Land vertreten. Die einstige Botschaft schloss 2011 aus Spargründen ihre Türen. Für Venezuela ist seitdem der tschechische Botschafter im Nachbarland Kolumbien zuständig. Laut Außenminister Macinka besitzt der tschechische Staat allerdings noch ein Gebäude in Venezuelas Hauptstadt Caracas. Wenn dieses wieder hergerichtet werde, könnte man dort die diplomatischen Aktivitäten wieder aufnehmen, so der Minister. Und auch Premier Andrej Babiš sagte am Freitag bei der gemeinsamen Pressekonferenz:

„Wir halten dieses Territorium für sehr wichtig, auch für unsere Exporteure. Wir werden alles unternehmen, um schnellstmöglich eine eigene Vertretung dort zu haben.“

Premier Andrej Babiš  (rechts) begrüßt Jan Darmovzal | Foto: MZV ČR
Autor: Ferdinand Hauser | Quelle: Český rozhlas
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