Neuer Prager Erzbischof: Stanislav Přibyl wird Oberhaupt der katholischen Kirche in Tschechien
Stanislav Přibyl wird neuer Prager Erzbischof. Wer ist das neue Oberhaupt an der Spitze der katholischen Kirche in Tschechien?
Über die Ernennung Stanislav Přibyls zum Prager Erzbischof durch Papst Leo XIV. wurde Anfang Februar informiert. Přibyl sagte bei einer Pressekonferenz, er wolle in seinem neuen Amt offen und unvoreingenommen mit den Menschen in Tschechien ins Gespräch treten:
„Ich möchte gern zu einer Änderung der Atmosphäre in der Kirche und der Gesellschaft beitragen. Denn ich habe das Gefühl, es gibt zu viele Spannungen. Das beschäftigt die Gesellschaft, aber auch Papst Leo. Wir sind in unseren Blasen abgeschlossen, in den sozialen Netzwerken und treffen nur Gleichgesinnte. Das will ich ändern, damit wir einander wieder näherkommen.“
Der heute 54-jährige Přibyl war ab 2002 Provinzial des Redemptoristenordens am Wallfahrtsort Svatá hora (Heiliger Berg) in Příbram. Zudem leitete er die Erzdiözesancaritas in Prag. Anschließend wurde er Generalsekretär der tschechischen Bischofskonferenz. 2023 wurde er von Papst Franziskus zum Bischof von Litoměřice ernannt.
In sein neues Amt wird Přibyl nun offiziell am 25. April bei einer Messe im Prager Veitsdom eingeführt. Sein Wahlspruch lautet nach wie vor „Pax vobis“, also „Friede sei mit euch“. Als Herausforderung in seiner Amtszeit nannte der gebürtige Prager bei der Pressekonferenz auch, die Menschen in Tschechien für die Kirche zu begeistern:
„Als Christen quält uns natürlich, dass der Glaube nicht weitergegeben wird. Das betrifft nicht nur die Weitergabe von einer Generation zur nächsten. Man kann mittlerweile auch von einem religiösen Analphabetismus sprechen. Junge Leute gehen an Denkmälern vorbei, die einst als Zeugnis des Glaubens entstanden sind, aber sie wissen gar nicht, worum es sich dabei handelt. Wenn man die Menschen dann etwa fragt – und ich spreche da aus eigener Erfahrung –, was ein Kreuzweg ist, denken sie, dass ein Kreuzworträtsel oder eine Kreuzung gemeint sei.“
Das Prager Erzbistum kann Přibyl nun bis zu seinem 75. Geburtstag führen, wenn die Bischöfe für gewöhnlich ihren Rücktritt beim Papst einreichen – so wie auch sein Vorgänger Jan Graubner. Dieser war 2022 auf den mittlerweile verstorbenen Dominik Duka gefolgt. 2023 bat er wegen des Erreichens der Altersgrenze schließlich um den Rücktritt, blieb vorerst aber weiterhin im Amt.
Als Nachfolger war in Kirchenkreisen auch über den Pilsener Bischof Tomáš Holub spekuliert worden. Warum die Wahl schließlich auf Stanislav Přibyl fiel, wollte der Apostolische Nuntius in Tschechien, Jude Thaddeus Okolo, bei der Pressekonferenz nicht konkretisieren. Dabei dürfte gerade er es gewesen, der ein entscheidendes Wort bei der Auswahl des Oberhauptes der katholischen Kirche in Tschechien mitgeredet hat. Der Historiker Jaroslav Šebek von der Akademie der Wissenschaften erläuterte das Prozedere in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Der Nuntius kommt mit Priestern und Laien ins Gespräch. Er wählt drei Namen aus und leitet sie an die Bischofskongregation weiter. Diese berät sich und schlägt dann dem Papst einen Namen vor.“
Anfang Januar hatte Stanislav Přibyl – noch in seiner Rolle als Bischof von Litoměřice – 2026 zum „Jahr der Versöhnung“ erklärt. In der Diözese werden nun an mehreren Orten ökumenische Gottesdienste abgehalten, bei denen an die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert wird. Dem Tschechischen Rundfunk sagte Přibyl im Januar dazu:
„Versöhnung ist ein sehr aktuelles Thema, und jeder von uns braucht es, um neu und besser beginnen zu können. Wenn wir das an diesen historischen Ereignissen lernen, ist das nur gut.“
Die Versöhnungsgottesdienste werden das ganze Jahr über an zwölf Orten gehalten, an denen Menschen bei der Vertreibung zu Tode kamen. Die nächste Messe findet am 8. März in Rovensko pod Troskami statt.







