100 Jahre Radio-Symphoniker Prag: Von der Improvisation zum Orchester des Tschechischen Rundfunks
Das Radio-Symphonieorchester Prag (SOČR) feiert sein 100-jähriges Bestehen. In einer fünfteiligen Serie verfolgen wir seinen Weg von den improvisierten Anfängen bis hin zu einem Orchester, das die tschechische Musikgeschichte geprägt hat.
Das Rundfunk-Symphonieorchester entstand vor 100 Jahren. Das Radio war damals ein völlig neues Medium, und die Arbeit mit der Technik glich mehr einem Abenteuer als einem professionellen Betrieb. Die Mikrofone wurden zur Wand gerichtet, um den Klang besser einzufangen, und die Musiker spielten oft ohne Proben und vom Blatt. Aus dieser Improvisation heraus entwickelte sich später ein Orchester, das zu einer der Säulen der tschechischen Musikkultur geworden ist.
Von den „Arbeitern der Musik“ zum ambitionierten Orchester
Im Rundfunk glaubte man damals fest an etwas, das heute als selbstverständlich gilt: nämlich dass der Live-Klang eine Kraft besitzt, die keine Aufnahme ersetzen kann. Und so entstand ein Orchester, das „hier und jetzt“ spielen sollte – direkt für die Hörer an ihren Empfangsgeräten.
Die Anfänge waren herausfordernd. Das Kammerorchester füllte täglich eine bis zwei Stunden Sendezeit und spielte oft vom Blatt. Die Musiker wurden engagiert, um das enorme Arbeitspensum zu bewältigen – und sie meisterten es mit bewundernswerter Professionalität. Doch auch hochkarätige Solisten und Kammermusiker traten im Radio auf, und der Vergleich fiel für die Orchestermitglieder nicht immer schmeichelhaft aus. Die Situation wurde sogar unhaltbar. Die Dramaturgie verlangte mehr, die Hörer wollten mehr – und der Sender „Radiojournal“ stand vor der Wahl: Entweder bleibt man bei einem kleinen Ensemble für ein leichteres Repertoire, oder es wird ein richtiges Symphonieorchester aufgebaut. Schließlich wurde die zweite Variante umgesetzt. Das erste öffentliche Konzert fand am 2. Oktober 1926 statt und war damals ein Ereignis für Prag. Die Experten waren überrascht, wie schnell sich das junge Ensemble entwickeln konnte, und der berühmte Dirigent Oskar Nedbal erklärte, das Orchester verfüge über „talentiertes künstlerisches Material“.
Konzert im September: Rückkehr zu den Anfängen
Das Eröffnungskonzert der anstehenden Spielzeit findet am 24. September 2026 statt und wird an diesen historischen Moment erinnern. Das Radio-Symphonieorchester Prag spielt das gleiche Programm, das beim allersten Konzert 1926 zu hören war – also die Musik seiner Geburtsstunde.
Bedřich Smetana – Die verkaufte Braut, Ouvertüre
Ludwig van Beethoven – Romanzen für Violine und Klavier Nr. 1 und Nr. 2
Antonín Dvořák – Legenden Nr. 6, 2, 10 und 3
Zdeněk Fibich – Symphonie Nr. 2
Für ausländische Zuhörer ist dies eine einmalige Gelegenheit, ein tschechisches Orchester in einem Programm zu hören, das drei grundlegende Namen der tschechischen Musik miteinander verbindet – Smetana, Dvořák und Fibich.







