Mit Smartphone gedrehte Doku geht für Tschechien ins Rennen um den Oscar
Erneut hat Tschechien eine Doku nominiert für den Kampf um den Oscar für den besten ausländischen Film. Es ist der Streifen „If Pigeons Turned to Gold“ („Kdyby se holubi proměnili ve zlato“) der Regisseurin Pepa Lubojacki. Er ist bei der Berlinale bereits als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet worden.
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Vor fünf Jahren begann Lubojacki mit den Aufnahmen zu der Doku. Das Besondere daran: Sie filmte mit der Kamera ihres Smartphones. Im Mittelpunkt standen ihr Bruder und zwei Cousins, deren Leben aus den Fugen geraten war. Bruder David ist alkoholabhängig und obdachlos. So entstand ein sehr persönlicher Film, der aber ohne Sentimentalitäten auskommt.
Pepa Lubojacki hat am Mittwochmorgen davon erfahren, dass ihr Streifen von der Tschechischen Film- und Fernsehakademie (ČFTA) ins Rennen um den weltweit wichtigsten Filmpreis geschickt wird.
„Ich wurde von einem Telefonanruf mit dieser Information geweckt. Das war ein kleiner Schock. Als Erstes kam mir der Gedanke: ‚Jesses, das wird eine ziemliche Arbeit.‘ Danach stellte sich aber langsam die Freude ein. Und ich weiß das sehr zu schätzen, dass die Mitglieder der Filmakademie uns dieses Vertrauen entgegengebracht haben“, so die 39-jährige Regisseurin in einem Interview für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.
Selbstzensur beim Drehen ausgeschaltet
Lubojacki tritt selbst in ihrem Film auf. Sie sagt, ihre Rolle als Familienmitglied und als Regisseurin sei nicht voneinander zu trennen gewesen. Aber:
„Es war wichtig, beim Drehen die Selbstzensur auszuschalten und die Gedanken, wo die Grenze liegt zwischen dem Familiären und dem Filmemachen, ins Schneiden des Films zu verlagern. Mir hat sehr geholfen, dass ich wusste, ich werde den Film selbst schneiden. Und dass ich viel Zeit dafür haben werde, alle Aufnahmen durchzusehen. Mir war unglaublich wichtig, dass ich mich immer an die Perspektive der Liebe halte und des Respekts. Das hat mir sehr geholfen als Orientierung dafür, wie ich die Handlung erzählen möchte.“
Und so betont die Regisseurin, dass sie zwar sehr schwierige Momente des Lebens dokumentiert habe, aber der Film keinesfalls depressiv sei. Außer mit den Handyaufnahmen hat sie unter anderem auch mit Familienfotos gearbeitet und die Personen darauf teilweise mit Künstlicher Intelligenz zum Sprechen gebracht.
Bei Berlinale ausgezeichnet
Der 110 Minuten lange Streifen hat bereits die Jury bei der Berlinale in diesem Jahr überzeugt. Diese wählte ihm zum besten Dokumentarfilm. Und seit Mittwoch hat er auch die offizielle Unterstützung Tschechiens. Die 99. Oscarverleihung findet am 14. März kommenden Jahres in Los Angeles statt. Zunächst aber muss es „Kdyby se holubi proměnili ve zlato“ auf die Shortlist schaffen, die am 15. Dezember veröffentlicht wird, und dann am 21. Januar auch offiziell nominiert werden.
In die Kinos hierzulande kommt die Doku in etwas mehr als einem Monat, konkret am 24. September.








