Wertvoller Erstdruck in Nationalgalerie in Prag: Albrecht Dürers Nashorn-Grafik

„Nosorožec“ (Rhinozeros), Albrecht Dürer

Bis vor kurzem wusste man in der Nationalgalerie in Prag nicht, was man da für einen wertvollen Druck in den Sammlungen hat. Nun haben Untersuchungen ergeben, dass es sich um einen Erstdruck der wohl berühmtesten Grafik von Albrecht Dürer handelt – dem „Rhinocerus“ (Das Rhinozeros)

Markéta Kučerová  (hinten) und Sylva Dobalová  (vorne) | Foto: Archiv der tschechischen Akademie der Wissenschaften

Vorsichtig nimmt Markéta Kučerová mit Schutzhandschuhen den Holzschnitt des Rhinozeros von Albrecht Dürer aus seiner Hülle. Sie ist Bibliothekarin der tschechischen Akademie der Wissenschaften. Am Montag präsentiert sie den wertvollen Druck der Öffentlichkeit. Nach den Erkenntnissen ihrer Kollegen aus dem Institut für Kunstgeschichte handelt es sich um eine der Erstausgaben der wohl berühmtesten Dürer-Grafik. Dass dieser Umstand erst jetzt erforscht wurde, ist erstaunlich. Denn Kučerová betont:

„Wir wissen, dass dieser Druck seit 1958 hier in Prag ist. Denn er wurde damals im Fonds der Archivalien katalogisiert. Dann wurde er aber ins Lager gebracht.“

„Autoportrét v kožichu“  (Selbstbildnis im Pelzrock),  Albrecht Dürer | Foto: Carlo Bollo,  Alamy/Profimedia

1515 bildete Dürer das Rhinozeros ab, ohne es zuvor selbst gesehen zu haben. Der deutsche Renaissance-Künstler verließ sich auf eine Beschreibung des Tiers. Das Nashorn war das Geschenk eines indischen Sultans an den König von Portugal gewesen und seit der Antike das erste lebende Exemplar in Europa.

Dürers Darstellung wurde zwar in hoher Auflage nachgedruckt, doch es gibt nur einige wenige Erstausgaben. Sie finden sich meist in den renommiertesten Kunsthallen wie dem British Museum, dem Louvre in Paris oder dem Metropolitan Museum in New York. Und nun auch in der Nationalgalerie in Prag.

Albrecht Dürer,  Rhinozeros  (1515) | Foto: Bibliothek der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik,  public domain

Beim Erwerb des Blattes vor fast 70 Jahren ging man einfach davon aus, dass es zu einem der zahlreichen späteren Drucke gehöre. Erst vergangenes Jahr nahm die Kunsthistorikerin Sylva Dobalová das Werk genauer unter die Lupe – und äußerte die Vermutung, dass es sich um einen der Erstdrucke handeln könnte. Bei der Präsentation erläutert sie:

„Nosorožec“  (Rhinozeros),  Albrecht Dürer | Foto: Archiv der tschechischen Akademie der Wissenschaften

„Rund um das Rhinozeros ist zum Beispiel ein dünner schwarzer Rahmen zu sehen. Er ist aber an zwei Stellen links und rechts oben unterbrochen. Und genau das ist in der Fachliteratur als Zeichen der Erstausgabe beschrieben.“

Der nächste Schritt sei gewesen, das Alter des Papieres eindeutig festzustellen...

„Auf den ersten Blick konnte ich schon sehen, dass der Druck alt ist. Die Rillen werfen einen gewissen Schatten, sie sind plastisch. Dann haben wir den Holzschnitt durchleuchtet“, so Dobalová.

Markéta Kučerová  (hinten) und Sylva Dobalová  (vorne) | Foto: Eva Kézrová,  Tschechischer Rundfunk

Auf diese Weise konnten die Expertinnen ein Wasserzeichen nahe dem Nashornkopf entdecken. Dieses zeigt einen Anker mit einem kleinen Stern. So markierte Dürer seine Originaldrucke.

„Ein solcher Druck gilt gemäß der Fachliteratur als Originalabzug, der Dürers Werkstatt verließ und von ihm wohl eigenhändig kontrolliert wurde. Er ist sehr schön und scharf gestochen“, ergänzt die Kunsthistorikerin.

Auf das Original weist zudem hin, dass der Text über der Nashorn-Darstellung nur fünf Zeilen hat. Bei den späteren Abzügen wurden die Ausführungen auf die sechste Zeile verlängert.

Von links: Markéta Kučerová und Sylva Dobalová | Foto: Eva Kézrová,  Tschechischer Rundfunk

Im Übrigen hat Albrecht Dürer in der begleitenden Erklärung ein falsches Datum für die Ankunft des Rhinozeros in Europa vermerkt – nämlich das Jahr 1513 anstatt 1515. Vor allem aber ist das Tier, das ein Indisches Panzernashorn sein soll, anatomisch nicht korrekt wiedergegeben. Das hat aber nicht verhindert, dass Dürers Druck sehr populär wurde.

Autoren: Till Janzer , Eva Kézrová | Quellen: Český rozhlas , ČTK
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