„Das beste Marienbild im Land“ – Albrecht Dürers „Rosenkranzfest“ wird restauriert
Albrecht Dürers „Rosenkranzfest“ ist ein ikonisches Bild und vermutlich auch das bekannteste Gemälde in der Dauerausstellung „Alte Meister“ auf der Prager Burg. Die Nationalgalerie lässt das einzigartige Renaissancewerk bald restaurieren. Olga Kotková ist Generaldirektorin der Nationalgalerie Prag und erläutert im Interview die Bedeutung des Werks und das Ziel der Restaurierungsarbeiten.
Frau Kotková, das Rosenkranzfest von Albrecht Dürer (1471-1528) wird bald restauriert. Wie ist das Gemälde, das ein Auftragswerk war, entstanden?
„1606 wollte Kaiser Rudolf II. das Werk für seine Prager Sammlung kaufen. Vor diesem Kauf wurde das Bild heimlich restauriert, das wissen wir.“
„Das Bild hat eine lange Geschichte. Es wurde 1506 als Altarbild für die Kirche San Bartolomeo in Venedig gemalt. Bis heute gilt jedoch, dass die Luft in Venedig sehr feucht und salzig ist. Deswegen war das Gemälde von Anfang an in einem schlechten Zustand. 1606 wollte Kaiser Rudolf II. das Werk für seine Prager Sammlung kaufen. Vor diesem Kauf wurde das Bild heimlich restauriert, das wissen wir. Im 19. Jahrhundert befand sich dann das Rosenkranzfest im Kloster Strahov in Prag. Der Abt wollte es erneut restaurieren lassen. Er fragte seinen Freund Johann Gruss den Älteren (1790-1855, Anm. d. Red.), ob er die Arbeiten übernehmen würde. Johann Gruss war ein Maler aus Leitmeritz, aber kein Künstlerstar. Er war damals sehr in Eile und musste die Restaurierung unter Zeitdruck zu Ende bringen. Die unteren Füllungen waren zum Beispiel nicht ganz trocken. Heute sehen wir so etwas wie kleine Inseln von Farbschichten auf dem Bild. Denn eigentlich ist das Gemälde flach. Wenn man aber genau hinsieht, ist da so etwas wie ein Relief. Um dieses Problem zu lösen, lassen wir jetzt das Bild von unserem Top-Restaurator, Professor Adam Pokorný, restaurieren. Das Rosenkranzfest ist das einzige Bild von Albrecht Dürer, das wir in unseren Sammlungen haben. Darum haben wir unsere Kollegen aus Deutschland, Österreich und Italien zur Zusammenarbeit eingeladen.“
Wurde das Bild inzwischen bereits mit modernen technischen Geräten untersucht?
„Ja, wir haben bereits verschiedene Analysen durchgeführt. Diese sind schon fertig. Dafür hatten wir finanzielle Mittel vom Kulturministerium erhalten. Zudem beteiligen wir uns seit einigen Jahren an einem internationalen EU-Forschungsprojekt. Ich kann sagen, dass alle High-Tech-Mittel eingesetzt worden sind. Wir wissen, würde ich sagen, alles über das Bild.“
Alles über die Farben sowie das Material?
„Ja, genau. Wir haben die Ergebnisse der chemischen Analyse der Farben zur Verfügung. Zudem wissen wir alles über die Holzbretter – es ist Pappelholz. Dieses Holz ist leider sehr instabil. Wir wissen auch alles über die Grundierung. Im September wird noch eine weitere Analyse durchgeführt, und dann beginnen die Restaurierungsarbeiten. Dazu organisieren wir ein Treffen von Experten aus ganz Europa, die dann nach Prag kommen.“
Das Bild ist international bekannt. Kommen Kunstliebhaber aus dem Ausland, um dieses Dürer-Gemälde zu sehen?
„Ja, es kommen viele Leute aus Deutschland, Österreich und den USA, um das Rosenkranzfest zu sehen. Leider ist es wegen der bevorstehenden Restaurierung nur noch bis Ende August möglich, sich das Bild anzuschauen.“
Es ist bekannt, dass Dürer sich selbst auf dem Altarbild verewigt hat…
„ Dürer schrieb einen Brief an seinen Freund Willibald Pirckheimer, in dem er ihm mitteilte, es gebe kein besseres Marienbild im ganzen Land als das seine.“
„Ja. Er ist der Mann mit den blonden Locken rechts oben. Dürer war sehr stolz auf seine Haare, er hat verschiedene Notizen darüber hinterlassen. Auf dem Bild steht er stolz und hält in den Händen ein Cartolino – also einen Zettel. Darauf ist der lateinische Satz zu lesen: ,Exegit quinque mestri / spatio Albertus / Durer Germanus MDVI.‘ (Etwa: Der Deutsche Albrecht Dürer hat es innerhalb von fünf Monaten 1506 fertiggestellt. Anm. d. Red.) Dürer schrieb einen Brief an seinen Freund Willibald Pirckheimer, in dem er ihm mitteilte, es gebe kein besseres Marienbild im ganzen Land als das seine. Das ganze Land bedeutet in diesem Fall Italien. So stolz war er auf sein Werk.“
Was ist das Einzigartige an dem Gemälde?
„Das ist eine gute Frage. Dürer kam aus Nürnberg, das Rosenkranzfest malte er jedoch in Venedig, Es ist ein Zusammenspiel zwischen deutscher und venezianischer Malerei. Höchst interessant ist dabei, wie ein Deutscher im 16. Jahrhundert zu diesem Auftrag gekommen ist. Er hatte gute Kontakte – ich würde heute sagen Lobbyisten – und hat so den Auftrag erhalten. Die Konkurrenz in Venedig war damals sehr groß.“
Wurde das Gemälde nach Johann Gruss nochmals im 20. Jahrhundert restauriert?
„2006 haben wir das Bild konserviert. Unser Restaurator Jiří Třeštík hat damals kleine Defekte ausgebessert. Aber mit einer großen Restaurierung mussten wir warten. Denn damals stand uns die heutige High Tech noch nicht zur Verfügung.“
Das Rosenkranzfest von Albrecht Dürer ist noch bis Ende August in der Dauerausstellung der Nationalgalerie im Palais Schwarzenberg auf der Prager Burg zu sehen. Danach wird das Gemälde lange restauriert. Das Palais befindet sich auf dem Hradschiner Platz Nr. 2 und ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
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