Mögliches Aus für Krisentelefone: Tschechien könnte gegen EU-Vorgaben verstoßen

Zwei Krisentelefonen in Tschechien droht das Aus. Denn die Betreiberorganisation bekommt vom Ministerium für Arbeit und Soziales deutlich weniger Geld. Sollte sie das Hilfsangebot tatsächlich einstellen müssen, würde Tschechien die betreffenden EU-Vorgaben nicht mehr erfüllen.

116-123 – diese Nummer können in Tschechien Menschen wählen, wenn sie Angstzustände oder Depressionen verspüren und sofortige Hilfe brauchen. Ein zweites Krisentelefon der Organisation Cesta z krize (Weg aus der Krise) ist unter 116-000 erreichbar. Es steht für Familien und Schulmitarbeiter bereit, wenn es um Scheidungen oder Konflikte im Klassenverband geht.

Lucie Hermánková | Foto: Adam Ryšánek,  Tschechischer Rundfunk

Beide Beratungseinrichtungen fürchten jetzt um ihr Weiterbestehen. Damit gerate Tschechien in Schwierigkeiten bei der Erfüllung von EU-Vorgaben, warnt Lucie Hermánková von Cesta z krize:

„Wenn wir das Hilfstelefon 116-000 einstellen müssten, wäre das ein großes Problem. Denn Tschechien ist wie jeder Mitgliedsstaat der Europäischen Union dazu verpflichtet, eine solche Krisennummer anzubieten.“

Und die Telefonnummer, die auf 000 endet, muss demnach sogar ununterbrochen geschaltet sein, also 24 Stunden täglich und sieben Tage die Woche.

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Alle Krisenhotlines in Tschechien, die mit 116 beginnen, sind kostenlos erreichbar. Die Betreiberorganisationen bekommen dafür Gelder von zwei Ministerien. Das Innenressort finanziert die Ausrüstung und die Telefonkosten. Für die Entlohnung der Mitarbeiter kommt wiederum das Ministerium für Arbeit und Soziales auf. Und eben dieser Betrag sei von den ursprünglichen gut 15 Millionen Kronen (620.000 Euro) für Cesta z krize nun um zwei Millionen Kronen (83.000 Euro) gekürzt worden, berichtet Hermánková. Ihrer Darstellung zufolge gefährdet dies den weiteren Betrieb der beiden Hilfstelefone der NGO:

„Wir können von unseren Telefonberatern kaum verlangen, dass sie kostenlos arbeiten. Es handelt sich um eine sehr anspruchsvolle und psychisch anstrengende Tätigkeit. Die Kollegen sind nachts, samstags, sonntags und an Feiertagen verfügbar – einfach rund um die Uhr.“

Hoffen auf das nächte Jahr

Die Organisation habe beim Arbeitsministerium einen Antrag auf zusätzliche Gelder gestellt, berichtet Hermánková weiter. Dieser sei jedoch abgelehnt worden mit der Begründung, in diesem Jahr könnten keine außerordentlichen Unterstützungszahlungen mehr genehmigt werden. Eine offizielle Stellungnahme des Ressorts gibt es dazu nicht. Mehrere Anfragen von den Reportern der Inlandsredaktion des Tschechischen Rundfunks sind unbeantwortet geblieben.

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Die NGO Cesta z krize wendet sich deswegen an die Öffentlichkeit. Sie hat ein Crowdfunding-Projekt zur Unterstützung ihrer beiden Krisentelefone gestartet. Bis Ende September sollen 750.000 Kronen (31.000 Euro) zusammenkommen, bisher ist das Ziel zu fast 60 Prozent erfüllt. Dazu sagt Hermánková:

„Wir wissen, dass es viele öffentliche Hilfsaufrufe gibt. Für uns ist jedoch wichtig, dass wir weiterhin Menschen in Krisensituationen helfen können. Aus den öffentlichen Mitteln bekommen wir dieses Jahr leider nicht so viel, wie wir brauchen, um den Betrieb bis zum Jahresende zu garantieren.“

Foto: Cesta z krize / FB

Sie glaube aber daran, dass Cesta z krize im kommenden Jahr wieder genügend Geld vom Arbeitsministerium bekomme, fügt Hermánková hinzu.

Die Statistiken der NGO besagen, dass im ersten Halbjahr 2026 mehr als 7000 Menschen über die beiden Krisenhotlines beraten wurden. Die Betreiber gehen aber auch davon aus, dass es etwa 10.000 Menschen in diesem Zeitraum nicht gelungen sei, bei den beiden Hilfsnummern 116-000 und 116-123 durchzurufen, weil sie jeweils gerade besetzt waren. Derzeit gibt es nämlich jeweils nur eine Leitung. Vonnöten wären aber zwei bis drei pro Telefonnummer, so die Analyse von Cesta z krize.

Autoren: Daniela Honigmann , Marek Sedláček | Quelle: Český rozhlas
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