Toninstallationen, Interventionen und Galerie-Sammlungen: Zeitgenössische Kunst auf Schloss Bechyně

Der diesjährige Kultursommer auf dem Renaissance-Schloss Bechyně bietet erneut Kunst sowohl der internationalen als auch der tschechischen Szene.

Im Park die Inatallation von Roland Emile Kuit | Foto: Till Janzer,  Radio Prague International

Jeder farbige Holzpflock – ein anderer Ton. Roland Emile Kuit hält sein Handy in der Hand, das auf laut gestellt ist, und geht die Reihe der Pflöcke langsam ab:

„Ich lasse hier Papageien-Geräusche in die Impulse von Papageienfische übergehen, sodass sie sich miteinander verflechten. Es handelt sich um eine Installation, die gegen Polarisierung gerichtet ist. Gegensätze treffen also aufeinander und verschmelzen miteinander.“

Der Komponist und bildende Künstler aus den Niederlanden hat eine Ton-Installation für den Garten des Schlosses Bechyně geschaffen. Sie gehört zum Kulturprogramm dieses Sommers auf der Adelsresidenz in Südböhmen. Das Geschrei der Papageien hat Kuit in der Voliere des Schlosses aufgenommen. Über QR-Codes können die Besucher von Schloss Bechyně mit ihren Handys die Töne aktivieren und kommen so zu dem Hörerlebnis.

Foto: Vladimír Kiva Novotný,  Schloss Bechyně

Spiel mit dem Genius Loci

Roland Emile Kuit ist nur einer der zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler, deren Werke diesen Sommer auf dem Schloss zu sehen und – in seinem Fall – auch zu hören sind. Die Ausstellung hat das Motto „Relational Fields“, also Beziehungsfelder. Sie besteht aus drei Elementen. Das sind einmal die Installationen im Park. Zudem gibt es erstmals Interventionen in den historischen Räumen des Schlosses. Und drittens befinden sich zahlreiche Exponate in den Ausstellungsräumen des ehemaligen Speichers. Letztere stammen aus den Sammlungen der renommierten Konrad-Fischer-Galerie aus Deutschland und der Prager Galerie Etcetera.

Foto: Schloss Bechyně

Mitkuratiert wurde die Ausstellung, wie auch schon die im vergangenen Jahr, von Claudia Rajlich. Die tschechischstämmige Kunsthistorikerin lebt in Zürich und sagt:

„Das Konzept von Bechyně ist eigentlich, die Kunst mit dem Genius Loci zu verbinden.“

In dem Sinn entstehe ein starkes Beziehungsgeflecht, so Rajlich, zumal die Besucher interaktiv werden könnten.

Interventionen in historischen Räumen

Nicole Šťáva | Foto: Miloš Vatrt,   Schloss Bechyně

Aber auch im Schloss selbst begegnet den Besuchern diesen Sommer die Kunst. In den Sälen des Renaissancebaus hat die Schweizerin Nives Widauer ihren Raum bekommen für Interventionen. Nicole Šťava ist Miteigentümerin des Schlosses Bechyně, ihre Familie war nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei im Jahr 1968 in die Schweiz emigriert. Sie sagt:

„Wir haben uns noch nie vorher getraut, Installationen von zeitgenössischen Künstlern in den historischen Räumlichkeiten zuzulassen. Aber es ist irgendwie intuitiv entstanden, wie vieles eigentlich in unseren Projekten.“

Nives Widauer | Foto: Till Janzer,  Radio Prague International

Nicole Šťava kannte schon vorher Nives Widauer und ihre Kunst. So seien jetzt sensible, aber auch humoristische Interventionen entstanden, befindet sie. Diese befinden sich in fast jedem der Säle.

Nives Widauer, die in Wien lebt, aber aus Basel stammt, hat sich unter anderem in den Saal mit historischen Kinderporträts gewagt. Es sei alleine schon ein Erlebnis, in so viele Kindergesichter zu blicken, die wie Erwachsene „aufgebrezelt“ seien und einen streng anschauen würden. Als Konfrontation habe sie Werke aus ihrer Serie „Possibilities“ ausgesucht, bei der es eigentlich um Körpermöglichkeiten gehe, sagt sie:

„Ich habe ‚Possibilities‘ ausgesucht, die zu den einzelnen Bildern in den Dialog gehen – und vielleicht auch zwei Versionen der Vorstellung von Kindheit darstellen. Dabei möchte ich nicht urteilen, was die bessere Version ist.“

Des Weiteren hat Widauer zum Beispiel im Schlafsaal des Peter Wok von Rosenberg Spiegel installiert sowie in der Rüstkammer die bereits erwähnten Puppen.

Intervention in der Rüstkammer | Foto: Till Janzer,  Radio Prague International

Das Spannende bei diesen Interventionen ist, dass ihnen auch jene Besucher begegnen, die sich einfach nur die historischen Säle des Schlosses anschauen wollen und womöglich gar keine zeitgenössische Kunst. Miteigentümerin Šťava erwartet deswegen sehr unterschiedliche Reaktionen, die nicht immer nur Begeisterung oder Verständnis zeigen müssten. Aber so können man in den Dialog kommen, befindet sie.

Tschechische Kunst

Alter Speicher von Schloss Bechyně | Foto: Till Janzer,  Radio Prague International

Der dritte Teil der Kultursommer-Ausstellung befindet sich im früheren Speicher des Schlosses. Auf vier Stockwerken ist in dem spätgotischen Gebäude zeitgenössische Kunst installiert. Während im Parterre einige Autoren ihre Gedanken zu Werken aus der Sammlung der Familie Šťava formuliert haben, ist der erste Stock der Konrad-Fischer-Galerie vorbehalten. Es handelt sich um eine Auswahl an konzeptueller und minimalistischer Kunst aus der ganzen Welt – von Sol LeWitt über Candidy Höfer bis Thomas Schütte und Paloma Varga Weisz.

Im zweiten Stock wird zeitgenössische Kunst aus Tschechien gezeigt, zusammengestellt von der Galerie Etcetera aus Prag. Miroslav Jiřele betreibt die Galerie zusammen mit Pavla Kosař und erläutert:

„Wir beschäftigen uns vor allem mit der Konzeptkunst der 1970er Jahre sowie mit den Werken von Künstlern ab den 1980er und 1990er Jahren bis zur heutigen Zeit.“

Installation von Milena Dopitová | Foto: Till Janzer,  Radio Prague International

Milena Dopitová gehört zur jüngsten Generation. Von ihr stammt die allerneueste Installation. Sie heißt „Zpátky na začátek” (Zurück zum Anfang) und besteht aus zehn Kegeln im Patientenhemd. Dazu sagt die Künstlerin selbst:

„Es geht um das Leben, wie wir es durchleben. Wenn die Kugel angerauscht kommt und uns umhaut, sind wir dennoch in der Lage, wieder aufzustehen und weiterzugehen.“

Milena Dopitová erläutert weiter, dass sie sich in ihren Werken meist mit dem Alltag beschäftige.

Unter dem Dach des Speichers gibt es zudem noch eine Installation des Tonkünstlers Roland Emile Kuit. Auf einer großen Fläche sind 10.000 Tischtennisbälle verteilt. An zwei Seiten der Fläche stehen Ventilatoren.

Foto: Vladimír Kiva Novotný,  Schloss Bechyně

„Als Komponist arbeite ich mit dynamischen Systemen. Bei diesem hier nutze ich den Luftstrahl von Ventilatoren. So entstehen Kollisionen, Rhythmen und multiple Rhythmen der Bälle“, so der Künstler, der gesteht, dass er Krach möge, so eine Art Lärm-Komponist sei.

Die Installation ist im Übrigen interaktiv, unter anderem dürfen die Besucher die insgesamt vier Ventilatoren selbst justieren.

Die Ausstellungen im Rahmen des Kultursommers 2026 (Kulturní léto 2026) auf Schloss Bechyně laufen noch bis zum 13. September. Im Juni und im September ist von Donnerstag bis Sonntag geöffnet, im Juli und August von Mittwoch bis Sonntag. Die Zeiten für den Besuch von Schlosspark und Galerie sind dabei 9:30 Uhr bis 16:00 Uhr, das Schloss selbst lässt sich von 10 Uhr bis 15 Uhr bei kommentierten Führungen erkunden. Alle Infos sind auf der Website auch auf Deutsch zu finden: https://zamek-bechyne.cz/de/programm.

Autor: Till Janzer
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