Vom Priester im Untergrund zum Kardinal – Prager Erzbischof Dominik Duka gestorben
Zu kommunistischen Zeiten musste er seinen Glauben im Geheimen ausleben, nach 1989 wurde er zu einem der wichtigsten Vertreter der katholischen Kirche in Tschechien. Die Rede ist von Kardinal Dominik Duka, der am Dienstag gestorben ist.
Mehr als zwölf Jahre lang wirkte Dominik Duka als Prager Erzbischof. 2016 erhielt er aus den Händen des damaligen tschechischen Präsidenten Miloš Zeman die höchste staatliche Auszeichnung des Landes, den Orden des Weißen Löwen. Kardinal Duka ist am frühen Dienstagmorgen im Alter von 82 Jahren im Zentralen Militärkrankenhaus in Prag gestorben.
Der Historiker Jaroslav Šebek beschäftigt sich mit der Kirchengeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Gegenüber Radio Prag International betont er, dass Dominik Dukas Bedeutung innerhalb der katholischen Kirche in Tschechien nicht erst mit der politischen Wende begonnen habe:
„Ich glaube, dass Dominik Duka schon vor 1989 die katholische Kirche und die Beziehungen zwischen Kirche und Gesellschaft maßgeblich beeinflusst hat. Er war einer der wichtigsten tschechischen kirchlichen Dissidenten, die gegen das kommunistische Regime eintraten. Schon in den 1980er Jahren setzte er sich für die Zusammenarbeit der bürgerlichen und der kirchlichen Sphäre ein. Und in dieser Linie fuhr Duka auch nach der Zeit von 1990 fort.“
Geboren wurde der spätere Kardinal als Jaroslav Duka am 26. April 1943 im ostböhmischen Hradec Králové. 1968 trat er in den Dominikanerorden ein, das geschah geheim. Damals nahm er den Namen Dominik an. 1970 folgte die Weihe zum Priester. Doch die Kommunisten entzogen ihm einige Jahre später die Erlaubnis, seelsorgerisch tätig zu sein. In der Folge arbeitete er als Zeichner beim Maschinenbauunternehmen Škoda im westböhmischen Plzeň / Pilsen.
Im Untergrund fungierte Duka aber weiter als Priester. Das brachte ihn 1981 für ein Jahr ins Gefängnis. In der Pilsner Haftanstalt Bory begegnete er unter anderem Václav Havel. An die Treffen mit dem damaligen Dissidenten und späteren Staatspräsidenten erinnerte sich der Geistliche vor einiger Zeit in einem Interview für das Zeitzeugenprojekt Paměť národa:
„Er hat mich begrüßt. Ich erhielt von ihm ein Päckchen Tee, Zucker und einige spezielle Bons, die als Zahlungsmittel in dem Gefängnis galten. In unseren Gesprächen war das religiöse Leben das größte Thema.“
Selbst die Haft hielt Duka nicht davon ab, weiter in der Untergrundkirche aktiv zu sein. Erst nach der Samtenen Revolution trat er aber auch öffentlich wieder als Priester auf. Und er machte Karriere in der katholischen Kirche. 1998 wurde er Bischof seiner Geburtsstadt Hradec Králové und 2010 dann Prager Erzbischof. Dominik Duka habe zwei große berufliche Leidenschaften gehabt, sagt Jaroslav Šebek. Das eine sei die Beschäftigung mit der Geschichte gewesen und das andere die Kirchenpolitik, so der Historiker...
„Durch sein Engagement in kirchlich-politischen Angelegenheiten war er einer der wichtigsten Vertreter der Kirche bei den Verhandlungen über die Gesetze zur Kirchenrestitution. Und ich denke, dieses Gesetz und die Verhandlungen waren sein großer kirchenpolitischer Erfolg in seiner Zeit als Prager Erzbischof“, so Šebek.
Die Verhandlungen fanden 2012 statt. Im selben Jahr ernannte Papst Benedikt XVI. ihn zum Kardinal.
Dominik Duka erreichte 2018 die Altersgrenze von 75 Jahren für Bischöfe und bot im Einklang mit den Kirchenvorschriften seinen Rücktritt an. Zugleich forderten katholische Laien in einem Brief an den Pontifex, Duka abzuberufen. Sie beklagten seine zunehmend nationalistischen und islamophoben Positionen. Dazu sagt Šebek:
„Duka äußerte sich nach 2015 oft sehr kritisch zu der Entwicklung in Westeuropa, auch in Deutschland oder in Frankreich. So kritisierte er die freundliche Politik gegenüber der großen Menge an Migranten. Duka hatte Angst vor dem kulturellen Einfluss des Islamismus auf die westeuropäische Gesellschaft.“
Franziskus beließ Dominik Duka aber noch vier weitere Jahre im Amt. Erst 2022 gab der Vatikan den Namen des Nachfolgers bekannt, es war der langjährige Olmützer Erzbischof Jan Graubner.
Duka war zuletzt schwer krank gewesen. Bereits am 6. Oktober hatte er sich im Militärkrankenhaus einer Operation unterziehen müssen. Am Samstag wurde er dann erneut in die Klinik eingeliefert.







