Sudetendeutscher Tag in Brünn beginnt mit Gedenken an ermordete Juden
Mindestens 1000 Menschen planen, am diesjährigen Pfingstwochenende zum Sudetendeutschen Tag nach Tschechien zu kommen. Dieser findet auf dem Brünner Messegelände im Rahmen des Festivals „Meeting Brno“ statt. Nun wurden Details zum Programm auf einer Pressekonferenz in Brno / Brünn vorgestellt.
Es ist das erste Mal, dass der Sudetendeutsche Tag in Tschechien abgehalten wird. Anlass ist der 80. Jahrestag der offiziellen Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei. Hauptteilnehmer sind Nachkommen von Familien, die nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben wurden. Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Alles Leben ist Begegnung“. Sie soll Teil der Bemühungen um die Versöhnung der Nationen und Völker sein, erklärte Bernd Posselt, Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft am Donnerstag in Brünn:
„Sich versöhnen, das bedarf einigen Mutes. Da muss man den Teufelskreis durchbrechen. Und das ist eigentlich der Grundgedanke, der uns seit Jahrzehnten leitet. Dieser sudetendeutsche Tag soll ein Signal sein, dass wir tatsächlich ein Positivbeispiel sind. In einer Welt, in der es immer mehr Krieg, Nationalismus und Gegeneinander gibt, setzen wir Tschechen und Sudetendeutschen in dieser sehr jungen, weltoffenen und europäischen Stadt Brünn ein positives Zeichen.“
Das Programm beginnt mit einem Gedenkakt für die ermordeten und verfolgten Juden am Brünner Bahnhof. Am Wochenende sind unter anderem der traditionelle Gedenkmarsch von Pohořelice nach Brünn, mit dem an den Brünner Todesmarsch von 1945 erinnert wird, und das Hauptprogramm auf dem Brünner Messegelände geplant.
„Es gibt hundert kleinere Veranstaltungen mit einer wahnsinnigen Pluralität.“
Die Organisatoren wiesen Gerüchte zurück, dass die Veranstaltung aus Finanzen der tschechischen Steuerzahler bezahlt werde. Posselt sagte:
ZUM THEMA
„Die bayerische Regierung bezahlt für den Sudetendeutschen Tag in Brünn 850.000 Euro aus bayerischen Staatsmitteln. Weil sie sagt: Das ist ein historisches Ereignis, proeuropäisch, auf Versöhnung gerichtet. Deshalb gibt es Unterstützung aus Mitteln für grenzüberschreitende Versöhnung. Und dieses Geld ist für Busse, für Ermäßigungen bei den Hotelübernachtungen, für die Messe, die wir mieten, und alles Weitere eingeplant. Die Leute werden sicher auch etwas ausgeben, wenn sie hier sind, sie werden essen, trinken, umherfahren. Das heißt, ich bin der Meinung, wir sind hier Gäste, und wir fühlen uns hier wohl in dieser Stadt, weil wir hier schon mit Veranstaltungen waren. Das ist eine Win-Win-Situation.“
Seit der Ankündigung des Sudetendeutschen Tages sind in Tschechien verschiedene Proteste zu vernehmen, beispielsweise von Kommunisten und Vertretern der regierenden Partei „Freiheit und direkte Demokratie“ (SPD). Dazu Bernd Posselt:
„Ich darf Ihnen nur sagen, dass in einer Demokratie Diskussion und Meinungsunterschiede normal sind. Es wäre unnormal, wenn alle jubeln würden. Normal ist, dass es verschiedene Meinungen gibt und dass man sich damit auseinandersetzt.“








