Historische Reisen der Adeligen im Fokus: Burgen und Schlösser starten in neue Saison
Die staatlichen Burgen und Schlösser in Tschechien haben nach einer Winterpause ihre Tore zu Ostern wieder geöffnet. Martina Schneibergová hat sich informiert, wie das Hauptthema in dieser Saison lautet und was dazu gezeigt wird.
Über 100 historische Sehenswürdigkeiten hierzulande werden vom Nationalen Denkmalschutzamt verwaltet. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Besucher im Vergleich mit dem Vorjahr um sechs Prozent auf 4,3 Millionen gestiegen. Wie die Mitarbeiter des Denkmalschutzamtes vor kurzem auf einer Pressekonferenz informierten, werden in dieser Saison auf zahlreichen Schlössern und Burgen neue Besichtigungstrassen angeboten. Dies gilt beispielsweise für die Burg Šternberk sowie die Schlösser Duchcov und Kynžvart. Naďa Goryczková ist die Direktorin des Nationalen Denkmalschutzamtes:
„Auf Schloss Kynžvart werden wir eine einzigartige Ausstellung zeigen, die sich auf die Daguerreotypie konzentriert. Zu sehen wird eine Sammlung der ältesten Daguerreotypien sein, die in Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften restauriert wurden. Ich möchte daran erinnern, dass eine Daguerreotypie, die aus Kynžvart stammt, in die Unesco-Liste ,Gedächtnis der Welt‘ aufgenommen wurde.“
Auch in dieser Saison wird der Programmzyklus „Auf den Spuren der Adelsfamilien“ fortgesetzt. Diesmal stehen die Reisen von Adelsfamilien im Fokus. Petr Pavelec leitet das Denkmalschutzamt in České Budějovice / Budweis. Das Thema sei aus mehreren Gründen gewählt worden, sagt Pavelec gegenüber Radio Prag International.
„Erstens ist das Reisen ein Phänomen, das nicht nur lebt, sondern auch ständig stärker wird. Mit dem Reisen, wie wir es heute kennen, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen. Und die Pioniere des globalen Reisens waren Adelige. Denn sie hatten ausreichend finanzielle Mittel, Zeit sowie eine entsprechende Bildung, um solche Reisen wertschätzen zu können.“
Laut Pavelec haben viele dieser Reisen auch das Aussehen der Schlösser beeinflusst.
„Schloss Hluboká wurde beispielsweise im 19. Jahrhundert im neogotischen Stil gründlich umgebaut. Die Besitzer ließen sich von England inspirieren. Die Adeligen reisten häufig nach England, das damals als der Mittelpunkt der Welt galt. Frankreich war zu der Zeit wenig interessant, dort erwachte man erst allmählich von der Revolution. Deswegen die England-Reisen. Und nach englischen Vorbildern ließen die Adeligen dann Residenzen in ganz Böhmen bauen – wie Hluboká, Sychrov und Hrádek u Nechanic. Die Reisen wirkten sich zudem auf die Gestaltung der Innenräume aus, in denen nun Sammlungen von Jagdtrophäen und verschiedene Reisesouvenirs aufbewahrt wurden. Zudem wurden Reisetagebücher und Fotoalben zum Bestandteil der Schlossbibliotheken. Ich denke, dass dieses Thema die Menschen zu Besuchen in den Residenzen motivieren kann.“
Petr Pavelec erwähnt des Weiteren, dass einige Adelige aus den Böhmischen Ländern auch Reisen rund um die Welt unternahmen. Zu ihnen gehörte seinen Worten zufolge Karl Max Fürst von Lichnowsky. Die Souvenirs von dieser Reise befinden sich auf Schloss Hradec nad Moravicí. Der mährische Adelige Erwin Dubský besuchte wiederum als Fregattenkapitän den fernen Osten sowie Nordamerika. Seine Reisetagebücher und Fotoalben werden auf Schloss Lysice aufbewahrt. Das Denkmalschutzamt wolle nun drei Bücher zum Thema Reisen herausgeben, so Pavelec:
„Eines der Bücher befasst sich allgemein mit dem Reisen. Es heißt ,Šlechta na cestách‘ (,Der Adel auf Reisen‘) und enthält Porträts der einzelnen Adeligen, die größere Reisen unternommen haben. Es handelt sich um einen Bildband mit vielen Fotos. Es ist das wichtigste Buch dieses Projekts.“
Die Hauptsaison auf den staatlichen Burgen und Schlössern dauert bis 1. November.
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