Getränke gegen Hitze: Obdachlosenasyl in Pilsen passt Hilfsangebote an
Am Montag wurden in Tschechien wieder Temperaturen von fast 37 Grad Celsius gemessen. Die Hitze macht auch Menschen ohne festen Wohnsitz zu schaffen. In Plzeň / Pilsen etwa finden sie Hilfe in der Notunterkunft der Heilsarmee.
„Hier ist es hundertmal besser als auf der Straße. Wir bekommen Lebensmittel und etwas zu trinken. Dadurch habe ich aufgehört zu saufen. Ich fühle mich hier sehr gut.“
František aus Pilsen sagt, er habe erst einmal eine solche Hitze wie derzeit erlebt. Das sei während der Corona-Pandemie gewesen, als Masken getragen werden mussten. Auch damals sei das Leben auf der Straße besonders schwer gewesen, berichtet der Mann.
Dieser Tage nutzt František das Asylhaus Patronus im Osten der Kreisstadt, das von der Heilsarmee betrieben wird. Es ist die einzige Einrichtung in Tschechien, die alkoholkranken Obdachlosen eine vorübergehende Unterkunft bietet. Der Gesundheitszustand der Bewohner verschlechtert sich unter den derzeitigen tropischen Temperaturen noch einmal deutlich. Deswegen mache die Heilsarmee zusätzliche Hilfsangebote, schildert Sozialarbeiterin Barbora Lavičková:
„An diesen Hitzetagen stehen für die Klienten schon an der Rezeption Getränke bereit, aber auch in der Lebensmittelausgabe. Wenn ihnen die Flüssigkeiten ausgehen, dann können sie die Mitarbeiter um eine zusätzliche Ausgabe bitten – und das sowohl von Getränken, als auch von Lebensmitteln.“
Beschwerliche Wege
Üblicherweise werde die Notausgabe nicht in diesem Umfang angeboten, fügt Lavičková hinzu, und im Normalbetrieb müssten die Besucher zusätzliche Lebensmittelrationen selbst bezahlen. Durch Temperaturen von deutlich über 30 Grad werde ihr Gesundheitszustand aber besonders belastet, erläutert die Sozialarbeiterin weiter:
„Viele unserer Klienten haben Probleme beim Atmen oder mit dem Herzen. Die Hitze wirkt sich darauf wirklich schlecht aus. Also geht es gerade viel um Arztbesuche.“
Die Sozialarbeiter der Pilsener Einrichtung begleiten die Klienten dann zu Behandlungen oder auch zu Terminen beim Arbeitsamt. Diese eigentlich alltäglichen Gänge würden sich bei den hohen Temperaturen schwierig gestalten, so Lavičková:
„Schon der Weg dorthin ist für die Menschen unangenehm. Wenn sie kein Geld für eine Fahrkarte haben, müssen wir zu Fuß gehen. Für einen unserer Klienten, der Krücken hat und amputierte Zehen, war das wirklich schlimm. Wir mussten mehrmals anhalten. Und die Zeit im Warteraum ist bei der Hitze auch anstrengend.“
Krankenschwester vor Ort
Aber auch im Haus Patronus selbst werde der Gesundheitszustand der Bewohner im Hochsommer genauer beobachtet, betont Martin Hruška. Er leitet die Einrichtung:
„Da die Klienten bei uns Alkohol konsumieren dürfen, ist es wichtig, gemeinsam mit ihnen auf die Aufnahme anderer Flüssigkeiten zu achten. Es steht ein Kanister mit einem alkoholfreien Getränk zur Verfügung. Zudem betonen wir, dass es wichtig ist, Mineralien zu sich zu nehmen.“
Außerdem sei eine Krankenschwester im Haus, die regemäßig Blutdruck messe, ergänzt Hruška. Sie könne schnell reagieren, falls es den Menschen wegen der Hitze schlechter gehe. Und wie wichtig der Kontakt innerhalb der Gruppe ist, zeigt ein weiterer Hinweis des Direktors:
„Manchmal kommt es vor, dass die Klienten auch bei dieser Hitze drei Pullover anhaben. Dann müssen sie darauf aufmerksam gemacht werden, dass es besser wäre, etwas an Kleidung abzulegen.“
Das Asylhaus Patronus bietet Unterkunft für insgesamt 26 Personen. Einen Nutzungsvertrag können Klienten für eine maximale Dauer von einem Jahr abschließen.







