Testbetrieb: Neue Kabinen für Standseilbahn auf den Prager Petřín können bewundert werden

Seit fast zwei Jahren ist eines der beliebtesten Prager Touristenziele geschlossen: die Standseilbahn auf den Petřín. Wer jetzt aber auf dem Hügel in der tschechischen Hauptstadt flaniert, erblickt vielleicht schon die neuen Kabinen für die Bahn bei einer der Testfahrten.

Jaromír Beránek | Foto: Klára Škodová,  Tschechischer Rundfunk

Ende Mai fuhren die neuen Kabinen der Standseilbahn erstmals auf den Prager Petřín hinauf und wieder hinunter. Es ist der Testbetrieb, erst später folgen die regelmäßigen Probefahrten.

„Die Kabinen sind noch nicht fertig, so fehlen bisher zum Beispiel die Sitze. Auch wurde die Schutzabdeckung einiger elektronischer Geräte abgenommen. Auf den ersten Blick wirken die Kabinen aber sehr frisch, offen und luftig. Und was für die Nutzer am wichtigsten ist: Die Wagen sind großzügig verglast, so dass der Blick schön schweifen kann“, sagte der stellvertretende Oberbürgermeister Jaromír Beránek (Piraten), der im Prager Magistrat für Verkehr zuständig ist, als er die neuen Kabinen in Augenschein nahm.

Foto: Laura Hájková,  Tschechischer Rundfunk

Völlig neues Design

Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

Seit September 2024 wird die Standseilbahn erneuert. Vor allem waren die Schienen veraltet und wurden zudem in dem Jahr durch extreme Regenfälle in Mitleidenschaft gezogen. Zugleich entschieden sich die Verkehrsbetriebe für einen Austausch der Kabinen. 40 Jahre lang war die dritte Generation im Einsatz. Für die vierte Generation wurde ein neues Design entworfen. Die beiden gut zwölf Meter langen Wagen jeweils haben 100 Steh- und 19 Sitzplätze. Und Spaziergänger auf dem Petřín können sie derzeit mit etwas Glück auch schon die rund 500 Meter lange Strecke entlangfahren sehen. Daniel Šabík ist Sprecher der Prager Verkehrsbetriebe:

Foto: Petr Hejna,  DPP

„Es sind bisher nur Testfahrten, die die Herstellerfirmen brauchen, um alle technischen Systeme abzustimmen. Sobald wir das Eignungszertifikat für beide Wagen erhalten, können wir mit den Probefahrten beginnen. Dabei muss jeder Operator der Seilbahn mindestens 240 Stunden ableisten.“

Elf solcher Operatoren gibt es, die künftig über den Betrieb wachen sollen. Dadurch seien die Kabinen dann deutlich häufiger unterwegs als im jetzigen Testlauf, sagt der Sprecher weiter. Denn Ende September soll bereits der Fahrgastbetrieb aufgenommmen werden, so die Pläne.

Foto: Martin Brejša,  DPP

Fahrgastbetrieb ab September

Gebaut wurden die Wagen vom Weltmarktführer in Sachen Seilbahnen, dem österreichisch-schweizerischen Firmenkonsortium Doppelmayr/Garaventa…

Foto: Martin Brejša,  DPP

„Es sind komplett neue Wagen. Die dritte Generation hatte hingegen noch das Fahrgestell der ersten Generation. Eine wichtige technische Änderung betrifft die Bremsen. Die alten Kabinen wurden am Bremsseil gestoppt, nun wird an der Schiene gebremst“, erläutert Pressesprecher Šabík.

Die Kabinen hat die renommierte Designerin Anna Marešová aus Prag entworfen, die etwa auch für den Look der neuen Seilbahn auf den Ještěd verantwortlich ist. Verkehrsbürgermeister Beránek ist jedenfalls froh, dass die alten Kabinen auf dem Petřín nun ausgedient haben:

Anna Marešová | Foto: Kateřina Cibulka,  Tschechischer Rundfunk

„Die vorherigen Wagen waren von 1985 und in gewisser Weise ein Hybrid, weil einfach eine neue Karosserie für die alte Technik genutzt wurde. Jetzt wurde auch die Technologie komplett geändert, und wir haben vollständig neue Wagen, die hoffentlich weitere 50 Jahre ohne größere Eingriffe halten.“

Die neuen Kabinen und die Modernisierung der Strecke kosten etwa 273 Millionen Kronen (11,3 Millionen Euro). Im Übrigen war die Bahn auf den Petřín im Jahr 2023, also vor Beginn des Umbaus, das beliebteste Besucherziel in ganz Tschechien – noch vor der Prager Burg oder der Karlsbrücke.

Autoren: Till Janzer , Laura Hájková | Quelle: Český rozhlas
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