Der etwas andere Blick auf den Fußball: Tschechiens Kicker mit neuem Trainer vor erstem Spiel

Santi Denia

Die tschechische Fußballnationalmannschaft gehört zu jenen Teams, die bei der WM nicht überzeugen konnten und nun einen neuen Trainer haben. Mit dem Spanier Santi Denia ist es erstmals ein Ausländer, der die Nationalelf anleitet. Wie laufen also die Vorbereitungen auf das erste Spiel unter dem neuen Coach?

Seit Montag ist das tschechische Fußballnationalteam zum Lehrgang beieinander. Nur wenige Tage haben der neue Trainer Santi Denia und seine Schützlinge, um sich miteinander vertrauter zu machen, bevor am Samstag die erste Begegnung ansteht. Auf Verbandsebene ist es absolut neu, dass die Spieler von einem Ausländer trainiert werden. Das trifft auch auf Štěpán Chaloupek zu, der gleich am Montag zur Pressekonferenz kam. Der 23-jährige Verteidiger von Landesmeister Slavia Prag schilderte dabei, welche Erwartungen er an das neue Trainerteam hat:

„Die Begegnung mit einer etwas anderen Fußballwelt, als einige von uns bisher gewöhnt waren. Ich bin mir sicher, dass wir viele Dinge und Erfahrungen vermittelt bekommen – und eben einen leicht anderen Blick auf den Fußball.“

Neben Santi Denia leiten das tschechische Team auch noch sein Landsmann Pablo Ama und der frühere tschechische Nationalspieler Radek Bejbl als Assistenten an. Bejbl spricht Spanisch, weil er einst bei Atletico Madrid spielte. Das Training wird laut Nationalmannschaftsmanager Pavel Nedvěd indes auf Englisch abgehalten.

Viele Absagen von Spielern

Die Nominierung des Kaders für die anstehenden Spiele in der Nations League lief nicht reibungslos ab. Denn es gab einige Absagen. So hätte Denia beispielsweise auch gerne Patrik Schick im Team gehabt, doch der Stürmer von Bayer Leverkusen hatte nach der WM seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekanntgegeben und ließ sich auch vom neuen Trainer nicht überreden. Dasselbe gilt für Ex-Bundesligaspieler Vladimír Darida vom FC Hradec Králové. Hinzu kamen insgesamt sechs Verletzungen. Dennoch berief Santi nur fünf Neulinge.

Pavel Nedvěd | Foto: Kateřina Šulová,  Profimedia

„Santi spricht immer wieder davon, welche Qualität er bei den tschechischen Spielern sieht. Ich denke ebenfalls, dass dem so ist. Nur muss eben auch gut mit ihnen gearbeitet werden. Genau das ist aber sein Plan“, so Pavel Nedvěd im Interview für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

Und dass er Spieler weiterentwickeln kann, hat Santiago Denia Sánchez, so sein kompletter Name, bereits bewiesen. Rund 15 Jahre lang trainierte er sehr erfolgreich spanische Nachwuchsnationalteams, unter anderem holte er 2024 mit der U21 des Landes Olympia-Gold.

Schwere Gegner in der Nations League

Doch die Aufgabe für die nächsten Spiele ist herausfordernd. Tschechien ist in die Liga A der Nations League aufgestiegen. Am Samstag empfängt man in Prag die kroatische Mannschaft um Altstar Luka Modrić, aber danach kommen die Hammer: zu Hause gegen England, auswärts in Spanien und zum Abschluss noch in England. Das tschechische Team wird versuchen, vor allem mit Spielern aus der eigenen Liga dagegenzuhalten. Nur vier aus dem Aufgebot sind in einer der starken europäischen Ligen aktiv: das Hoffenheimer Trio aus Stürmer Adam Hložek und den beiden Verteidigern Vladimír Coufal und Robin Hranáč sowie Pavel Šulc von Olympique Lyon. Das sei deutlich anders als zu seinen Zeiten, bekennt Pavel Nedvěd und führt weiter aus:

„Dies ist nicht nur ein aktuelles Problem, sondern besteht schon seit längerer Zeit. Wenn man jedoch viele Jahre zurückblickt, lag der Anteil von Spielern, die bei ausländischen Vereinen beschäftigt waren, bei 80 oder sogar 90 Prozent. Heute ist das umgekehrt, da etwa 80 Prozent aus der tschechischen Liga kommen.“

Hauptziel EM-Qualifikation

Die vorrangige Aufgabe für Coach Denia bei diesem Lehrgang ist jedoch nicht, Erfolge in der Nations League einzufahren. Sondern es gehe hauptsächlich um den nächsten Schritt, wie der Nationalmannschaftsmanager betont:

„Das erste Ziel ist zwar schon zu versuchen, dass wir uns in der Liga A halten können. Zu wie viel Prozent ich das für wahrscheinlich halte, sage ich jedoch nicht. Aber meiner Meinung nach ist jetzt gerade der richtige Moment, um ein neues Team aufzubauen – vor allem für die EM-Qualifikation. Das ist wohl auch das Hauptziel, das uns die Verbandsführung vorgegeben hat.“

Die Qualifikation zur Europameisterschaft 2028 startet im März kommenden Jahres. Das Endrundenturnier selbst wird in Großbritannien und Irland ausgespielt.

Autor: Till Janzer | Quellen: Český rozhlas , ČTK
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