„Studio 1“: Herz und Klang der Radiosymphoniker
Das Radio-Symphonieorchester Prag (SOČR) residiert bereits seit 1935 im legendären „Studio 1“. Einst eines der modernsten Studios Europas, erlebte es tausende Aufnahmen, hunderte Premieren und unzählige musikalische Sternstunden, die über den Äther die Welt eroberten. Der vierte Teil unserer Jubiläumsserie zum 100-jährigen Bestehen des Orchesters beleuchtet die Geschichte dieses außergewöhnlichen Saals und seine Klangschätze.
Ein Studio, das seiner Zeit voraus war
Am 11. Juni 1935 bezogen die Prager Radiosymphoniker das „Studio 1“ als ihren täglichen Arbeitsplatz und spielten von dort aus ein erstes Live-Konzert für den Sender Radiojournal. Damals zählte der Bau zu den modernsten und akustisch brillantesten Rundfunkstudios Europas. Architektur und Technik waren perfekt aufeinander abgestimmt, um den Ansprüchen eines großen Klangkörpers und dem damals neuen Medium Radio gerecht zu werden.
Mit den wachsenden Ansprüchen an den Klang befand sich das „Studio 1“ in stetigem Wandel. Die ursprüngliche Orgel und die Chorgalerie wichen einer modernisierten Technik und optimierten Akustikkonzepten. Der umfassendste Umbau erfolgte während der Sanierung des Rundfunkgebäudes (2007–2011), die Raumakustik erreichte ein neues Level. Seither bietet der Saal ideale Bedingungen – sowohl für die monumentalen Aufnahmen eines großen Symphonieorchesters als auch für intime, live übertragene Kammerkonzerte.
Aufnehmen ist Teil der Orchester-DNA
Das Spiel vor dem Mikrofon ist das Fundament und die Essenz eines Rundfunkorchesters. Im Archiv des Tschechischen Rundfunks werden heute tausende historische Bänder aufbewahrt. Sie dokumentieren nicht nur das Schaffen des SOČR, sondern auch das anderer Ensembles – wie des einstigen Prager Rundfunkorchesters, das 1964 mit den Symphonikern zu einem großen Klangkörper fusionierte.
Dank des internationalen Programmaustauschs der Rundfunkanstalten eroberten die Aufnahmen des SOČR die Welt. Das Orchester avancierte zu einem begehrten Partner für Studioproduktionen, die regelmäßig mit renommierten Preisen ausgezeichnet wurden.
Prämierte Aufnahmen
ZUM THEMA
Zu den jüngsten Meilensteinen zählen zwei Supraphon-Alben mit Janáčeks symphonischen Werken unter Dirigent Tomáš Netopil, die das britische Magazin Gramophone zum „Editor’s Choice“ kürte. Internationales Aufsehen erregten auch die bei Hyperion erschienenen Cembalokonzerte von Bohuslav Martinů, Hans Krása und Viktor Kalabis – eingespielt von Mahan Esfahani unter Alexander Liebreich und prämiert mit dem „Opus Klassik“.
Ein weiterer Triumph gelang dem Orchester mit Bedřich Smetanas „Mein Vaterland“ unter Chefdirigent Petr Popelka. Die Ende 2024 bei Supraphon veröffentlichte Aufnahme sammelte nicht nur ein weiteres „Editor’s Choice“ und eine Nominierung für den tschechischen Musikpreis „Anděl“, sondern errang mit dem französischen „Diapason d’or de l’année“ eine der europaweit wichtigsten Trophäen der klassischen Musik.
Neue Projekte des SOČR
Das Radio-Symphonieorchester Prag erweitert seine Diskografie kontinuierlich, und zwar auf eine Weise, die seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag entspricht. Statt auf Publikumsrenner zu setzen, spürt das Ensemble gezielt Werke von hohem Wert auf, um das Bewusstsein für die tschechische Musik weltweit zu stärken.
In den letzten Jahren entstanden so beispielsweise die Einspielungen der gesamten Symphonien von Miloslav Kabeláč unter der Leitung von Marko Ivanović, außerdem der Klavierkonzerte von Bohuslav Martinů mit dem Dirigenten Tomáš Brauner und führenden tschechischen Pianisten sowie eine Sammlung symphonischer Werke von Svatopluk Havelka unter der Leitung von Marek Šedivý. Seltenheitswert besitzen zudem die Einspielungen der Klavierkonzerte von Karel Kovařovic, Vítězslava Kaprálová und Pavel Bořkovec mit Pianist Marek Kozák unter der Leitung von Robert Jindra sowie die Konzerte von Jan Novák unter Tomáš Netopil.
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